Der Berliner, der aufs Land zieht, muss sich mit einer Tatsache abfinden: Er wird dort nicht allein sein. Damit sind jetzt nicht die vielen anderen Berliner gemeint, die auch aufs Land gezogen sind, weil ihnen die Stadt zu laut und zu voll geworden ist. Hier soll es  eher um die tierischen Mitbewohner gehen.

Wir sind ja schon einiges gewöhnt. Spitzmäuse zum Beispiel, die niedlich aussehen und unter dem Küchenschrank wohnen. Auch Marienkäfer haben wir viele. Wenn es Winter wird, kriechen sie zu Hunderten in die Fensterdichtungen in der irrigen Annahme, bis zum Frühjahr werde ja wohl niemand, der noch ganz bei Trost ist, die Fenster wieder öffnen. Es gibt die drei Dutzend Katzen der einen Nachbarn, die durch den Garten laufen und das Rudel Hunde der anderen, die gern bellen, wenn einer am Haus vorbeiläuft.

Neulich tollte eine Fuchsfamilie im Garten herum. Sie wohnt hinter der Remise. Ein großes Loch tat sich dort im Frühjahr plötzlich auf. Wir wissen nun, wer es gegraben hat. Die drei jungen Füchse sind mittlerweile soweit, dass sie den Bau verlassen. Sie springen im Garten herum, untersuchen die Regentonne und wirken ganz harmlos. Bloß nicht anfassen, rät ein Bekannter. Hatten wir auch nicht vor, aber man kann vielleicht nicht vorsichtig genug sein.

Waschbären richten viel Schaden

Seit dieser Woche haben wir nun Waschbären. Eine ganze Familie: Mutter und sechs oder sieben Kinder. Plötzlich saßen sie auf dem Dach der Remise, zogen die Äste der Weide zu sich, kugelten übereinander, kletterten abwechselnd runter und wieder rauf, balancierten auf Metallstreben, guckten frech über die Dachkante und wirkten nicht so, als ob sie diesen tollen Platz mit Überblick übers Geschehen freiwillig jemals wieder aufgeben wollten. Kann man ja auch verstehen.

Es ist nur so, Waschbären, das sagt jedenfalls das Internet, richten gern richtig viel Schaden unter den Dächern an. Sie zerfetzen die Dämmung und bauen daraus Nester. Sie sind allerdings sehr reinlich und benutzen ein Klo, also immer dieselbe Stelle. Aber will man die nun gerade auf dem eigenen Dach haben?

Die Frage stellt sich, und die Antwort liegt auf der Hand. Aber was macht man? Geld kann man den Bären ja nicht bieten, um sie zum Auszug zu bewegen, wie man es gern in der Stadt mit Mietern macht, die man so schnell wie möglich loswerden will.

Wir haben uns erstmal entschlossen, den Waschbären etwas zu bieten. Radio nämlich. Das fanden sie allerdings nicht so cool. Die ganze Nacht so ein Gedröhn. Einfach zu laut auf dem Land. Sie sind dann wieder ausgezogen. Mit Kind und Kegel. Gestern hab ich sie auf dem Dach der Nachbarn gesehen, da war es dann wohl schön ruhig. Vielleicht war aber auch einfach nur der Sender Schuld. Immer nur Nachrichten, das mochten sie vielleicht nicht.

Unsere Waschbären hätten wahrscheinlich Reggae bevorzugt. So sehen sie jedenfalls aus. Die Frisur stimmt schon mal. Na ja, vielleicht gibt’s ja Musik beim nächsten Mal.