Auch wenn die Sonne nicht scheint, fährt die „Suncat 120“, denn sie hat reichlich Batterien im Rumpf.
Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

BerlinGleich soll es losgehen, also Augen zu, einfach nur hören und fühlen, ob es bei diesem Schiff tatsächlich einen Unterschied gibt zu all den anderen, die in Berlin unterwegs sind. Es ist Donnerstagvormittag und die erste offizielle Fahrt dieses Schiffes nach seiner Taufe steht an.

Soeben hat Berlins grüne Wirtschaftssenatorin Ramona Pop dieses nagelneue und elegante Fahrgastschiff auf den namen „Suncat 120“ getauft. Das Schiff ist etwas Besonderes: Es ist das erste nur von Solarzellen und Elektromotoren angetriebene Fahrgastschiff, das nun im Linienbetrieb auf den Gewässern der deutschen Hauptstadt unterwegs sein wird.

Die „Suncat“ ist damit eine Ausnahme: Es ist das sauberste unter den etwa 100 großen Fahrgastschiffen der Hauptstadt.

Senatorin Ramona Pop tauft das Schiff. Es ist ihre erste Schiffstaufe.
Foto: dpa/Bernd von Jutrczenka

In der „Suncat“ ist es still, dann geht es los. Bei geschlossenen Augen ist davon jedoch nichts zu merken. Kein Motor brummt, nichts stinkt und qualmt. Lautlos und ohne jeden Gestank schiebt sich das 36 Meter lange und knapp 7 Meter breite Schiff beinahe unmerklich vom Steg Richtung Oberbaumbrücke in Friedrichshain.

Passenderweise kommt nun ein kleiner Dieselkollege entgegen, und das Knattern beim Beschleunigen und der typische Dieselgestank machen den Unterschied noch deutlicher.

Senatorin Pop sagt: „Die Fahrgastschifffahrt ist wichtig für den Tourismus in Berlin, aber die Diesel der alten Schiffe verpesten nun mal die Stadt.“ Deshalb habe der Senat das Projekt gefördert. „Dieses klimafreundliche Schiff steht für Qualitätstourismus und ist ein großer Gewinn für die Stadt Berlin.“ Sie sagt auch, dass der Senat für ähnliche Projekt wieder Geld geben würde, wenn sich Reedereien zum Umstieg entscheiden. „Ich bin gern mit dem Schiff unterwegs“, sagt Pop. „Und so ganz ohne Geräusch und auch ohne Emissionen ist es natürlich besonders gut.“

Der gesamte Schiffsverkehr in der Hauptstadt erzeugt 17.700 Tonnen Kohlenstoffdioxid pro Jahr. Das ist recht wenig zu den 2,2 Millionen Tonnen im Straßenverkehr. Aber gerade die Grünen haben das Ziel, die City bis 2030 emissionsfrei zu machen. Und da müsste dann auch die Dieselflotte auf dem Wasser umgerüstet werden.

Doch der Weg zu dieser Fahrt der „Suncat“ war recht lang. Die Firma Solar Water World AG sieht sich als grüne Reederei und hat 1995 in Köpenick die weltweit erste Solarboot-Tankstelle in Betrieb genommen. „Dort können noch immer 14 Boote für jeweils acht Leute gemietet werden“, sagt Tim Schultze. Er ist der Geschäftsführer der neuen Firma, die für die „Suncat“ und ihr Schwesternschiff gegründet wurde. Eigentlich wollten die Solar-Fans ihre beiden neuen großen Schiffe allein betreiben, doch sie bekamen keine passende Anlegestelle, also gründeten sie eine gemeinsame Firma mit der bekannten Reederei Stern und Kreisschifffahrt.

Eines der beiden Schiff kann nun für Feste gechartert werden. Das andere fährt jeden Tag vom Dom in Mitte aus im Linienbetrieb. Die Fahrt kostet pro Person 27 Euro und ist damit etwa 4 Euro teurer als bei der Diesel-Konkurrenz.

Das Design des Schiffs ist sehr elegant. Die Farben sind Weiß, Hellblau und etwas Grau. Es gibt am Schiff riesige Fenster, die geöffnet werden können. „Wir wollen, dass unsere Schiffe modern aussehen, im Jachtdesign“, sagt Projektmanagerin Louisa Ahrens. Und zu einer Jacht gehöre nun mal immer ein Schiffsboden aus Teakholz. „Das geht aber natürlich nicht bei einer grünen Reederei“, sagt sie. Also wurde ein Kunststoffboden verlegt, der wie Teak aussieht.

Und auch die hellen Geländer, die wie Holz aussehen, sind speziell: Sie wurden aus gepressten Reisschalen gefertigt. Das Schiff ist ein Katamaran, besteht also aus zwei Rümpfen, in denen die Batterien untergebracht sind.

Ohne die Förderung durch die Politik wäre die Sache kaum wirtschaftlich umsetzbar gewesen. Die beiden Schwesternschiffe kosten zusammen 4,5 Millionen Euro. „Davon haben wir 900.000 Euro gefördert“, sagt Senatorin Pop.

Das ist in etwa die Summe, die die Schiffe wegen der Batterien teurer sind als klassische Dieselschiffe. „Diese zusätzliche Investition scheuen viele Reeder natürlich“, sagt Geschäftsführer Tim Schultze. „Die Finanzierung der Speicher ist das Entscheidende bei solchen Projekten. Denn die zusätzlichen Kosten sind so, als würden sie beim Kauf eines klassischen Autos gleich noch den Sprit für die nächsten 15 Jahre mitkaufen müssen.“

Nun wollen die Betreiber beweisen, dass ein Solar-Elektroschiff im Tagesbetrieb wirtschaftlich betrieben werden kann. „Und mein Traum ist, dass wir irgendwann zwölf solcher Schiffe haben“, sagt Schultze.