Berlin - Klein, aber fein – mit diesem Slogan wirbt ein Eigentümer für eine Einzimmerwohnung in Kreuzberg. Nun ist der Begriff „klein“ nicht klar definiert und jeder versteht darunter etwas anderes. Aber was hier offeriert wird, ist nicht nur klein, sondern winzig: Das möblierte Apartment nahe der Bergmannstraße misst 9,7 Quadratmeter. Inklusive Bad und Küche.

75 Euro pro Qaudratmeter

Angeboten wird es für 749 Euro Warmmiete. Monatlich. Das wären rund 75 Euro pro Quadratmeter – in einer Gegend, in der laut Mietspiegel im sanierten Altbau der Durchschnittszins bei sieben Euro nettokalt liegt.

Unverschämt, heißt es beim Berliner Mieterverein. Selbst in einer guten Wohnlage rechtfertige nichts diese Mietforderung, sagt Vereinschef Rainer Wild. Auch wenn das Apartment möbliert sei und deshalb über der örtlichen Vergleichsmiete angeboten werden dürfe: „Der Zuschlag für die Möblierung muss laut Gesetz adäquat sein, das heißt, in diesem Fall rechtfertigt er keineswegs diese gigantische Differenz“, so Wild.

Der Eigentümer des Apartments, der Berliner Immobilienmakler Jechiel Skurnik, weist die Kritik zurück. Ja, sagt er, die Wohnung sei teuer. Aber: „Sie ist eine Luxuswohnung, sozusagen der Porsche unter den Wohnungen.“ Mit Echtparkett, Designersofa und Flachfernseher an der Wand.

Ursprünglich habe er das Zimmer, das mal die Besenkammer eines Hausmeisters war, gekauft, um dort ein Archiv seiner Firma einzurichten. Das Bezirksamt Friedrichshain-Kreuzberg habe dies als Zweckentfremdung abgelehnt und verlangt, dass das Zimmer einer Wohnnutzung zugeführt wird. „Das habe ich dann gemacht“, so Skurnik.

Herausgekommen sei eine für Berlin noch ungewöhnliche Unterkunft, ein Mikro-Apartment. Skurnik nennt es eine Relocation – gedacht sei die Unterkunft für spezielle Kunden. Für Menschen, die für einige Monate, maximal für zwei Jahre in Berlin wohnen möchten oder müssen. Für Studenten, Künstler, Praktikanten oder Mitarbeiter von Firmen. Als Ferienwohnung will er die Ex-Besenkammer nicht vermieten.

Es gibt bereits Bewerber

Für den hohen Mietpreis offeriert der Eigentümer eine schlichte Erklärung: „Es gab keinen Strom, keine Heizung und kein Wasser, ich musste alles erst einbauen.“ Es sei doch egal, ob man zehn oder 50 Quadratmeter ausbaue, die Kosten müssten auf jeden Fall wieder reinkommen. Angst davor, dass er auf seinem Mikro-Apartment sitzen bleibt, hat der Makler nicht. Es gebe einige Bewerber, derzeit würden die Papiere geprüft.

Für den Mietervereinschef Rainer Wild ist dies ein Beispiel für eine bedenkliche Entwicklung. Es zeige, dass in begehrten Wohnlagen wie im Bergmannkiez mittlerweile jede Miete verlangt werden könne. Und die Mietpreisbremse? Bei der Vermietung von möblierten Wohnungen sei eine Grauzone entstanden, sagt Wild. Vieles lasse sich nur gerichtlich klären.