Missbrauch auf Reiterhof: Hohe Strafe für Frank E. gefordert

Potsdam - Viereinhalb Jahre Haft. So lautete am Donnerstag das Urteil gegen den Betreiber eines Reiterhofes in Reckahn (Potsdam-Mittelmark). Die zweite Strafkammer des Potsdamer Landgerichts sah es als erwiesen an, dass der 56-jährige Frank E. Jungen im Alter ab zwölf Jahre sexuell missbraucht hat. Mit seiner Entscheidung blieben die Richter deutlich unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Vertreter der Anklage hatten für eine Freiheitsstrafe von zehn Jahren plädiert.

Nach Überzeugung des Gerichts hatte sich der Kutschlehrer zwischen den Jahren 2000 bis 2012 in zwölf Fällen des sexuellen Missbrauchs von Kindern und Jugendlichen sowie Schutzbefohlenen schuldig gemacht. Opfer waren demnach fünf Jungen. Das jüngste Opfer sei nicht – wie in der Anklage steht – neun, sondern bereits zwölf Jahre alt gewesen, stellte das Gericht fest. Frank E. habe bei seinen Taten die Unerfahrenheit der Jungen ausgenutzt und seine eigenen sexuellen Bedürfnisse befriedigt, hieß es in dem Urteil. Das Gericht sehe eine hohe Wiederholungsgefahr.

Teilgeständnis des Angeklagten

Frank E. wird daher weiterhin in Untersuchungshaft bleiben bis das Urteil rechtskräftig ist. Der verheiratete Mann hatte bereits am ersten Prozesstag ein Teilgeständnis abgelegt und zugegeben, sich an vier der in der Anklage aufgeführten fünf Opfer vergangen zu haben. Jüngere Kinder oder Mädchen seien aber nicht darunter gewesen, hatte er beteuert. Er habe bei seinen Taten auch nie Gewalt angewendet.

Der gelernte Elektroinstallateur und frühere Judotrainer gab damals auf Nachfrage des Vorsitzenden Richters Jörg Tiemann auch zu, sich schon früher zu Jungen hingezogen gefühlt zu haben. Weitere Angaben dazu machte er vor Gericht jedoch nicht. Er beteuerte lediglich, dass er seine Neigung nun im Griff habe, auch ohne Therapie. Er habe in der Untersuchungshaft Zeit zum Nachdenken gehabt.

„So etwas“ werde nie wieder vorkommen. „Lieber hacke ich mir die Finger ab“, hatte E. den Richtern erklärt. Er wolle sich in Zukunft von Kindern und Jugendlichen fernhalten. Seine Reit- und Kutschanlage, auf der er die Jungen missbraucht hatte, existiere nicht mehr.

Da Frank E. nach Ansicht des Gerichts kein volles Geständnis abgelegt hatte, mussten in dem Verfahren auch drei seiner Opfer befragt werden. (mit dpa)