Fast könnte einem der Mann auf der Anklagebank des Landgerichts leidtun. Selten hat man wohl einen Räuber mit so viel Pech erlebt. Als Michael W. im vergangenen August einen älteren Herrn überfiel, der in einer Bank in Tegel Geld einzahlen wollte, raubte der 23-Jährige statt des Geldes lediglich für ihn wertlose Geschäftspost. Dann rannte er bei seiner Flucht in eine Wolke aus Reizgas, die er selbst versprüht hatte, um seine Verfolger abzuschütteln. Er habe beim Sprühen nicht auf die Windrichtung geachtet, sagt er an diesem Montag vor Gericht. Michael W. musste wegen Augenreizungen seine Flucht abbrechen. Er wurde festgenommen.

Michael W. ist ein schlacksiger Kerl. Er hat keinen Beruf erlernt, jobbt für 600 Euro im Monat in der Abrissfirma seines Vaters und lebt noch bei den Eltern. Er gibt gleich zu Prozessbeginn den Überfall zu. Er sagt, er habe Geld benötigt, um die Kaution für eine Wohnung zu bezahlen, die er mit seiner Freundin beziehen wollte. Eine Bank zu überfallen, dass sei für ihn eine Nummer zu groß gewesen. Vor dem geplanten Raub auf einen Bankkunden habe er Tilidin genommen, ein berauschendes Schmerzmittel. Mut habe er sich damit machen wollen.

Insgesamt waren es 51148,13 Euro

Michael W. erzählt, dass er davon ausgegangen sei, dass der ältere Herr mit dem Leinenbeutel an jenem 11. August Geld zur Bank bringen wollte. Und wirklich: Der 70-Jährige Rainer S. trug am Nachmittag des Tattages in dem Beutel die Tageseinnahmen einzelner Filialen seiner Firma mit sich – die in sechs einzelnen Plastiktäschchen steckten. Insgesamt waren es 51148,13 Euro, die er wie fast jeden Tag bei der Bank einzahlen wollte. Im Leinenbeutel befanden sich auch noch zwei große Umschläge mit der Firmenpost.

Rainer S. erzählt, dass er schon in der Glastür der Bank einen Mann hinter sich gesehen habe. Dieser habe sich eine Kapuze über den Kopf gezogen und nach der Stofftasche gegriffen. Bei dem Gerangel sei der Beutel gerissen, die Täschchen mit dem Geld sowie die Geschäftsbriefe seien auf dem Boden gelandet.

Blutende Wunden am Kopf und an den Knien

Michael W. griff sich die beiden Umschläge und rannte davon. Rainer S. stürmte hinterher, übersah jedoch eine Stufe und zog sich beim Sturz blutende Wunden am Kopf und an den Knien zu.

Mehrere Passanten jedoch blieben dem Räuber auf den Fersen, der sein Pfefferspray zog. Er habe damit wild umhergesprüht, erklärt Michael W. Schließlich konnte er in der Nähe des S-Bahnhofes Tegel überwältigt werden, er stand hilflos in einer Wolke Pfefferspray.

Der Polizei ist Michael W. bereits wegen Körperverletzung, Beleidigung und uneidlicher Falschaussage bekannt. Bei seiner Festnahme antwortete er auf die Frage eines Polizisten zum Tatmotiv: „Schaut doch in die Umschläge, dann wisst ihr, warum ich es getan habe.“ Zu dieser Zeit hatten Helfer vor der Bank das Geld aus dem Leinenbeutel längst aufgesammelt. Es fehlte kein Cent.

Zumindest ein Gutes hat der Überfall: Rainer S. bringt die Zehntausende Euro jetzt nicht mehr täglich selbst zur Bank. Das macht jetzt eine Sicherheitsfirma.

Der Prozess wird fortgesetzt.