Potsdam - Brandenburg ist Fahrradland. Was aber, wenn der Berliner mit dem Fahrrad nicht nach Brandenburg kommt? Oder im Märkischen nach getaner Pedalarbeit am Bahnhof steht und verzweifelt versucht, mit seinem Fahrrad in einem der überfüllten Züge zurück zu gelangen? Gerade an Wochenenden mit schönem Wetter kann die Fahrt mit der Bahn zu einem echten Erlebnis werden. Doch das soll sich nun ändern. „Radfahrer willkommen: Land sorgt ab 1. Juni für mehr Platz in den Zügen im Wochenendverkehr“, meldete am Mittwoch das Potsdamer Verkehrsministerium.

„Fahrradland Brandenburg hat sich zur Marke entwickelt“, sagt Jens-Uwe Schade, der Sprecher des Ministeriums. Es sei bei vielen Touristen beliebt wegen seines gut ausgebauten Radwegenetzes. Und um dem Ansturm der radelnden Besucher bewältigen zu können, werde es an den Wochenenden genügend Platz in den Zügen nach Ostbrandenburg geben. Auf den Regionalbahnlinien RB 36 und RB 60 der Ostdeutschen Eisenbahn GmbH (ODEG) werden ab Sonnabend Doppelzüge verkehren. „Dann können doppelt so viele Fahrräder wie an normalen Tagen befördert werden“, sagt Schade.

Für diesen Service stellt Brandenburg 101.000 Euro bereit. Berlin steuert 17.000 Euro bei. Bestellt ist der Verkehr mit längeren Zügen von den Ländern in der diesjährigen Fahrradsaison – an 40 Tagen. Die RB 36 fährt am Wochenende von Königs Wusterhausen über Wendisch Rietz, Beeskow, Müllrose nach Frankfurt (Oder), die RB 60 von Berlin-Lichtenberg über Eberswalde, Bad Freienwalde nach Frankfurt (Oder).

Prügeleien und Beschimpfungen von Zugbegleitern

„Wir hatten in den Sommermonaten auf den beiden Strecken immer Probleme, alle Fahrräder mitnehmen zu können“, erklärt Arnulf Schuchmann, der Vorsitzende der ODEG-Geschäftsführung. In den Triebwagen habe es teilweise Situationen gegeben, „die nicht mehr lustig waren“. Schuchmann spricht von Prügeleien, von Beschimpfungen des Zugbegleiters. „Es reichte nicht, obwohl wir schon 50 Prozent mehr Räder mitgenommen haben, als eigentlich Plätze vorhanden waren“, sagt Schuchmann. Noch mehr Fahrräder gingen wirklich nicht – aus Sicherheitsgründen.

Deswegen habe man schon im vorigen August zu Stoßzeiten einen zweiten Triebwagen angekoppelt. Das sei gut angenommen worden. „Anfang Mai dieses Jahres haben wir dann mit den Ländern Berlin und Brandenburg gesprochen, ob nicht schon mit Beginn der Saison längere Züge rollen sollten“, erzählt Schuchmann. Das Ergebnis: An den Wochenenden zwischen 8 und 11 Uhr und 16 und 18 Uhr fahren diese Züge. Statt der 10 regulären Fahrradplätze stehen in dieser Zeit dann 20 bereit.

Für den Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC) ist die Verlängerung der Züge auf zwei Linien keine Lösung. „Mit der Bahn rausfahren und Radfahren wird immer beliebter“, sagt Andreas Lindner. Vor allem auf den Linien nach Stralsund, Wismar und in den Spreewald reiche das Angebot für Radfahrer nicht aus. „Wenn morgens und abends ein zusätzlicher Zug fahren würde, würde das die Situation entlasten“, so der ADFC-Experte.

„Die Strecken zur Ostsee sind besonders belastet“, gibt ein Sprecher der Deutschen Bahn zu. Man stoße aber an seine Grenzen. Fahrpläne müssten eingehalten, Fahrgäste ohne Rad transportiert werden. Die Kapazitäten seien ausgelastet. „Es kommt auch darauf an, was das Land bestellt, welche Züge fahren“, so der Sprecher. So seien die Talent 2-Züge nur noch einstöckig. Das bedeute weniger Platz für Räder.

Für Brandenburg ist das erweiterte Angebot für Radfahrer bei der ODEG ein Modellprojekt. „Wir haben das Thema erkannt“, sagt Ministeriumssprecher Schade. Wenn das Projekt ein Erfolg werde, müsse man weiter denken.