Ineinander verkeilt und mit hochroten Köpfen ringen zwei Kämpfer am Boden. Der eine, im blauen Judoanzug, liegt auf dem Rücken und versucht, die Beine um den Kopf des anderen zu bringen. Die Männer praktizieren Brazilian Jiu-Jitsu, Ziel ist es, den Gegner durch Würge- und Hebeltechniken zur Aufgabe zu zwingen. Noch sechs andere Paare trainieren auf der großen Matte. Daneben machen ein paar Kickboxer Übungskämpfe. Langsam füllt sich der niedrige Raum mit Schweißgeruch. In der Kampfkunstschule IMAG e.V. in Wedding, nahe der Osloer Straße, wird konzentriert trainiert. Auch Adrian Ruf ist hier, er steht vor wichtigen Kämpfen. Am Sonnabend tritt er bei der Veranstaltung „We love MMA“ in Moabit auf.

MMA steht für Mixed Martial Arts, gemischte Kampfkünste also. Dabei werden Techniken verschiedener Kampfsportarten wie Boxen, Kickboxen, Karate, Jiu-Jitsu und Ringen angewandt. Es geht um die simple Frage: Wer gewinnt, wenn Kämpfer verschiedener Gattungen aufeinandertreffen? Oder wie es Adrian Ruf ausdrückt: „Kann sich ein Boxer gegen einen Kickboxer durchsetzen?“ Bereits im antiken Griechenland maßen sich Boxer und Ringer beim „Pankration“, einer olympischen Disziplin. Immer wieder starben Kämpfer dabei.

So brutal geht es beim MMA nicht zu. Ein Ringrichter und ein Arzt überwachen jeden Kampf. Die Kämpfe dauern meist nur wenige Minuten, sie enden durch Punktrichterentscheidung, K.o., Abbruch oder Aufgabe. Es gibt vergleichsweise wenige Regeln: Verboten sind lediglich Attacken auf Augen, Kehlkopf und Genitalien sowie Schläge und Würfe auf Hinterkopf, Nacken und Wirbelsäule. Das Schlagen des am Boden liegenden Gegners, auch an den Kopf, ist allerdings erlaubt und hat für viele Kontroversen gesorgt.

Kampf gegen das schlechte Image

Der damalige Innensenator Ehrhart Körting sorgte 2009 dafür, dass eine MMA-Veranstaltung in Berlin abgesagt wurde. 2010 verbot die Bayerische Landeszentrale für neue Medien die Ausstrahlung des bekanntesten MMA-Events, der amerikanischen „Ultimate Fighting Championship“, im deutschen Fernsehen. Im selben Jahr hatte die Bundesärztekammer behauptet, dass die Kämpfe regelmäßig zu schweren Verletzungen führen würden und es sogar zu Todesfällen gekommen sei. Obwohl sie dies später als „unwahr“ widerrufen musste und die Diskussion um MMA abgeflaut ist, kommt der Sport weiterhin nicht im deutschen Fernsehen vor.

„Wir merken, dass die Akzeptanz in den letzten Jahren zugenommen hat“ sagt Marcus Wortmeier von „We love MMA“. Er hat die Veranstaltungsreihe vor drei Jahren ins Leben gerufen, die nun zum sechsten Mal in der Universal Hall gastiert. „Ziel war es, mit professionellem Auftreten das schlechte Image zu verbessern.“ Nächstes Jahr wird „We love MMA“ erstmals außerhalb Berlins, in Oberhausen, stattfinden, und im Juni dann im Tempodrom mit deutlich mehr Plätzen. Wie in Deutschland gewinnt der MMA-Sport weltweit an Popularität, in den USA ist er eine ernsthafte Konkurrenz zum Boxen geworden.

Doch noch immer trägt der Sport am schlechten Ruf, für den er mitverantwortlich ist. Er wurde als der „härteste Kampfsport überhaupt“ verkauft, mit finsteren, tätowierten Männern auf Plakaten. Da meist im eingezäunten Achteck gekämpft wird, galt MMA schnell als „Käfigkampf“. Und immer wieder tun sich Vereine und Veranstaltungen gerade in Ostdeutschland schwer, sich von rechtsextremen Kämpfern zu distanzieren. Mit der Realität in der Weddinger Kampfsportschule aber haben diese Bilder nichts zu tun.

"Totale Angst"

Adrian Ruf ist weder tätowiert noch muskelbepackt, auch sonst entspricht er nicht dem Stereotyp des tumben Schlägers. Der 25-Jährige ist Student, wie viele seiner Vereinsmitglieder. „Kampfsport mache ich, seit ich sechs bin“, erzählt er. Er begann mit Kinder-Judo, es folgte Jiu-Jitsu, vor fünf Jahren wandte er sich dann dem MMA zu. „Nur einen Kampfsport zu betreiben, fand ich einseitig.“ Jeden Tag trainiert Ruf anderthalb bis zwei Stunden, vor einem Wettkampf sogar vier.

Offen spricht Adrian Ruf über die Angst vor einem Kampf: „Ich habe totale Angst – davor, währenddessen, danach. Angst vor Schmerzen, Verletzungen oder davor, dass der andere viel besser ist und dass ich nicht so einfach herauskomme.“ Man könne zwar jederzeit aufgeben. Aber nachdem man für einen Kampf drei Monate lang trainiert hat, will niemand aufhören, bevor er es nicht wirklich muss.

„We love MMA“: Sa 14. 12., 19 Uhr, Universal Hall, Gotzkowskystraße 22, Moabit (ausverkauft). Livestream im Internet unter:www.welovemma.de