Berlin - Und wieder ging es um Zuhälterei und Menschenhandel zum Zweck der sexuellen Ausbeutung – und wieder waren Täter und Opfer aus Afrika. Am Freitag wurde vor dem Berliner Landgericht ein Prozess gegen eine Frau aus Nigeria fortgesetzt. Ihr wird vorgeworfen, mehrere Landsfrauen nach Deutschland geschleust und hier zur Prostitution gezwungen haben. Zwei Zeugen dieses Prozesses hatten erst am Mittwoch Auftritte in Moabit – als Angeklagte. In diesem Verfahren wird gegen sechs Männer nigerianischer Herkunft verhandelt.

Nach Ansicht der Staatsanwaltschaft haben sie seit 2008 sieben Landsleute nach Deutschland geschleust, außerdem werden ihnen 28 Schleuser-Versuche vorgeworfen. Ein Opfer sollte 55 000 Euro für die illegale Einschleppung abzahlen, in dem sie hierzulande als Prostituierte arbeitet. Als sie ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft verhaftet wurde, hatte sie nicht einmal ein Zehntel davon beglichen. Beide Prozesse werden fortgesetzt. Im Sommer hatte es vor dem Landgericht einen Prozess gegen drei Afrikaner und einen Deutschen gegeben.

Sie sollen eine eingeschleuste Nigerianerin über vier Jahre hinweg zur Prostitution gezwungen und einen Großteil ihres Verdienstes kassiert zu haben: mehr als 66 000 Euro. Die Frau habe von ihrer Tätigkeit nur fünf Prozent behalten dürfen. Es wurden Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren und neun Monaten verhängt. Ist die Häufung dieser Fälle Zufall, oder sind sie ein Indiz, dass immer mehr afrikanische Prostituierte nach Berlin kommen? Bei der Hurenberatung Hydra winkt man ab.

Anders als etwa in Hamburg, wo traditionell viele Afrikaner leben, oder in der Schweiz, wo es sogar eine Organisation gibt, die sich speziell um Frauen aus Nigeria kümmert, gebe es in Berlin generell nur wenige afrikanische Prostituierte, sagt Sprecherin Simone Kellerhoff. Zumindest für die rund 800 registrierten Bordelle lasse sich das sagen. Dort würden Arbeitserlaubnis, Steuerbescheinigung und Aufenthaltsgenehmigung regelmäßig kontrolliert. Im Übrigen, so Kellerhoff, halte Hydra die Debatte um Zwangsprostitution für „populistisch und polemisch“. Tatsächlich kämen die meisten auf „selbstbestimmten Weg hierher und zu ihrem Beruf“.