Maschine und Mensch arbeiten Hand in Hand: Big Data und KI spielen heutzutage eine große Rolle. 
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Berlin Berlin soll ein weltweites Zentrum zur Entwicklung der Künstlichen Intelligenz (KI) werden. Dafür bekommt die Hauptstadt ein neues Institut, das bis 2022 mehr als 32 Millionen Euro Förderung aus Bundesmitteln erhält.

Das Berlin Institute for the Foundations of Learning and Data (Bifold) ist am Mittwoch im Beisein der Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU) und des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Michael Müller (SPD), eröffnet worden. Übersetzt bedeutet es etwa: Berliner Institut für Lern- und Datengrundlagen.

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Künstliche Intelligenz (KI) ist ein Schlüsselbereich der digitalen Transformation der Lebens- und Arbeitswelten. Bereits seit einiger Zeit fördert der Bund in Berlin zwei Kompetenzzentren, die beide an die Technische Universität (TU) angebunden sind. Das Berliner BigData Center (BBDC) befasst sich seit 2014 mit der Entwicklung von Technologien, die riesige heterogene  Datenmengen analysieren und nutzbar machen.

Anwendungsgebiete: Autonome Fahrzeuge und digitale Diagnose von Krankheiten

Das Berliner Zentrum für Maschinelles Lernen (BZML) bündelt seit 2018 die  Forschung bei der Suche nach Technologien, mit denen künstliche Systeme selbstständig lernen. Diese beiden Zentren werden nun zum neuen Bifold-Institut zusammengefasst. Über die bereits bestehende Förderung hinaus hat der Bund am Mittwoch 18 Millionen Euro zugesagt, sodass die gesamte Bundesförderung des Instituts bis 2022 mehr als 32 Millionen Euro beträgt. Zusätzlich zahlt Berlin aus dem laufenden Landeshaushalt 3,5 Millionen Euro für die Einrichtung von acht KI-Professuren.

Berlin kann die Forschung zu Künstlicher Intelligenz in Deutschland maßgeblich voranbringen. Das Bifold-Institut ist nun der nächste große Schritt in diese Richtung 

Michael Müller, Regierender Bürgermeister 

„Berlin kann die Forschung zu Künstlicher Intelligenz in Deutschland maßgeblich voranbringen“, sagte der Regierende Bürgermeister Michael Müller. Auch Bundesforschungsministerin Anja Karliczek sieht gute Chancen, dass das neue Institut „zum großen Leuchtturm der KI-Forschung“ wird. Zwar fördert der Bund im Rahmen seiner KI-Strategie deutschlandweit sechs Kompetenzzentren – etwa auch in München, Dresden, Dortmund, Bonn und Tübingen. Aber in Berlin werden erstmals zwei entscheidende Bereiche in einem Institut zusammengefasst.

„Maschinelles Lernen und Big Data Management bedingen sich gegenseitig“, sagte TU-Professor Volker Markl, der zusammen mit dem TU-Professor Klaus-Robert Müller das Bifold leitet. „Jeder Algorithmus ist nur so gut wie die darunterliegende Datensammlung.“ Anwendungsgebiete sind zum Beispiel die Entwicklung autonomer Fahrzeuge und digitaler Systeme zur Diagnose von Krankheiten.

Berlin soll KI - Spitzenreiter werden

Die Weiterentwicklung der „Smart City“, neue Klima-, Umwelt- und Mobilitätskonzepte, ja auch die Ausrichtung der Internationalen Automobil-Ausstellung (IAA), für die sich Berlin beworben habe – all dies sei nicht denkbar ohne Künstliche Intelligenz, sagte Michael Müller. Was aber soll Berlin erfolgreicher machen als zum Beispiel München? Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) hatte erst vor einem Jahr erklärt, der Freistaat solle zum europäischen Spitzenreiter für KI werden.

Dies ging einher mit der Ankündigung von Facebook, ein Forschungsprojekt der TU München mit 7,5 Millionen Dollar zu finanzieren. Auch große Konzerne und Risikokapitalinvestoren, mit denen man die KI in großem Stil entwickeln kann, sitzen vor allem im Süden der Republik. Michael Müller verwies auf das einmalige Umfeld, das Berlin  für die Entwicklung der KI biete – sowohl von der Größe als auch von der Vielfalt her.

Hunderte Wissenschaftler forschten und lehrten an verschiedenen Instituten zum Thema KI. 50 Prozent der bundesweiten KI-Start-up-Unternehmen seien in der Berliner Region angesiedelt. „Ein Riesenpotenzial, das wir gemeinsam weiterentwickeln“, sagte Müller.   „Wir arbeiten auch mit vielen Unternehmen zusammen“, sagte der TU-Professor und Bifold-Chef Volker Markl. Er nannte etwa Amazon, Zalando, BASF und die Telekom.

Tesla als Kooperationspartner

Aus der TU heißt es, man könne sich sicher auch vorstellen, mit dem Elektroautobauer Tesla zusammenzuarbeiten, der in Brandenburg ein großes Werk errichten will. „Es ist aber wichtig, dass wir auch die Grundlagenforschung in Richtung der Unternehmen tragen“, sagte Markl. Am Bifold, das auf dem TU-Campus angesiedelt ist, soll nicht nur geforscht werden.

Geplant sind auch Abteilungen für die Ausbildung von Forschernachwuchs, für die Vernetzung mit Wirtschaft und Gesellschaft sowie für Wissensaustausch und Technologietransfer. Vor allem aber – so sagte Bundesforschungsministerin Anja Karliczek – gehe es auch um Erklärbarkeit, Transparenz und ethische Aspekte. Deutschland solle zur führenden Kraft bei der Erforschung und Vermarktung „vertrauenswürdiger KI“ werden, sagte sie.