Bernd Wilde aus Pankow hat sieben Apfelbäume in seinem Garten und ist ein bisschen eigen mit seinen Früchten, wie er selber sagt. Er pflückt sie erst, wenn sie richtig reif sind, sortiert gründlich nach Schäden, schneidet schlechte Stellen vor der Verarbeitung heraus. Es hat ihn stets ein bisschen geärgert, dass er in der Lohnmosterei den Saft „fremder“ Gärtner bekam, wenn er seine Äpfel ablieferte, und nicht den Most aus seinen Früchten.

Seit drei Jahren ist das anders, denn seit drei Jahren gibt es Berlins erste mobile Mosterei. Ihr Erfinder Mario Flach steht mit der auf einem Lkw montierten Mostquetsche auf Parkplätzen vor Einkaufscentern, Märkten, in Baumschulen oder Obstplantagen. Bernd Wilde fährt ihm mit seinen Früchten im Kofferraum hinterher, dieses Jahr bis nach Oranienburg.

„Der Geschmack ist einmalig“

Denn bei Mario Flach bekommt er garantiert den Saft aus seinen eigenen Früchten und kann ihn – noch heiß vom Pasteurisieren – auch gleich vakuumverpackt mit nach Hause nehmen. „Vor meinen Augen wird das Obst gewaschen, fährt mit einem kleinen Fahrstuhl in die Presse, die zerquetschte Masse durchläuft einige Röhren und hinten auf er Rückseite des Transporters fließt der fertige 80 Grad warme Saft in die luftdicht verschlossenen Plastikbeutel“, erzählt der Stammkunde der ersten Stunde begeistert.

„Der Geschmack ist einmalig“, lobt er, „immer ein bisschen anders, aber immer klasse“. Er lässt seinen Saft in Drei-Liter-Schläuchen mit Hahn verpacken, die dann in einem hübschen Pappkarton gestellt werden, aus dem der Hahn hervorlugt. Dieses Jahr hat er 16 Kistchen „geerntet“. Einige davon wird er wieder verschenken: „Das kommt immer prima an“.

Die Idee zu der mobilen Mostquetsche kam dem gelernten Koch Mario Flach, als er mit seiner Frau Eva Hahn-Flach im Sommer 2012 im Kleingarten der Familie saß und darüber nachgrübelte, was er tun solle. Sein Plan, sich mit einer Brauerei im Bikini-Haus selbstständig zu machen, löste sich gerade in Luft auf, weil ein anderer den Zuschlag bekommen hatte.

Da fiel ihm ein Apfel auf den Kopf und der geborene Hesse hatte eine Idee. Warum nicht was mit Äpfeln machen? Eine mobile Mostquetsche, die gab es in Berlin noch nicht. Zusammen mit Ingenieuren entwickelte er die Details. Eine Tonne Äpfel kann die Quetsche in einer Stunde verarbeiten. Der Saft wird in Drei-, Fünf- und Zehn-Liter-Schläuchen abgefüllt.

Seine Frau, sie stammt aus Köpenick und ist Diplomkauffrau, hat ihn von Anfang unterstützt, obwohl sie weiterhin in ihrem Beruf arbeitet. „Sie ist die Chefin“, sagt Mario Flach lachend, und deshalb trägt die kleine silberfarbene Fabrik auch den Namen „Hahn’s mobile Mostquetsche“. Die beiden lernten sich in den 90er Jahren bei einem großen Möbelhaus kennen, als sie dort beide am selben Tag zu arbeiten begannen – sie als Assistentin der Geschäftsführung, er als Assistent des Gastroleiters.

Glühmost im Winter

Mittlerweile haben sie zwei Kinder. Frederik (3) und Flora (8) lieben den Saft aus der Mostquetsche ihrer Eltern und vor allem auch das Apfelmark, das Flach neuerdings herstellt. „Man muss sich ja immer wieder etwas Neues einfallen lassen“, sagt er. Für nächsten Sommer plant er gemeinsam mit der Baumschule Späth einen Klarapfeltag. Leider lasse sich der Augustapfel nicht lagern, erzählt er, aber er sei hervorragend geeignet für Mark, eine Art Apfelmus – allerdings ohne jeden Zusatz.

Mario Flach knüpft ständig neue Kontakte mit anderen Apfelliebhabern. Kürzlich traf er sich mit einem Glühmostverkäufer, der Apfelsaft für die Weihnachtsmärkte ordern wollte. Flach bietet den Glühmost im Winter selbst auf dem Boxhagener Platz in Friedrichshain an. Dort gibt es auch seine sortenreinen Säfte aus Aronia, schwarzen Johannisbeeren, Erdbeeren und Kirschen.

Als neueste Idee bastelt er an einem Most-E-Bike mit 300-Liter-Tank. Mit dem Fahrrad will er über die Märkte radeln und den frischen Most aus der mobilen Quetsche gleich in Bechern verkaufen. Hahn’s mobile Mostquetsche soll eine Berliner Marke werden.

Mobile Mostquetsche: Sonntag, Späth’sche Baumschule, Späthstr. 80–81. Montag ab 9 Uhr vor Edeka in Oranienburg, Sachsenhausener Str., Donnerstag in Strausberg, Herrenseeallee, Freitag in Wildau im A10 Center bei Bauhaus. Anmeldung unter 0163/4068571.

Im Internet kann der Most auch geordert werden unterwww.mostquetsche.de