Einbrecher haben in der Nacht zu Montag im Berliner Bode-Museum ein besonderes Kabinettstückchen aufgeführt. Aus der Münzsammlung des Hauses auf der Museumsinsel wurde eine Münze gestohlen. Allerdings hat die einen Durchmesser von 53 Zentimetern, ist drei Zentimeter dick und aus purem Gold. Sie hat ein Gewicht von 100 Kilogramm. Damit ist sie ungefähr so schwer wie eine gute Waschmaschine, wenn auch etwas handlicher. Der geschätzte Materialwert liegt bei rund 3,7 Millionen Euro.

Bislang hat die Polizei die Tat soweit rekonstruiert: Gegen 3.30 Uhr stiegen mehrere Täter in das Bode-Museum über ein Fenster im dritten Obergeschoss ein. Bislang gehen die Ermittler davon aus, dass die Diebe von der Bahntrasse aus mit Hilfe einer Leiter ins Haus gelangten. Die Täter wussten offenbar, das nachts lediglich ein paar Wachleute im Gebäude unterwegs sind. Das Museum ist montags geschlossen. Wie es den Tätern aber gelang, die Alarmanlage zu überwinden, ist noch unklar. Technische Details nannten das Museum sowie die Polizei nicht. Die Münze selbst war hinter Panzerglas ausgestellt. Das zerschlugen die Diebe. Das muss viel Krach gemacht haben, sagt ein Ermittler. Weshalb die Sicherheitsleute nicht aufmerksam wurden, ist ebenfalls noch unklar.

Im Mai 2007 geprägt

Ebenso ist offen, wie die Täter das Goldstück aus dem Gebäude geschafft haben. Vieles spreche dafür, dass sie auf dem selben Weg wieder verschwanden, den sie gekommen waren. Die Fahnder gehen nicht davon aus, dass die Diebe Numismatiker sind. Sie gehören vermutlich zu den Kriminellen, die die Münze einschmelzen, das Gold anschließend mit anderen Materialien strecken und als Barren oder als Schmuckstücke verkaufen.

Denn besonders alt oder besonders aufwendig verziert ist die Münze nicht. Das spricht gegen den Auftrag eines Sammlers, der das Stück in seinen Tresor legen will. Die Münze zeigt auf der Vorderseite die britische Königin Elizabeth II im Profil. Geprägt wurde die Münze im Mai 2007 von der kanadischen Münze, der Royal Canadian Mint. Deswegen zeigt sie auch die Queen, die als Oberhaupt des Commonwealth alle Vorderseiten der kanadischen Münzen ziert. Von dieser Münze, eine der schwersten der Welt, wurden nur fünf Stück geprägt. Laut Wikipedia gehört eine davon dem spanischen Edelmetall-Handelshaus Oro Direct.

Eine weitere ist im Besitz von Königin Elisabeth, zwei in den arabischen Emiraten und eine befindet sich in Privatbesitz. Letztere soll die Berliner Leihgabe sein. Auf der Rückseite ist das Wahrzeichen Kanadas, das Ahornblatt, das Maple Leaf, aufgeprägt. Bei dieser Münze sind es drei Ahornblätter. Maple Leaf ist der Name der Sammler-Serie der kanadischen Münzanstalt, die nach dem südafrikanischen Krügerrand wohl die beliebteste Anlagemünze ist.

Nicht der erste spektakuläre Raub

Geprägt wurden die Groß-Münzen als eine Art Werbe-Gag. Ursprünglich wollte die Mint in Ottawa nur eine einzige der Münzen herstellen, um damit eine neue Serie von kleineren Sammlerstücken zu bewerben. Und um der Welt zu zeigen, „dass wir es können“, sagte ein Sprecher damals. Wegen des großen Interesses wurden es dann fünf. Die Maple Leaf war seinerzeit die größte Goldmünze weltweit. Der Rekord währte nur kurz. In Australien wurde 2011 eine Goldmünze herausgegeben, die schwerer ist.

Seit Dezember 2010 wird die am Montag gestohlene Münze als Leihgabe im Bode-Museum gezeigt. Der Nominalwert der Münze beträgt eine Million kanadische Dollar. Aufgrund des unerreichten Feingoldstandards von 999,99/1000 schaffte es sie in das Guinness-Buch der Rekorde. Theoretisch kann man mit der Münze in Kanada auch bezahlen.

Der Raub dürfte zu den ungewöhnlichsten in Berlin gehören – ist aber nicht der erste. Am spektakulärsten war der Bilderraub aus dem Brücke-Museum in Dahlem in der Nacht des 20. April 2002. Mehrere Täter zertrümmerten Fenster, zerstörten die Alarmanlage mit Bauschaum und stahlen neun expressionistische Werke im Gesamtwert von 3,5 Millionen Euro. Die Holzrahmen fand die Polizei später in einer Tasche in der Nähe des Schlosses Charlottenburg in der Spree. Nach einem Tipp aus der Kunstszene nahmen verdeckte Ermittler in Tempelhof zwei Täter fest, die Bilder waren zusammengerollt und beschädigt. Sie wurden umfangreich restauriert. Auch die Sicherungsanlagen im Museum sind mittlerweile auf hohem Stand.

Aufklärungsquote liegt bei zehn Prozent

Am 3. September 1989 war das Bild „Der arme Poet“ von Carl Spitzweg sowie „Der Liebesbrief“ spurlos verschwunden. Zwei Männer hatten während des Besuchsverkehrs die Gemälde von der Wand gerissen, die Wachleute beiseitegeschubst und waren zu Fuß geflüchtet. Die Kunstwerke sind bis heute verschwunden. Wertvolle Kunst lassen Sammler stehlen. Sie wollen sich allein daran erfreuen. Darauf sind mittlerweile europaweit agierende Banden unterwegs. Versichert sind nur wenige Kunstwerke wegen der hohen Prämien. Hin und Wieder nutzen Erpresser gestohlene Kunstwerke dazu, um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen.

In der Hauptstadt werden jährlich rund 250 Kunstwerke begangen. Selbst vor Steinfiguren an Gräbern machen die Diebe nicht halt. Alles was irgendwie zu verkaufen ist, nehmen sie mit. Die Aufklärungsquote liegt bei knapp zehn Prozent. (mit tom.)