Es war wohl die Liebe zu ihrem Freund, die die 32 Jahre alte Frau am Mittwochmittag nach Plötzensee getrieben hat. Sie fühlte sich allein und hielt es ohne ihn kaum noch aus. Ihm endlich wieder nah sein. Das war ihr Begehr. Daraus wurde aber nichts – und das wird auch bis auf weiteres vermutlich so bleiben.

Ihr Geliebter vertreibt sich seine Zeit zur Zeit hinter Gittern in Plötzensee in Charlottenburg-Nord. Ein Richter hat ihm eine Beugehaft verordnet. Er soll mehrfach schwarzfahrend in der Stadt unterwegs gewesen und dabei erwischt worden sein. 1200 Euro schuldet der Mann dem Staat. Die konnte oder wollte er nicht bezahlen und nahm die Haft in Kauf. Mir wäre das nichts.

Mit Falschgeld eine Strafe zu bezahlen ist zwar verlockend, aber verboten

Bei seiner Freundin kam bei den Gedanken an die Trennung keine rechte Freude auf. Deshalb machte sich die Frau auf den Weg, um ihren Mann zu besuchen. Sie klingelte gegen 12.45 Uhr an der Pforte des Gefängnisses und übergab einem Wachmann einen Umschlag, gefüllt mit dem noch nicht gezahlten Geld.

Der Wachmann merkte recht schnell, dass die Frau ihm Blüten übergeben hatte. Mit Falschgeld eine Strafe zu bezahlen ist zwar verlockend, aber verboten. Obwohl auch die Justizverwaltung unter chronischem Geldmangel zu leiden hat – ein Gerät zum Prüfen von Banknoten gibt es aber. Das konnte sich die Besucherin offenbar nicht vorstellen, sonst hätte sie es gar nicht erst probiert, mag man glauben. Ob das Falschgeld ohne dieses Gerät akzeptiert worden wäre, ist nicht bekannt. 

Wenn er sie im Knast besucht, sollte er lieber nur Blüten mitnehmen, die in die Vase gehören

Über die Qualität der Blüten ist nichts zu erfahren. Doch Polizisten erzählen, dass das derzeit in Berlin aufgefallenen Falschgeld nicht so berühmt sein soll. Die Scheine sind zumeist im Offsetdruck hergestellt. Sicherheitsmerkmale wie Erhebungen fehlen gänzlich. So ist es bei 90 Prozent der sichergestellten Blüten, und das waren im ersten Halbjahr in Berlin 31100. Das sind weniger als im gleichen Zeitraum des Jahres zuvor. Eines hat sich nicht geändert: Am beliebtesten bei den Fälschern sind 20-, 50- und mittlerweile auch 100-Euro-Scheine.

Die meisten falschen Fuffziger, stammen aus der Nähe von Neapel. Sie eignen sich aber nur zum Bezahlen in Spätis oder in Kaufhallen, deren Mitarbeiter das Geldscheineprüfen lästig ist. Wie dem auch sei.

Die Frau wurde in Plötzensee festgenommen. Die Falschgeldfahnder im Landeskriminalamt werden vor allem von ihr wissen wollen, woher die Blüten stammen und ob sie wusste, dass das Geld falsch ist. Ihr droht eine Geldstrafe. Denn nach dem Gesetz muss derjenige der Falschgeld erkennt, aber nicht anzeigt mit einer Geldbuße bis zu 100.000 Euro rechnen. Sie wird sich nicht herausreden können, dass sie das alles nicht gewusst hat. Das Erkennen von Blüten ist nämlich auch für Laien nicht allzu schwer.

Die Frau wird ihren Freund wohl eine Weile nicht sehen können. Vielleicht muss auch sie in Beugehaft. Und wenn er sie dann im Knast besucht, sollte er lieber nur Blüten mitnehmen, die in die Vase gehören.