Masken als Accessoire.
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BerlinMein Kumpel Jogi raucht wieder. Natürlich nur in der S-Bahn, U-Bahn, im Bus. Auch immer im Supermarkt, das ist ja klar. Dabei macht er ein affiges Gesicht. Unten rum.

Es ist aus einem Laden für Motorradzubehör, wo sie Lederjacken verkaufen, Handschuhe, Helme und eben dieses Affengesicht mit Joint im Mund. Gedruckt ist es auf eine Art Strumpf, den sich Leute früher überzogen, um eine Bank zu überfallen. Damals, als es dort noch Schalter mit Bargeld und auf der Welt kein Covid-19 gab – hach ja …

Heute heißt eine solche Textilie Multifunktionstuch, wobei eine Funktion Fernsehbildern zufolge darin besteht, auf Hygienedemos hygienisch einwandfrei Gegenstände auf Polizisten zu werfen, und zwar mit einem Mindestabstand von 1,5 Metern. Vor allem schützt so ein Tuch den Träger selbst, etwa vor dem Anschiss einer Kassiererin: „Junger Mann, hier nur mit Maske!“

Affengesichter gehören zu den Jüngern Christos. Die Verhüllungskünstler machen einen geringen Anteil an der verschleierten Bevölkerung aus, noch. Das habe ich beim Versuch einer Typisierung festgestellt. Weit bin ich damit bisher nicht gekommen, aber es geht voran.

Da sind die Anhänger der Methode Fußsack. Ich nenne sie: die Renegaten. Sie haben die Maske unters Kinn gezogen. Bei Gefahr fummeln sie das Papier über den Mund, lassen die Nase frei und kontern einen strafenden Blick per Augenaufschlag der Marke: Ick weeß, wie du tickst.

Neulich habe ich jemanden gesehen, der eine FFP3-Maske im Park trug, was ungefähr so sinnvoll ist wie die Anschaffung eines Ferraris für Ausfahrten in Spielstraßen. Wer hat, der hat, auch wenn es andere nötiger hätten. Ärzte zum Beispiel. Die Masken, nicht einen Ferrari.

Am unteren Ende der Vermummungsskala rangieren die nachhaltig Kaschierten. Sie tragen ein geblümtes Halstuch à la Cowboy im Gesicht. Seniorinnen sind das oft, die ihre Nähmaschine verliehen und nicht wiederbekommen haben.

Sicher, ich habe gut reden, ich lasse nähen. Bei der Änderungsschneiderin meines Vertrauens, Frau Hong. Sie ist eine Renegatin, eindeutig. Auch sie trägt Papier unter der Nase, ihre Stoffmasken will sie schließlich verkaufen.

Für 5 Euro hat sie mir ein besonders schönes Stück überlassen. Es hat letztens beim Bäcker prima gepasst. Als ich eintrat, diskutierte die Verkäuferin gerade über das Für und Wider der Maskenpflicht mit einem jungen Vertreter der Kategorie IM Schlemihl.

Das Revers seiner Jacke halbherzig über den Mund haltend und lauthals Aerosole verströmend, deklamierte er: „Was ist nur aus Prenzlauer Berg geworden!“ Er muss den Prenzlauer Berg vor seiner Geburt betrauert haben. Jedenfalls deutete ich auf meine Maske. Auf den Stoff gedruckt ist Stroh.

Ich werde Frau Hong bitten, genau so ein Modell für meinen Kumpel Jogi anzufertigen.