Milde Temperaturen: Was das warme Dezember-Wetter mit uns macht

Auch wenn viele Deutsche darauf hoffen: Meteorologen sind sich einig, dass es in diesem Jahr wohl keine weiße Weihnachten geben wird. Sie sagen wegen der vergleichsweise hohen Temperaturen dagegen grüne Weihnachten voraus. Der milde Winter hat aber noch andere Nebenwirkungen.

Allergiker: So mild ist es derzeit in Deutschland, dass diesmal Pollen und nicht Flocken unterwegs sind. Schon am Dienstag startete der DWD seinen Pollenwarndienst. „Mitte Dezember - so früh waren wir noch nie dran“, sagte DWD-Sprecher Andreas Friedrich . Wegen der milden Witterung waren schon Anfang Dezember in einigen Regionen Haselpollen unterwegs, sagt Sonja Lämmel vom Deutschen Allergie- und Asthmabund (DAAB). Was bedeutet das für Allergiker? Wer gerade eine Hyposensibilisierung macht, sollte unter Umständen mit dem Arzt Rücksprache halten, ob die Dosierung für Haselpollen angepasst werden muss. „Keinesfalls sollte man sie wegen des Pollenflugs abbrechen“, sagt Lämmel. Auch Kirschblüte und Jasmin können im Moment schon blühen. Die gehören jedoch nicht zu den klassischen Pollen und machen kaum Probleme.

Wetterfühlige und Kranke: Nicht die ungewohnte Wärme bedeutet Stress für den Körper, sagt die Medizin-Meteorologin Angelika Grätz vom Deutschen Wetterdienst (DWD) - sondern der Wechsel von niedrigen zu hohen Temperaturen. "Der Körper muss sich dann anpassen." Bei Kälte konzentriert sich das Blut im Körperkern, es schützt ihn dann durch Wärme. Ist es sommerlich warm, muss der Organismus das Blut weiter an die Oberfläche bringen. Für ältere Menschen ist das schwieriger. "Ihre Gefäßsysteme sind nicht mehr so flexibel." Auch für chronisch Kranke kann die Temperaturänderung ein Problem sein. Manche fühlten sich in der ungewohnten Wärme auch schlapper als sonst.

Glühwein: Auf Kälte hofft man auch auf Weihnachtsmärkten vergeblich. „Dass die Temperaturen zurzeit den Glühweinständen nicht besonders entgegenkommen, das ist klar“, sagt der Präsident des Bundesverbandes Deutscher Schausteller und Marktkaufleute, Hans-Peter Arens. Konkrete Zahlen hat der Verband nicht. Aber: Mancher Budenbetreiber verkaufe dieser Tage aber einfach mehr kaltes Bier als heißen Wein.

Handel: Auch dem Handel kommt das Wetter nicht entgegen. „Wintermode wird dann gekauft, wenn es wirklich kalt draußen ist“, sagt Kai Falk vom Handelsverband Deutschland. „Der Textilhandel leidet schon sehr unter den milden Temperaturen.“ Allein im November seien die Erlöse im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 5 Prozent zurückgegangen. Für Schnäppchenjäger könnten das gute Nachrichten sein: Die Chancen auf Rabatte im Frühjahr steigen.

Natur: „Die eine oder andere Obstblüte hat sich schon blicken lassen“, erklärt Biologe Dennis Klein vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND). In Berlin wurden beispielsweise blühende Kirschbäume gesichtet. „Es ist tatsächlich hauptsächlich die Temperatur, die das bewirkt“, sagt Klein. Einziger Wermutstropfen: Im Frühjahr dürften dadurch entsprechend weniger Blüten an den Obstbäumen sitzen.

Tiere: Warum in die Ferne schweifen, wenn es zu Hause warm ist? Manche Zugvögel wie etwa Störche sparen sich zum Teil den Weg nach Afrika und bleiben hier. Das hat zumindest indirekt mit dem milden Wetter zutun, wie Kai-Michael Thomsen vom Naturschutzbund Nabu in Berlin erklärt. „Es ist nicht so, dass die Störche erkennen: Hier ist es mild, wir bleiben hier. Sie bleiben aus anderen Gründen hier und stellen dann fest: Es funktioniert.“ Wenn kein oder kaum Schnee liege, fänden sie beispielsweise genug Futter. Auch Kraniche haben sich an die milderen Temperaturen mit weniger Schnee angepasst, heißt es am Kranich-Informationszentrum im brandenburgischen Groß-Mohrdorf. Auf abgeernteten Feldern ohne Schneedecke fänden sie genug Nahrung. Entweder zögen sie nur nach Südeuropa oder blieben gleich in Deutschland.

Streusalz: Das Streusalz dürfte in Berlin länger in den Depots liegen bleiben, als den Herstellern lieb ist. So bald wird zum Beispiel auch beim Salzbergwerk von Haigerloch in Baden-Württemberg keine neue Bestellung eingehen. „Wir sind auf einen guten Winter angewiesen“, sagt dessen kaufmännischer Leiter Frank Joppen. Ein guter Winter, das ist für ihn tagsüber Nieselregen und nachts zwei bis drei Grad minus. „Wetter, das sonst keiner will.“

Wetter: Um 5 Grad über dem Normalwert lagen die Temperaturen zuletzt, wie die Meteorologen der Freien Universität in Dahlem mitteilen. Demnach dürfte der Winter auch mild bleiben: Das gilt als wahrscheinlich, wenn in der ersten Dezember-Hälfte die Temperaturen um 2,5 Grad über dem durchschnittlichen Normalwert liegen und das Wetter durch Tiefs aus Westen bestimmt wird. Beides erfüllt der aktuelle Monat. (BLZ/dpa)