Der Komponist Edgar Froese, in den Archiven der Popkultur als Pionier der elektronischen Musik verewigt, erzählte in einer Episode seiner Autobiografie von einer Begegnung mit seinem guten Freund David Bowie. Während dessen Zeit in Berlin trafen sich die beiden zufällig beim Bäcker, und als Bowie an der Reihe war, sagte er in gebrochenem Deutsch zur Bäckersfrau, er kaufe jetzt ein Brot. Die Frau hinter der Theke war, traditionell berlinerisch, wenig beeindruckt und zählte auf: Roggen, Weizen, Körnerschrot, Dinkel, Hafer, Vierkorn, Kasten, Rund, ein halbes oder ein ganzes? Bowie konnte sich in den Weltraum denken, nicht aber in eine deutsche Backstube. Er bat Froese um Hilfe: Er wolle nicht den Laden kaufen, sondern lediglich ein Brot.

Die Szene belegt zweierlei: Zu viele Wahlmöglichkeiten und Überfluss sind kein Phänomen der Gegenwart, schließlich sind schon mehr als vierzig Jahre vergangen, seit Bowie in Berlin lebte. Und: Das Bäckerhandwerk ist zu Recht der Stolz unserer Nation. Werden Auswanderer oder gar nur Urlauber gefragt, was sie am meisten an Deutschland vermissen, lautet die Antwort gerne: ein gutes Brot. Manchmal muss man für diese Sehnsucht aber gar nicht weit reisen.

Vor ein paar Tagen war das Vollkornbrot beim Bäcker schon ausverkauft. Deshalb musste später ein Brot aus dem Supermarkt herhalten, kein geschnittenes mit Langzeitkonservierung aus dem Warenregal, sondern das „frisch aufgebackene“ von der Großbäckerei, die der Supermarktkette angehört. Aufmerksame Brotfreunde schlagen jetzt schon die Hände vor dem Gesicht zusammen. Denn zu Hause eröffnete das gebackene Innenleben beim Aufschneiden des Kantens ein trauriges Bild. Im Vollkornbrot war kein einziges Korn zu sehen.

Auch geschmacklich ließ das Brot einiges vermissen, dafür sorgte es nach dem Verzehr für ein merkwürdiges Völlegefühl. Lag vielleicht am darin enthaltenen Zuckersirup – eine Zutat, die in einem Vollkornbrot nicht eben naheliegend erscheint. Obwohl dieses Brot in seiner Schlichtheit kaum zu übertreffen war, hätte sich wohl nicht mal der dereinst überforderte Bowie damit zufriedengegeben. Von dem ist vor zwei Jahren übrigens die erste bekannte Studioaufnahme aufgetaucht, mehr als fünfzig Jahre nach ihrer Entstehung. Entdeckt wurde das Band in einem Brotkorb.