Berlin - Das Konzept für die neuen Taxifahrpreise steht fest, der Entwurf der Senatsverwaltung ist fertig. Die Botschaft an die Fahrgäste ist klar: Taxifahrten werden deutlich teurer. Die Tarife sollen im Durchschnitt um 13,9 Prozent steigen, einzelne Fahrten sogar um 16,3 Prozent. So steht es in dem Verordnungsentwurf, den die Verwaltung von Stadtentwicklungssenator Andreas Geisel (SPD) verfasst hat. Es hätte noch schlimmer kommen können: Branchenverbände hatten gefordert, die Kilometerpreise sogar um bis zu 40,6 Prozent zu erhöhen. Aber dies hätten sie nicht schlüssig begründet, teilte der Senat mit.

„Die Vorbereitungen für die Tarifänderungen sind abgeschlossen. Jetzt erfolgt die senatsinterne Abstimmung“, sagte Geisels Sprecher Martin Pallgen am Freitag. Die Innung des Berliner Taxigewerbes geht davon aus, dass die Preiserhöhung im Mai kommt. Das sechsseitige Entwurfspapier des Senats, das der Berliner Zeitung vorliegt, enthält alle Einzelheiten der Tarifpläne.

So eine Anhebung gab es noch nie

Danach soll der Kurzstreckentarif für die fast 8 000 Taxis von vier auf fünf Euro steigen – immerhin um 25 Prozent. Fahrgäste können sich diesen Tarif wünschen, wenn sie auf der Straße ein Taxi anhalten und maximal zwei Kilometer weit fahren. Geplant ist auch, den Grundpreis, der bei anderen Touren fällig wird, von 3,40 auf 3,90 Euro zu erhöhen – das wären fast 15 Prozent.

Der erste bis siebte Kilometer soll je zwei Euro kosten – heute sind es 1,79 Euro. Teurer wird es auch, wenn ein Taxi mehr als vier Fahrgäste befördert: Dann darf der Fahrer fünf Euro Pauschalzuschlag kassieren.

„Die in anderen deutschen Großstädten bisher erfolgten Tarifanpassungen bewegen sich in einem vergleichbaren Rahmen“, so der Senat. Dennoch: Eine so gravierende Anhebung hat es noch nicht gegeben. Zuletzt sind die Taxipreise 2014 gestiegen – um moderate 6,8 Prozent.

Diesmal gibt es einen gravierenden Anlass: Seit Januar gilt auch für Taxifahrer ein Mindestlohn von 8,50 Euro brutto pro Stunde, die Ausgaben sind gestiegen. Doch während anderswo die Preise früh erhöht wurden, dauert es in Berlin mal wieder deutlich länger. Das hat damit zu tun, dass sich die Verbände der Taxibranche nicht grün sind.

Obwohl der Senat darauf pocht, dass sie einvernehmlich handeln, gab es Streit – der andauert. Die Innung, Taxi Deutschland und der Berliner Taxibund fordern nicht nur höhere Tarife, sondern auch eine andere Struktur. So gab es Stimmen, den Kurzstreckentarif abzuschaffen und Sonntagszuschläge wieder einzuführen. Auf jeden Fall sollen Wartezeiten, etwa vor Ampeln, stets Geld kosten. Derzeit läuft das Taxameter erst nach einer Minute weiter. „Wie kann es sein, dass Wartezeiten im Stau für den Fahrgast gratis sind, wir unser Personal für diese Zeiten aber voll bezahlen müssen?“, so ein Schreiben an den Senat. „Dieser Tarifbestandteil ist sittenwidrig.“

Fahrer müssen Karten akzeptieren

Doch er sorge dafür, dass die Taxinutzung für die Fahrgäste berechenbar und damit attraktiv bleibt, entgegnete Detlev Freutel vom Taxi Verband Berlin Brandenburg (TVB). Der Senat sieht das genauso – und legte den TVB-Antrag seinem neuen Tarifkonzept zugrunde. Die anderen Verbände lehnen es zwar ab, sie signalisierten jedoch, dass sie die nun geplante Erhöhung nicht blockieren. „Das Ganze dauert ohnehin schon zu lange“, sagte der Innungsvorsitzende Leszek Nadolski. Locker lassen will er aber nicht: „Die Struktur muss sich ändern.“ Unterstützung erhofft er sich von den Experten, die für den Senat Unternehmer befragen und Daten sammeln.

Die Lage sei ernst. „Vor allem Unternehmen mit mehreren Taxis haben seit der Einführung des Mindestlohns noch mehr zu kämpfen“, so Nadolski. Der Druck auf die Fahrer, mehr Umsatz zu bringen, steige. 800 seien schon entlassen worden.

Ab 8. Mai gilt eine andere Neuerung – von der viele Taxifahrgäste profitieren. „Die Verordnung zum bargeldlosen Zahlen, etwa mit EC-Karten, tritt in Kraft“, sagte Freutel. In allen Berliner Taxis müssen mindestens drei gängige Kredit- oder Debitkarten angenommen werden.