Eine Drohne schwebt um den Berliner Fernsehturm.
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Berlin-MitteTouristen und Berliner, die sich über den Alexanderplatz bewegen, schauen immer wieder gern Richtung Himmel, um den Fernsehturm und seine imposante Turmkugel zu bestaunen - gestern gingen die Blicke aus einem anderen Grund nach oben: Den ganzen Tag über schwebte eine Drohne um das Berliner Wahrzeichen. Der Grund: Der Turm wird derzeit neu vermessen.

Mit einem leisen Brummen schwebt er in die Höhe, der „Hexacopter H520“, Drohnen-Pilot Gernot Steenblock bedient das mit einer Kamera versehene Fluggerät per Fernsteuerung. „Wir fliegen jetzt über mehrere Stunden aus verschiedenen Winkeln den Fernsehturm ab, steigen mit einer Geschwindigkeit von zwei Metern pro Sekunde auf und schießen alle vier Sekunden ein Bild“, sagt er der Berliner Zeitung. „Am Ende werden wir rund 4500 Bilder vom Fernsehturm haben – und daraus digital ein detailliertes 3D-Modell des Bauwerks zusammensetzen.“

Hami Golbabaei (links) und Gernot Steenblock steuern die Drohne.
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

In Auftrag gegeben wurde die Aktion am Himmel über Berlin von der Firma Deutsche Funkturm, die auch zuständig für den Fernsehturm ist. Die Aufnahmen am Turm in Berlins Mitte seien ein Pilotprojekt, erklärt Sprecher Benedikt Albers. Das Ziel: „Wir wollen herausfinden, ob es möglich ist, bei Dingen, die bisher analog gemacht wurden, auf digitale Technologie zu setzen“, sagt er. „Ein Beispiel ist die Beurteilung der Bausubstanz des Turms. Bisher wurden für solche Prüfungen Industriekletterer eingesetzt. Aber Risse im Beton kann man auch an einem so hochwertigen 3D-Modell erkennen – und digitale Technik ist hier noch viel genauer als jeder Kletterer.“

Zudem gebe es die Möglichkeit, anhand des Modells die Position der rund 200 Antennen, die am Turm angebracht sind, zu prüfen. „So können wir an der Ausrichtung arbeiten oder Plätze für neue Antennen ausfindig machen.“ Wichtig werde das zum Beispiel, wenn es um die flächendeckende Einführung des 5G-Netzes geht, hier soll der Turm eine Rolle spielen. Ob und inwiefern Bilder und 3D-Modell für jene Ideen eingesetzt werden können, werden die Auswertungen des Projektes zeigen. Im Frühjahr 2020 soll es erste Ergebnisse geben.

Eine Drohne schwebt am Himmel über Berlin.
Foto: Berliner Zeitung/Gerd Engelsmann

Es verging viel Zeit, bis für den Drohnen-Flug alle erforderlichen Genehmigungen vorlagen. Sechs Wochen dauerte die Beantragung. „Auch deshalb haben wir den Fernsehturm gewählt“, sagt Albers. „Die Deutsche Funkturm betreibt 30.000 Standorte in ganz Deutschland, darunter Funktürme, aber auch Sendemasten. Der Berliner Fernsehturm hat die schwierigsten Voraussetzungen für die Genehmigung. Wenn wir es schaffen, dass wir hier fliegen können, dann schaffen wir es überall.“

Auch für den Drohnen-Piloten Gernot Steenblock, der seit 2002 mit den Fluggeräten arbeitet, ist das Projekt etwas Besonderes. Er ließ seine Drohnen schon an vielen spannenden Plätzen steigen, suchte unter anderem mit Wärmebildkameras im Wattenmeer nach Vermissten. „Aber hier zu fliegen ist spektakulär – es gibt keinen Platz in Deutschland, an dem es schwerer ist, eine Erlaubnis zu bekommen.“ Wichtig sei es, dass die Prozesse überarbeitet und schneller Genehmigungen erteilt werden. „Denn wenn wir Innovationen wollen, muss es möglich sein, solche Technologien auch einzusetzen.“