Der Zustrom von Flüchtlingen reißt nicht ab. Allein im September kamen rund 12 000 Asylsuchende in Berlin an – fast genauso viele wie im gesamten vorigen Jahr, so die Gesundheitsverwaltung. Bei den Neuankömmlingen handelt es sich um Menschen, die sich auf eigene Faust nach Berlin durchgeschlagen haben, sowie um Flüchtlinge, die über die sogenannte Balkanroute nach Bayern kommen und dann auf die Länder verteilt werden.

Kamen die Sonderzüge und Busse aus Bayern Anfang September eher im Zwei-Tages-Rhythmus an, bringen sie derzeit täglich Flüchtlinge nach Berlin und Brandenburg. Allein am Dienstag kamen ein Sonderzug und drei Busse aus Bayern an. Der Zug mit 268 Flüchtlingen traf vormittags in Schönefeld ein. Die Neuankömmlinge wurden alle nach Brandenburg weitergeleitet. Am Abend wurden dann drei Busse aus Bayern mit insgesamt 150 Flüchtlingen in Berlin erwartet. Die Menschen sollten in der Notunterkunft am Olympiagelände unterkommen.

Da auch für die nächsten Tage Sonderzüge und viele Neuankömmlinge erwartet werden, geht die Suche nach Unterkünften intensiv weiter. Erst am Montag wurde in Pankow eine weitere Notunterkunft in einer Polizeisporthalle in Betrieb genommen. Aber auch große Häuser würden benötigt, so die Verwaltung. Das ICC wird daher weiter geprüft.

Seit Montag steuert der Berliner Koordinierungsstab Flüchtlingsmanagement, dem der ehemalige Polizeipräsident Dieter Glietsch vorsteht, außerdem die Verteilung der über Bayern kommenden Flüchtlinge für insgesamt fünf östliche Bundesländer: Berlin, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen und Brandenburg. Dies sei vereinbart worden, um den Bund bei der Verteilung dieser Flüchtlinge zu entlasten, sagt Regina Kneiding von der Gesundheitsverwaltung. Berlin und Brandenburg arbeiteten schon seit Anfang September eng zusammen. Jetzt seien noch drei Länder dazugekommen. „Das funktioniert sehr gut.“

Berlins früherer Innensenator Ehrhart Körting (SPD) hat unterdessen klare Vorgaben für die Aufnahme von Zuwanderern gefordert. Am Montag sagte er im RBB: „Dieser unregulierte Zuzug, diese Flüchtlingsanarchie“ könne es auf Dauer nicht geben. Der Staat habe die Pflicht, auf eine vernünftige Mischung unter den Neuankömmlingen zu achten. „Wir müssen uns aussuchen können, dass nicht nur Unqualifizierte zu uns kommen.“ Die Flüchtlinge ihrerseits seien verpflichtet, die Werte und die Lebensweise in Deutschland anzunehmen. (mit dpa)