Berlin - Blut, Kot und Glitzer – unter diesem Motto ruft das queer-feministische Bündnis „What the fuck“ zu Protesten gegen den „Marsch für das Leben“ am Samstag auf. „Wir kämpfen für eine Gesellschaft, in der alle angstfrei so leben können, wie sie wollen“, sagt Ella Nowak, Sprecherin des Bündnisses, das sich für die Legalisierung von Schwangerschaftsabbrüchen einsetzt.

Während sie sich für ein Leben ohne Angst engagierten, würden Mitglieder des Bündnisses zugleich als eklig und pervers diffamiert. Ein Polizist habe vor Gericht ausgesagt, dass sie bei einer Blockade des Marsches mit Blut und Kot geworfen hätten, erklärt sie. Das sei so absurd, dass sie die Aussage in ironischer Absicht zu ihrem Motto gemacht hätten.

Demos am Freitag und Sonnabend

Schon am Freitagabend organisiert das „What the fuck“-Bündnis eine Demonstration gegen den Marsch, die um 18 Uhr am Adenauerplatz beginnt. Am Samstag finden dann verschiedene dezentrale Aktionen satt, unter anderem eine Kundgebung am Washingtonplatz um 12 Uhr. Das „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmun“g demonstriert am Samstag, bei der Auftaktkundgebung um 12 Uhr am Pariser Platz vor dem Brandenburger Tor sprechen unter anderem Pro Familia und die „Omas gegen Rechts“. Danach zieht der Demonstrationszug bis vor das Paul-Löbe-Haus.

Schwangerschaftsabbrüche sind in Deutschland rechtswidrig, aber unter bestimmten Bedingungen straffrei. Frauenärzte dürfen inzwischen darüber informieren, dass, aber nicht wie sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Viele Menschen seien überrascht und entsetzt, wenn sie davon erführen, meint Nowak. „Es ist ja öfter so, dass die Gesetzeslage der öffentlichen Meinung hinterherhinkt. Aber bei dem Thema ist es wirklich unglaublich“, sagt sie.

Den „Marsch für das Leben“ gibt es seit dem Jahr 2002, seit 2008 zieht er jährlich durch Berlin. „Das sind christliche Fundamentalisten, die Schwangerschaftsabbrüche gänzlich verbieten wollen, außer wenn das Leben der Mutter in Gefahr ist“, erläutert Sarah Heitsch vom „Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung“, das ebenfalls am Samstag protestiert. Es handele sich bei den Initiatoren des Marsches nicht nur um ultrakonservative Vertreter der Kirche. Der Verband Lebensrecht habe auch enge Verbindungen in die neu-rechte und rechtsextreme Szene, ergänzt Nowak.

„Wir denken nicht, dass eine Legalisierung zu mehr Abbrüchen, sondern zu sichereren Abbrüchen führt“, sagt Sarah Heitsch. Und Ella Nowak weist darauf hin, dass die Zahlen in Ländern, in denen progressivere Gesetze eingeführt werden, nicht steigen. Eine Studie des Guttmacher-Instituts zeigt, dass Länder mit den meisten Restriktionen weltweit die höchsten Zahlen an Schwangerschaftsabbrüchen verzeichnen.