Nur wenige Tage nach Schulbeginn werden aus Berlins Schulen die ersten Corona-Fälle gemeldet (Symbolbild).
Bild: Gregor Fischer / dpa

BerlinMindestens acht Corona-Fälle an Berliner Schulen, eine bleibt Berichten des RBB zufolge am heutigen Donnerstag geschlossen. Es handelt sich um das Gerhart-Hauptmann-Gymnasium in Treptow-Köpenick, hier soll eine Lehrkraft infiziert sein. Laut Auskunft des zuständigen Bezirksamts war das eine Entscheidung des Schulleiters: „Er hat von seinem Hausrecht Gebrauch gemacht“, sagte eine Sprecherin der Berliner Zeitung. Das Gesundheitsamt habe von dem Fall erst morgens erfahren und keine Schließung veranlasst. Die Schule soll nun aber trotzdem geschlossen bleiben, bis die Testergebnisse da sind – laut der Sprecherin frühestens am Freitag. Abgestrichen werden das gesamte Kollegium und die Klasse, in der die erkrankte Lehrerin unterrichtet hat.

„Das ist eine Sondersituation“, sagte der Sprecher der Senatsschulverwaltung Martin Klesmann der dpa am Mittwoch. Die Schule habe erst am späten Mittwochnachmittag von dem positiven Testergebnis erfahren. In den übrigen Fällen seien die Kontaktpersonen der positiv getesteten Schüler – zum Beispiel die Mitschüler aus ihrer Klasse – wie vorgesehen in Quarantäne geschickt worden. Die Bildungsverwaltung habe jedoch keine Übersicht, wie viele Schüler und Lehrkräfte insgesamt davon derzeit betroffen sind.

Von Corona-Infektionsfällen sind nach aktuellem Stand außerdem diese weiteren Schulen betroffen:

Neukölln:

-         Karl-Weise-Grundschule, 1 Schulangestellter infiziert, 11 in Quarantäne, keine Schülerinnen betroffen

Steglitz-Zehlendorf:

-         Anna-Essinger-Gemeinschaftsschule, 1 Schülerin infiziert, 3 Lehrkräfte und  1 Lerngruppe in Quarantäne

Reinickendorf:

-         Gustav-Freytag-Oberschule, 1 Schüler/in infiziert, Lerngruppe und Lehrkräfte in Quarantäne

-         Max-Beckmann-Oberschule, 1 Schüler/in infiziert, Lerngruppe und Lehrkräfte in Quarantäne

-         Thomas-Mann-Gymnasium, 1 Schüler/in infiziert, Lerngruppe und Lehrkräfte in Quarantäne

Charlottenburg-Wilmersdorf:

-         Heinz-Berggruen-Gymnasium, 1 Schülerin infiziert, großflächige Abstriche an der Schule

-         Evangelisches Gymnasium zum Grauen Kloster, 1 Schüler/in infiziert, eine Klasse wird abgestrichen

Generell läuft die Bearbeitung von Corona-Verdachtsfällen an Schulen und auch Kitas über die bezirklichen Gesundheitsämter. Die Amtsärzte bestimmen auch die jeweiligen Maßnahmen. Das war in den vergangenen Monaten kritisiert worden, auch weil der Umgang mit Infektionsfällen von Bezirk zu Bezirk zum Teil als sehr unterschiedlich wahrgenommen wird. Eltern- und Schülervertreter, die Wohlfahrtsverbände, aber auch die bildungspolitische Sprecherin der Grünen Marianne Burkert-Eulitz fordern deshalb berlinweit eine einheitliche Strategie für Schulen und Kitas.

Dass es zu Covid-19-Fällen an Schulen kommt, ist wenig überraschend: In ganz Berlin steigen derzeit die Infektionszahlen. Für Schulsenatorin Sandra Scheeres (SPD) kein Argument gegen den Regelbetrieb. Sie hatte in der vergangenen Woche gesagt, mit „Problemlagen zumindest an einzelnen Schulen“ sei zu rechnen. „Wir sind darauf vorbereitet, dass einzelne Lerngruppen in Quarantäne kommen müssen“, sagte Scheeres.

Für Donnerstag hatten die Berliner Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sowie der Landeselternausschuss Scheeres zu einem Gespräch über die „Vereinbarkeit von Gesundheitsschutz und guter Bildung“ eingeladen. Scheeres antwortete am Dienstag mit einer Gegeneinladung – zur ersten Sitzung des neuen Hygienebeirats „Corona und Schulen“ am 17. August. Dem Beirat sollen laut Scheeres’ Schreiben unter anderem Charité-Professor Frank Mockenhaupt sowie Bildungs- und Gesundheitsstadtrat Torsten Kühne (CDU Pankow) sowie Bildungsstadtrat Helmut Kleebank (CDU Spandau) angehören. Die Gründung des neuen Gremiums hatte Scheeres am vergangenen Wochenende angekündigt, nach heftigen Protesten von Schüler- und Elternvertretern sowie der GEW vor dem ersten Schultag.