Berlin - In Berlin sind die Mieten für einen Teil der Wohnungen offenbar mit falschen statistischen Verfahren berechnet worden – und zwar zu Lasten der Mieter. Das ist einer Stellungnahme des Statistik-Professors Göran Kauermann von der Ludwig-Maximilians-Universität München zu entnehmen, die der Berliner Zeitung vorliegt.

Laut Kauermann ist der Berliner Mietspiegel 2015 nach einer falschen Methodik erstellt worden. Etwas vereinfachend lasse sich sagen, „dass die Mieten im Mietspiegel 2015 tendenziell zu hoch ausgewiesen sind“, so der Professor. Dies gelte vor allem für einfache Wohnungen ohne besondere Ausstattung. Leidtragende seien die Mieter. Der Mietspiegel gibt Auskunft über die ortsübliche Miete von Wohnungen je nach Wohnlage, Größe, Baualter und Ausstattung. Vermieter dürfen die Miete in laufenden Mietverhältnissen nur dann erhöhen, wenn die ortsübliche Miete noch nicht erreicht ist. Laut dem Mietspiegel 2015 liegt die ortsübliche Miete in Berlin im Schnitt bei 5,84 Euro je Quadratmeter (Kalt).

Der Fehler des Berliner Mietspiegels liegt laut Kauermann darin, dass die Mieten künstlich nach oben gezogen werden. So werde im Mietspiegel für die verschiedenen Wohnungstypen ein Mittelwert ausgewiesen, der sich aus den Mieten für Wohnungen mit gehobener und mit einfacher Ausstattung zusammensetzt. Während es bei Wohnungen mit gehobener Ausstattung Zuschläge etwa für einen hochwertigen Parkettfußboden oder für eine moderne Einbauküche gebe, seien entsprechende Abschläge für Wohnungen mit einfacher Ausstattung nicht vorgesehen, kritisiert Kauermann. Vermieter erhalten dadurch für Wohnungen mit einer einfachen Ausstattung einen größeren Spielraum für Mieterhöhungen.

Senatsverwaltung für Änderungen aufgeschlossen

Kauermann ist ein renommierter Wissenschaftler. Seit 2011 wirkt er an der Erstellung des Mietspiegels in der bayerischen Landeshauptstadt mit. Er bewarb sich auch um die Erstellung des nächsten Berliner Mietspiegels, bekam aber nicht den Zuschlag.

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung weist zwar den Vorwurf zurück, der Berliner Mietspiegel 2015 sei methodisch falsch, zeigt sich aber für Änderungen aufgeschlossen. Es sei „nichts so gut, dass es nicht noch besser werden könnte“, sagte Sprecher Martin Pallgen. Deswegen prüfe die Arbeitsgruppe Mietspiegel, der Vertreter von Mieter- und Vermieterverbänden angehören, bei der Erstellung jedes Mietspiegels, ob weitere Verbesserungen möglich seien. Die Berechnung der Mietwerte sowie der Zu- und Abschläge werde in der Arbeitsgruppe ein wichtiges Thema für den nächsten Mietspiegel 2017 sein.