Mit dem Rad im Regionalexpress: Für Radfahrer in Berlin kann der Ausflug teuerer werden.

Mit dem Fahrrad in die Bahn: eigentlich eine perfekte Kombination, weil zwei umweltfreundliche Verkehrsarten kombiniert werden. Doch in der Praxis gibt es dabei Probleme, sagte Renado Kropp von der Deutschen Bahn (DB). „Ich würde eher sagen, dass es sich um eine unglückliche Liebesbeziehung handelt.“ Um den Ansturm zu steuern, schlug er vor, auch über Maßnahmen nachzudenken, die derzeit offiziell als tabu gelten: höhere Tarife und Sperrzeiten, in denen Fahrräder nicht befördert werden.

Die Sommerferien beginnen, und damit dürfte es in manchen Regionalexpresszügen wieder eng werden. Viele Reisende nutzen die Möglichkeit, ihr Fahrrad mitzunehmen – um am Ziel losradeln zu können. Immerhin: Auf den Linien RE3 und RE5, die von Berlin an die Ostsee fahren, hat sich die Lage verbessert. „Dort hat jeder Zug einen Fahrradwagen“, sagte Kropp, der bei DB Regio Nordost Regionalleiter fürs Marketing ist. Im Untergeschoss wurden jeweils auf einer Längsseite alle Sitze entfernt. Kropp: „Die Wagen kommen hervorragend an, sie haben die Situation klar entspannt.“

Radfahrer treten „nicht immer freundlich“ auf

Doch der Abbau von Sitzplätzen sei nicht überall zu verschmerzen, so der Bahn Manager. Auf anderen Strecken sei die Situation unverändert schwierig. Er meinte Linien wie die RE1 und RB21, die Berlin und Potsdam verbinden, und die RB10 sowie RB14, die von Nauen nach Berlin führen.

„Im Ballungsgebiet haben wir eine steigende Fahrgastnachfrage“, sagte Kropp. „Oft können wir leider nur noch Stehplätze anbieten.“ Wenn sich Fahrgäste dann noch mit Fahrrädern in die Züge drängen, gebe es Probleme. Hinzu komme, dass Radfahrer dabei „nicht immer freundlich“ auftreten.

Nach einer guten Lösung für den Alltagsverkehr werde gesucht, so Kropp. Dabei sollten alle Möglichkeiten geprüft werden – auch die Option, Regionalzüge auf Teilstücken während der Hauptverkehrszeiten montags bis freitags für die Radmitnahme zu sperren. „Zwischen Berlin und Potsdam könnten Radfahrer auf die S-Bahn ausweichen“, sagte er.

Preise für Radfahrer könnten steigen

Auch über „preisliche Maßnahmen“ ließe sich mittelfristig nachdenken. Dazu könnte zählen, Semesterticket-Tarife zu differenzieren – wer sein Rad mitnimmt, zahlt mehr. Ein weiteres Thema: Eine Fahrrad-Tageskarte für Berlin und Brandenburg kostet heute sechs Euro – weniger als ein Rad einen Tag lang zu mieten. Dabei sei es das Ziel, die Fahrgäste auf Mietangebote hinzuweisen, um die Züge zu entlasten.

Die Entscheidung liege bei den Ländern, die den Verkehr bestellen, betonte Kropp. Beim Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) hieß es, Änderungen seien nicht geplant. Fahrrad und Bahn ließen sich ideal kombinieren, bekräftigte VBB-Geschäftsführerin Susanne Henckel bei einer Fachkonferenz des Verbunds. Das Pilotprojekt „Rad im Regio“, das auf den Linien RE2, RE3, RE4 und RE5 für mehr Platz in den Wagen und mehr Informationen gesorgt hat, bewähre sich. „Es fördert ein besseres Miteinander in den Zügen“, sagte sie.

Ein Fahrgast im Saal forderte, die Züge um weitere Wagen zu verlängern. Doch das sei nur mit hohem Aufwand möglich, weil dann auch die Bahnsteige erweitert werden müssten, sagte Kropp. Um den Bedarf noch besser ermitteln zu können, werden nun Züge mit Zählgeräten ausgestattet – unter anderem bei der Niederbarnimer Eisenbahn.