Die massiven Probleme rund um den Straßenstrich in der Berliner Kurfürstenstraße sollen jetzt durch eine Anwohnerbefragung genauer untersucht werden. Der Bezirk Mitte verschickt in der nächsten Zeit 6100 Fragebögen an alle Haushalte in dem Gebiet. So wolle man klären, wie groß der Anteil der Bewohner ist, der unter Müll, öffentlichem Sex, Fäkalien, Kriminalität und Lärm leidet, sagte der Bezirksbürgermeister von Mitte, Stephan von Dassel (Grüne), am Donnerstag.

In dem vierseitigen Fragebogen, den die Uni Potsdam entwarf, wird auch gefragt, wie wichtig die Präsenz von Polizei und Ordnungsamt, mehr Beleuchtung und ein mögliches Verbot der Straßenprostitution ist. Thema sind auch die Aufgaben der öffentlichen Verwaltung. Die Fragebögen sollen Ende Februar ausgewertet werden.

Forderung eines Sperrbezirks weiterhin aktuell

Schon lange tobt eine heftige politische Debatte um die Situation in der Kurfürstenstraße, wo seit Jahrzehnten Prostituierte, inzwischen vor allem aus Osteuropa, Sex anbieten. Anwohner, Schulen und Kitas beschweren sich über Verwahrlosung, verdreckte Hauseingänge, Kondome und Drogen. Von Dassel forderte ein Verbot der Straßenprostitution, einen sogenannten Sperrbezirk, wie ihn die meisten Städte außer Berlin haben.

Teile der Grünen widersprechen, weil sie von ordnungspolitischen Maßnahmen mehr Gentrifizierung und steigende Mieten erwarten. Von Dassel sagte, mit den Fragebögen wolle der Bezirk klären, ob die Verwahrlosung an der Kurfürstenstraße tatsächlich ein größeres und wichtiges Thema sei oder ob es sich nur um Beschwerden von „15 hysterischen Bürgern“ handele, wie manche behaupteten.

Der Bezirksbürgermeister forderte auch, konkret zu definieren, in welchem Abstand zu den vielen Schulen, Kitas und Spielplätzen die Prostitution verboten sei. Der bisherige Verweis auf eine „unmittelbaren Nähe“ sei viel zu vage und lasse offen, ab wann der Bezirk und die Polizei einschreiten könnten. (dpa)