Eine Berliner Staatsanwältin soll die Altersfeststellung eines tatverdächtigen und angeblich minderjährigen Flüchtlings verhindert haben. In dem Fall geht es um den Vorwurf des sexuellen Missbrauchs: Wie die Bild am Sonntag berichtete, soll ein angeblich 13-Jähriger ein vier Jahre altes Mädchen sexuell missbraucht haben. Die Polizei ermittelte. Die zuständige Staatsanwältin stellte das Verfahren ein, weil ein 13-Jähriger als Kind strafunmündig ist.

Die Polizei bestätigte am Sonntag das Ermittlungsverfahren. Man könne nur ermitteln, die Entscheidungen über den Fortgang des Verfahrens treffe immer die Staatsanwaltschaft, hieß es. Der Sprecher der Staatsanwaltschaft, Martin Steltner, sagte auf Anfrage der Berliner Zeitung, dass der Fall geprüft werde.

Mahdi A. reiste Anfang 2016 nach Deutschland ein. Einen Ausweis hatte er nicht. Er gab sein Alter mit 13 an, die Behörde akzeptierte das und legte sein Geburtsdatum auf den 1. Januar 2004 fest. Als Vormund des unbegleitet eingereisten Afghanen wurde ein Mitarbeiter der Caritas bestellt. Mahdi A. wurde im März 2016 im Haus einer Pflegefamilie untergebracht. Er bekam ein eigenes Zimmer und ging zur Schule. Die Familie hat außerdem eine vier Jahre alte Tochter.

Mahdi A. in Schweden untergekommen

Diese erzählte laut Bild am Sonntag ihrer Mutter, dass sie mit Mahdi Doktor gespielt habe. Die Frau habe das Kind dann in einer Klinik in Buch untersuchen lassen. Dabei hätten die Ärzte festgestellt, dass das Mädchen offenbar mehrfach sexuell missbraucht worden war.

Der Vormund von Mahdi A. habe daraufhin Strafanzeige gestellt. Bei seinen Befragungen habe der Junge die Tat bestritten, schreibt die Zeitung. Polizisten empfahlen, das Alter von Mahdi A. feststellen zu lassen. Für solche Untersuchungen ist in Berlin das Rechtsmedizinische Institut zuständig. Dabei stellen Spezialisten mit Hilfe von Röntgenuntersuchungen an den Zähnen, den Händen sowie am Schlüsselbein das Alter fest.

Die Staatsanwältin schloss am 12. Dezember 2017 die Akte. Inzwischen gibt es Hinweise, dass Mahdi A. in Malmö in Schweden untergekommen ist, wie es am Sonntag bei der Polizei hieß. Dort soll er sich Ahmad M. nennen und sich wieder als 13-Jähriger ausgegeben haben.

Altersdiagnostik heftig umstritten

In Berlin werden Altersfeststellungsverfahren, die enorm aufwendig sind, relativ selten durchgeführt. 2015 wurden 39 junge Menschen untersucht, vornehmlich Flüchtlinge. Von ihnen wurden danach 33 als volljährig eingestuft. 2016 galten nach solchen Untersuchungen elf von 15 Untersuchten als volljährig, im vergangenen Jahr 13 von 27, in vier Fällen stehen die Ergebnisse noch aus.

In den vergangenen Tagen war eine Debatte um Alterstests für Flüchtlinge entbrannt. Ausgelöst wurde sie von Bluttat eines jungen Mannes in Kandel, der ein 15-jähriges Mädchen erstach. Bei dem mutmaßlichen Täter handelt es sich um einen Asylbewerber, der 15 Jahre alt sein soll. Weil diese Angaben unter anderem der Vater des Opfers anzweifelte, fordern vor allem konservative Politiker eine strengere Altersprüfung bei Flüchtlingen.

Die Altersdiagnostik ist heftig umstritten. Die Kritik bezieht sich vor allem auf die Strahlenbelastung bei den Untersuchungen und auf die Unsicherheit der Ergebnisse. Es gibt keine bundesweiten Standards. „Wissenschaftlich ist die Genauigkeit der Methoden nicht belegt“, sagte Thomas Nowotny, Kinderarzt im bayerischen Stephanskirchen, in der Berliner Zeitung. „Bei allen Untersuchungen gibt es Schwankungen – selbst beim linken und rechten Schlüsselbein derselben Person kann ein Unterschied von bis zu zwei Jahren herauskommen.“