BerlinEs geht um Suppe, es geht um Geld, und es geht um eine bessere Zukunft – wirtschaftlich, geschmacklich und auch gesundheitlich. Das klingt alles ein wenig viel, aber all das kann mit einer guten Idee durchaus zusammen gebracht werden. Davon sind jedenfalls die Leute hinter der Regionalwert AG Berlin-Brandenburg mit Sitz in Potsdam überzeugt. Sie wollen dafür sorgen wollen, dass mehr regionale Bio-Lebensmittel aus Brandenburg auf den Berliner Markt kommen.

Dafür sammelt die Aktiengesellschaft seit mehr als zwei Jahren Geld ein, um es in Firmen zu investieren, die eine Wertschöpfungskette vom Acker bis zum Teller bilden. Nun steht das erste Produkt dieser Kooperation in den Regalen der Berliner Bio-Supermärkte.

Dabei handelt es sich um eine Suppe, besser gesagt: zwei Suppen – eine mit Kürbis, eine mit Möhren. Die 380-Gramm-Gläser werden für 3,99 Euro verkauft und werben mit dem Aufdruck: „Aus der Region. Aus gutem Grund.“ Timo Kaphengst, Vorstand der Regionalwert AG, sagt: „Die Idee ist, dass möglichst alle Zutaten aus der Region kommen und auch hier verarbeitet werden.“

Damit wird ein Problem angegangen, das die Bio-Branche der Region schon immer plagt. Michael Wimmer vom Verein Förderung des Ökologischen Landbaus (FÖL) sagt, dass in Brandenburg zwar 13,2 Prozent der landwirtschaftlichen Flächen von Bio-Bauern bewirtschaftet werden. Das sei mehr als  im Bundesschnitt, der bei zehn Prozent liege. „Aber es klemmt an vielen Ecken, wenn es um die Verarbeitung geht.“ Denn für die Bio-Produkte von Brandenburgs Feldern gibt es hier kaum Verarbeitungsbetriebe. Es sei aus ökologischer Sicht nicht sinnvoll, Milch, Fleisch oder Feldfrüchte über hunderte Kilometer zur Weiterverarbeitung Richtung Westen zu fahren und dann die fertigen Joghurts, Würste und Suppen wieder zurück nach Berlin. „Es ist wirklich gut, wenn die Verarbeitungsprobleme angegangen werden“, sagt Wimmer.

Timo Kaphengst sagt, dass die Regionalwert AG ganz gezielt hiesige Verarbeitungsbetriebe fördert. „Wenn der Anbau, Verarbeitung und Vermarktung hier geschieht, bleibt auch das gesamte Geld in der Region.“ Er schwärmt von den hiesigen Möglichkeiten. „Berlin ist ein unersättlicher Markt für Bio-Produkte mit einer unfassbaren Nachfrage, die leider nur zu einem geringen Teil aus der Region gedeckt werden kann.“ Der hiesige Markt werde sogar von extra angelegten Bio-Flächen in Rumänien und Bulgarien versorgt. Um hier Getreidemühlen, Schlachthöfe oder Milchverarbeitung zu etablieren, sei Geld nötig. „Die Banken sind oft zögerlich, aber wenn wir bei den Betrieben mit einsteigen und Geld investieren, dann sind die Banken auch schneller dabei.“

Timo Kaphengst von der Regionalwert AG.
Foto: Christian Schulz

Bislang hat die Grüne AG 1,2 Millionen Euro eingesammelt und beteiligt sich damit an acht Betreiben. Nun sollen bis Weihnachten weitere 725.000 Euro über Aktien eingesammelt werden.

Die AG knüpft dabei ganz gezielt ein Netzwerk. So auch bei der ersten Regionalwert-Suppe. Die Kürbisse liefert der Bio-Bauer Johannes Erz aus Alttucheband im Oderbruch. „Für uns sind solche Strukturen ganz wichtig“, sagt der 36-Jährige. Vorher habe er auch nicht gewartet, bis jemand vorbeikam, um seine Kartoffeln zu kaufen. Er sei immer ganz aktiv zu den Bio-Märkten in Berlin gefahren und habe seine Früchte angeboten, um unabhängig vom Großhandel zu sein. „Das Wichtigste für uns ist die Planbarkeit“, sagt er. Für Landwirte sei es gar nicht so wichtig, immer den Höchstpreis zu bekommen, sondern frühzeitig im Jahr zu wissen, welche Mengen zu welchem Preis abgenommen werden. „In diesem Fall waren es 1000 Kilo Kürbisse“, sagt er. Diese Kooperationen seien einzigartig.

Johannes Erz sagt, dass sich viele Städter darüber aufregen, dass es in vielen Regionen nur noch Mais-Monokulturen für Bio-Gas-Anlagen gibt. „Und warum ist das so? Weil die Betreiber der Anlagen den Landwirten für 20 Jahre eine garantierte Menge abnehmen zu einem garantierten Preis“, sagt er. Deshalb freue er sich, dass er nun für seine Kürbisse einen festen Abnehmer habe.

Der Abnehmer ist Moritz Timm, der die Firma Wünsch dir Mahl (WDM) vor elf Jahren gründete und die Suppe herstellt. „Wir haben bei Münchehofe angefangen, vor allem regionale Produkte zu verarbeiten“, sagt der 39-Jährige. Es gab eine Gemüsesuppe oder Gulasch. Doch beides  verkaufte sich nicht so gut. „Also orientierten wir uns mehr am Handel und machten mehr exotische Rezepturen.“ Die roten Linsen mit Curry und Kokosmilch waren dann der Renner. Zu dieser Zeit gab es in der Firma auch einen Teilhaber, der eher  Finanzinvestor war, sich mehr für Rendite und weniger für die Produkte interessierte. Dessen Anteile hat die Regionalwert AG nun übernommen – mit der Bedingung: mehr Regionales. „Ich bin froh darüber, denn nun können wir wieder zu unseren Wurzeln zurückkehren“, sagt Moritz Timm.

Fertigsuppen aus dem Glas schmecken ja meist etwas flach und fad. Wie ist es nun in diesem Fall? Die Suppe schmeckt überraschend würzig und voll.

„Ich habe die ursprünglichen Suppe von WDM auf einer Messe gekostet“, sagt Vegan-Koch Timo Franke. „Es sind für mich die besten Fertigsuppen.“ Deshalb wollte er mit dieser Firma eine gesunde vegane Suppe machen. „Sie sollte so schmecken wie bei Oma. Beim Einkochen geht oft viel Geschmack verloren, aber ich wollte, dass niemand nachwürzen muss. Deshalb habe ich von Anfang an ordentlich Power reingegeben“, sagt Franke und verrät, dass der Pfeffer übrigens das einzige Produkt in der Suppe sei, das nicht aus der Region ist.