Die etwa 20 Bewohner des ehemaligen Obdachlosenwohnhauses in der Berlichingenstraße 12 müssen seit gut einer Woche ohne Heizung auskommen. Unbekannte hatten professionell den Gaszähler im Keller ausgebaut, die Anlage manipuliert und auch ein Stück Rohr mitgenommen.

Die Gasag hat die Energiezufuhr nach Angaben von Mittes Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) nicht unterbrochen. Nach Diebstahl sehe es aber auch nicht aus, sagt er. Von Dassel, bis Oktober noch Sozialstadtrat in Mitte, hat sich in den vergangenen Monaten auch persönlich für die obdachlosen Menschen eingesetzt. Doch er ist inzwischen ratlos. „Die Situation wird immer schwieriger. Der Eigentümer redet nicht mit uns“, sagt der Bürgermeister.

Weihnachtsmarkt-Betreiber hilft

Zumindest das Heizungsproblem konnte er jetzt aber lösen. Ein Handwerker hat die Kosten für die Reparatur der Gasanlage auf etwa 1000 Euro geschätzt. Das hat Helmut Russ, der Betreiber des Weihnachtsmarktes auf dem Gendarmenmarkt, zufällig bei einem Besuch im Rathaus mitbekommen. „Ich interessiere mich, wie mit Obdachlosen in der Stadt umgegangen wird. Seit 14 Jahren unterstützen wir bereits die Jenny De la Torre-Stiftung, die ein Gesundheitszentrum für Obdachlose betreibt, und Frank Zander mit jeweils 5000 Euro pro Jahr“, sagt Russ.

Auch den Obdachlosen in der Berlichingenstraße hilft Russ jetzt kurzfristig, er zahlt die Rechnung für einen neuen Gaszähler und die Reparatur. „Wir machen das unbürokratisch, spätestens am Montag kann die Anlage repariert werden“, sagt Russ.

Flut von Klagen

Der Konflikt um das Haus – einer privat betriebenen Unterkunft für Obdachlose – ist damit aber nicht gelöst. Wie der Bürgermeister sagt, habe der Eigentümer den ehemaligen Betreiber des Gebäudes, die Firma Gästehaus Moabit, verklagt. Klagen gibt es auch gegen die Bewohner, die teilweise seit 13 Jahren im Gebäude leben. „Wir haben dem Eigentümer einen neuen Träger vorgeschlagen, darauf gab es keine Reaktion. Wir lassen die Bewohner nicht im Stich und fordern den Eigentümer erneut auf, mit uns eine Lösung zu finden“, sagt von Dassel.

Aus der eigenen Tasche hat er bereits 2500 Euro für die Müllentsorgung für ein Jahr bezahlt. Auch als der Vermieter im Juni im Haus das Wasser abstellen ließ, hat sich von Dassel eingeschaltet und erreicht, dass die Wasserversorgung wieder hergestellt wurde.

Keine Obdachlose gegen Flüchtlinge ausspielen

Der Streit um das Haus hat vor gut einem Jahr begonnen. Die Hausverwaltung hatte damals dem Gästehaus Moabit gekündigt, die Obdachlosen sollten bis 31. Januar 2016 ausziehen. Zugleich wurde ein neuer Betreiber präsentiert, der in dem Gebäude Flüchtlinge einquartieren wollte und bereit war, etwa die zweieinhalbfache Miete zu zahlen.

Dass Obdachlose gegen Flüchtlinge ausgespielt werden sollten, sorgte für Schlagzeilen. Der Senat stellte deshalb schnell klar, dass es in der Berlichingenstraße keine Flüchtlingsunterkunft geben werde. Der neue Betreiber zog sich zurück.