Die Straße gehört uns allen. Warum werde ich dann dort vollgequalmt? Unschuldig laufe ich des Morgens und des Abends auf meinem Arbeitsweg an einer großen Druckerei vorbei. Davor auf dem Bürgersteig stehen große und kleine Gruppen Männer und Frauen mit tiefernsten Mienen. Warum? Weil sie in ihrer Arbeitspause einer wichtigen Tätigkeit nachgehen, dem Rauchen. Bis zu dem Zeitpunkt, da ich sie passiere, bin ich noch recht heiter, aber wenn ich an ihnen vorbeigehe, ist es aus damit. Oft genau in diesem Moment pusten sie mit voller Kraft den Qualm aus ihren Lungen geradeheraus in mein Gesicht. 

Ist das nett? Nein! Und ungesund obendrein! Wer jetzt denkt „Ach, die Frau Dübber, die soll sich nicht so haben“, den informiere ich darüber, dass Passivrauchen nicht harmlos ist. Das Deutsche Krebszentrum warnt, dass Passivrauchen das Risiko für Lungenkrebs, Krebs der Nasenhöhle und der Nasennebenhöhlen erhöht. Zudem belastet es das Herz-Kreislauf-System, erhöht das Schlaganfallrisiko um schätzungsweise 20 bis 30 Prozent. Außerdem verursacht oder verschlechtert es Atemwegserkrankungen, kann Kopfschmerzen und Schwindelanfälle auslösen.

Die Kopfschmerzen habe ich allemal, wenn ich hustend aus den Rauchwolken herauswanke. Warum ist hier bei uns das Rauchen vor Gebäuden erlaubt und nicht wie in den USA verboten? In meiner Not befrage ich Johannes Spatz vom Forum Rauchfrei. Er ist recht desillusioniert. Seine Schilderung der, so O-Ton, „organisierten Verschleppung einer Gesetzesänderung“ macht mich noch wütender. „2018 wurde von der Berliner Gesundheitssenatorin ein Gesetzesentwurf vorgelegt, der wenigstens das Rauchen vor den Eingängen von Krankenhäusern und Gesundheitseinrichtungen und endlich auch auf Spielplätzen untersagt. 2019 gab es eine Anhörung, seitdem passiert nichts.“

Ich gehe jetzt auf die andere Straßenseite, wenn ich mich der Druckerei nähere. Aber ist das fair, ihr 22,4 Prozent der deutschen Bevölkerung, die dem Hobby Rauchen frönt? Eine Minderheit, die auf ihr Recht pocht. Wenn es ihr wenigstens Spaß machen würde. Oder ist es das schlechte Gewissen, dass sie so ernst blicken lässt?