Mit dem E-Bike in die Märkische Schweiz: Von wegen Rentner-Fahrrad

Altlandsberg - Der Wind ist ziemlich heftig und kommt auch noch von vorn. „Das ist das richtige Vorführwetter“, sagt Helge Krause. Und vorführen soll der 48-Jährige das, was in den letzten Jahren in Deutschland einen rasanten Aufschwung erlebt hat – das Elektrofahrrad oder neudeutsch E-Bike. Rund 310.000 Stück sind im vergangenen Jahr bundesweit verkauft worden – und das trotz Preisen, die erst bei 1000 Euro beginnen.

Wir starten in Altlandsberg. Im dortigen Fahrradhof an der Berliner Allee kann man seit vergangener Woche E-Bikes ausleihen. „Sonne auf Rädern“ heißt das Projekt, mit dem perspektivisch die Landkreise Märkisch-Oderland und Dahme-Spree mit E-Bike-Ausleihstationen überzogen werden sollen. „Wir planen noch in diesem Jahr 20 solcher Punkte“, sagt Krause, der für die Vermarktung zuständig ist. 2013 sollen es dann schon 40 sein.

Wie von einer unsichtbaren Hand geschoben

Nach einer kurzen Einweisung – wo wird der Akku eingeschaltet, und welche Geschwindigkeitsstufen gibt es – fahren wir endlich los. Und, das erste Vorurteil erweist sich als Humbug. Das Elektrofahrrad ist kein Mofa, auf dem man nur sitzt und sich einfach transportieren lässt. Es muss immer getreten werden. Dafür hat man beim Zuschalten des Motors das wunderbare Gefühl, von einer unsichtbaren Hand geschoben zu werden. 20 Kilometer in der Stunde sind auch in den Wind hinein somit überhaupt kein Problem. Und der Tacho zeigt, dass wir noch locker 100 Kilometer mit Stromunterstützung rollen können.

Die Tour geht entlang des Straussees. Auf der relativ steigungsarmen Strecke mögen geübte Radler noch vor sich hinschmunzeln und den Hilfsmotor abschalten. Aber unsere Tour führt in Richtung Märkische Schweiz – der Endpunkt soll Buckow sein. Aber bis dahin sind es gut 40 Kilometer, und die Route trägt den mit großer Wahrscheinlichkeit auf Muskelkater hinweisenden Titel „Ins Land der Kehlen und Schluchten“ und ist eine von 25, die der Tourismusverband Seenland Oder-Spree in diesem Jahr neu ins Programm aufgenommen hat.

Spätestens als wir das Dörfchen Ihlow erreicht haben und im dortigen Hofladen noch einen Apfelsaft nehmen und Schmalz- und Leberwurstbrote essen, sind alle abfälligen Bemerkungen vom „Rentner-Fahrrad“ vergessen. Das E-Bike kämpft sich mit uns die Hänge hoch, an denen wir sonst schwer atmend längst abgestiegen wären. Auch aufgewühlter Waldboden ist kein wirkliches Thema. Und, man kommt trotz Motor-Unterstützung durchaus in Wallung. Ein bisschen unruhig macht nur, dass auf dem Tacho die Elektro-Reichweite inzwischen allmählich deutlich sinkt. 50, 40, 38 Kilometer zeigt er jetzt nur noch an. Natürlich leert sich der Akku schneller, wenn die Strecke besonders bergig ist. Die Vorstellung, die Resttour nur noch ausschließlich mit eigener Kraft absolvieren zu müssen, ist nicht ganz so erfreulich. Man ist doch inzwischen schon etwas verwöhnt.

Zehn Euro Tagesmiete

Aber dann haben wir es geschafft und rollen nach gut zwei Stunden auf Buckow, die Hauptstadt der Märkischen Schweiz, zu. Und, Helge Krause kann noch mal die E-Bikes richtig loben. „Das ist Genussradeln“, sagt er und hat eigentlich Recht. Denn auch unterschiedlich konditionierte Fahrradfreunde können so gemeinsam auf Tour gehen. Dank E-Motor bleibt auch der Schwächere nicht zurück. Und bei Familienausflügen mit Kindern bahnen sich erst gar keine Dramen mehr an. „Sie haben mehr Zeit, die Fahrt und die Landschaft zu geniesen“, versichert Krause. Und, es bleibt alles gemütlich. Denn ab 25 Kilometern Spitzengeschwindigkeit in der Stunde regeln sich die E-Bikes automatisch herunter. Das will der Gesetzgeber so. Wer schneller fahren will, muss zwingend einen Schutzhelm tragen, und das Bike braucht ein Zulassungsnummer.

Übrigens, auch in Bukow gibt es eine Elektrofahrrad-Ausleihstation. Und zwar im Strandhotel in der Wriezener Straße. Der Preis ist sehr günstig: Bei nur zehn Euro liegt die Tagesmiete für ein E-Bike. Und während man im Strandhotel isst, lässt sich mühelos der Akku wieder aufladen. Nach zwei Stunden kann die nächste Tour wieder mit voller Kraft absolviert werden.