Berlin - Damit die Flughafengesellschaft FBB die Krise übersteht, müssen öffentliche Gelder in erheblicher Höhe fließen. Das Konzept, wie dies geschehen soll, hat am Freitag die erste Hürde genommen. Der Aufsichtsrat unterstützte den Plan, die Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund für die Jahre 2022 und 2026 um Geld zu bitten. Ziel ist, dass das nicht erst durch Corona angeschlagene und mit 4,5 Milliarden Euro verschuldete Staatsunternehmen danach wieder auf eigenen Beinen stehen kann. „Zum einen brauchen wir Liquiditätshilfen in Höhe von 800 Millionen Euro“, sagte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. „Zum anderen bitten wir darum, uns Kredite in Höhe von 1,1 Milliarden Euro abzunehmen.“ Erforderlich sei eine „Teilentschuldung durch direkte Zahlungen der Gesellschafter“. Allerdings zeichnet sich ab, dass weitere Finanzhilfen nötig werden, sodass der Betrag weit über zwei Milliarden Euro steigt.

1,6 Milliarden Euro Einnahmen fehlen

Immerhin: Wenigstens etwas Grund zur Freude gab es vor der Sitzung. Was die Passagierzahlen anbelangt, ist der BER nach Frankfurt am Main zum zweitwichtigsten Flughafen Deutschlands geworden, er überflügelte den Rivalen München. Allerdings fand der Platztausch auf extrem niedrigem Niveau statt. Im Februar nutzten nur noch knapp 136.000 Fluggäste den Münchener Flughafen, während der BER fast 147.000 Fluggäste zählte – gerade mal sieben Prozent des Berliner Luftverkehrs ein Jahr zuvor.

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Nach der Sitzung des Aufsichtsrats: Rainer Bretschneider (2. v. l.), Vorsitzender des Gremiums, und Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup.

„Für dieses Jahr rechnen wir 10,7 Millionen Passagiere am BER“, so der Flughafenchef am Freitag. Ursprünglich sah der Plan vor, dass die Zahl in diesem Jahr auf 37 Millionen steigt. Zwar gehöre der neue Hauptstadt-Airport zu den wenigen Flughäfen, die trotz der Pandemie Gebühren noch in voller Höhe erheben. Doch unterm Strich würden bis 2025 rund 1,6 Milliarden Euro weniger eingenommen als erwartet. Die Zahl der Passagiere werde um 80 Millionen unter den Erwartungen liegen. Als Konsequenz wird gespart – allein in diesem Jahr 89 Millionen Euro.

„Trotzdem brauchen wir die Unterstützung unserer Eigentümer“, sagte Lütke Daldrup. Von den 1,9 Milliarden Euro, um die es zunächst geht, entfallen allein auf Berlin und Brandenburg jeweils rund 700 Millionen Euro – auf fünf Jahre verteilt. Doch es wird noch eine dritte Finanzierungssäule geben. „Das Konzept basiert außerdem auf der Annahme, dass die Corona-Hilfen für die Jahre 2020 und 2021 analog zu der Unterstützung anderer stark betroffener Branchen vollständig in Zuschüsse umgewandelt werden“, hieß es am Freitag.

Das würde die Gesamtsumme um mehrere Hundert Millionen Euro in die Höhe treiben. Von insgesamt rund 2,5 Milliarden Euro war die Rede: Für das vergangene Jahr beläuft sich die Summe auf 300 Millionen Euro, für dieses Jahr wurden bis zu 660 Millionen Euro einkalkuliert, aber wahrscheinlich beläuft sich der Bedarf auf 300 Millionen Euro.. Am 19. März befasst sich die Gesellschafterversammlung mit dem Business-Plan.

Eine sinnvolle Alternative gebe es nicht, machten Lütke Daldrup und die kaufmännische Geschäftsführerin Aletta von Massenbach deutlich. Sonst würden sich die Kosten für Zins und Tilgung auf bis zu 200 Millionen Euro jährlich summieren, und die Gesellschafter, die derzeit für 3,2 Milliarden Euro bürgen, müssten erneut Bürgschaften in Milliardenhöhe übernehmen. Die Chefriege wehrt sich gegen Vorwürfe wie den der oppositionellen CDU in Berlin, wonach das Unternehmen schlecht gewirtschaftet habe. „Rot-Rot-Grün und Lütke Daldrup hinterlassen den BER als Schulden-Friedhof“, hatte der Abgeordnete Christian Graeff kritisiert.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup verlässt Posten vorzeitig

In der Tat sei die Schuldenlast, die das Unternehmen tragen muss, mit rund 4,5 Milliarden Euro enorm, hieß es. Es handele sich größtenteils um Altschulden aus der Bauzeit des BER. Weil die Gesellschafter die Flughafengesellschaft über Jahre hinweg kurzgehalten haben, musste viel Geld am Kapitalmarkt besorgt werden. Das trieb auch die Kosten des Flughafenprojekts BER in die Höhe. Der neue Hauptstadt-Airport hat 5,86 Milliarden Euro gekostet, doch 1,3 Milliarden Euro für Zins, Tilgung und Bürgschaftsentgelte kamen hinzu.

Zum 30. September 2021 will Engelbert Lütke Daldrup, der im Monat darauf 65 wird, nach mehr als viereinhalb Jahren seinen Posten vorzeitig verlassen. Der Aufsichtsrat entsprach seinem Wunsch. Die Stelle soll „baldmöglichst“ neu besetzt werden, sagte Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider (72), der ebenfalls in diesem Jahr gehen will. „Unsere Führungsebene und unsere zweite Führungsebene ist ausgesprochen gut“, so Bretschneider. „Sie bietet die richtige Ausgangsbasis für eine stabile Zukunft.“ Ob die neue Chefin oder der neue Chef aus der FBB kommen wird, ließ er offen. Im April werde der Aufsichtsrat erneut über das Personalthema beraten.