Sie sollen dafür sorgen, dass die Polizei künftig sichtbarer ist in der Stadt. An vielen Stellen, mit möglichst wenig Aufwand. Deshalb fahren Polizisten jetzt mit dem Bus in die Kieze und schaffen damit sogenannte mobile Wachen. Fünf Busse sind ab sofort zu jenen Orten unterwegs, an denen die Kriminalität hoch ist, oder an denen viele Passanten unterwegs sind. Die Wachen sollen das Sicherheitsgefühl der Bürger steigern.

Ein Klapptisch und zwei Stühle, auf dem Bürgersteig, dazu Laptop, Drucker, Internetverbindung – fertig ist das bürgernahe Büro. Auch im Familienkiez in Pankow soll einer der Busse, die jeweils 100.000 Euro kosten, regelmäßig Haltmachen.

Viel zu tun in Pankow

Im Vergleich zu kriminalitätsbelasteten Orten wie Kottbusser Tor, Görlitzer Park oder Alexanderplatz ist die Situation am S-Bahnhof friedlich. „Aber wenn es in Pankow einen Ort gibt, an dem die mobile Wache stehen sollte, dann hier“, sagt Polizeidirektor Klaus-Dieter Burkowski.

Burkowski ist Leiter des Abschnitts 13 in der Polizeidirektion 1, seine Wache befindet sich ganz in der Nähe des Bahnhofs, in der Hadlichstraße. Auch wenn zwischen Florakiez und dem Kotti Welten liegen, gibt es in Pankow für die bis zu zwölf Polizisten im Bus genug zu tun.

An einem Imbiss am Bahnhof wird schon am Morgen Klarer in die Fanta gekippt. Und die Polizei hat auf den Gehweg mit greller Farbe das Wort „Angeschlossen?“ gesprüht. Hier werden viele Räder gestohlen. Andere liegen verbogen mitten auf dem Platz. 

Vor dem Supermarkt sitzt eine Mutter mit Kind neben einem Mann, der schon etwas angeschlagen aussieht. Am Abend zuvor hockte ein anderer Mann lallend mit einer Schnapsflasche in der Bushaltestellenzufahrt und war so betrunken, dass er nicht mehr aufstehen konnte. Ein Krankenwagen musste gerufen werden. Nicht zum ersten Mal.

Urin, Kot, Dreck, Streitereien im Suff

Der Bereich um den Bahnhof ist stark frequentiert. Busse, Straßenbahnen, U- und S-Bahn-Linien kreuzen sich. Radfahrer, Fußgänger – alle wirbeln durcheinander. Und mitten im Trubel obdachlose Trinker, oder trinkende Obdachlose. Diese Mischung ist oft brenzlig.

Fragt man die, die den Tag am Bahnhof verbringen, weil sie hier arbeiten, hört man immer wieder dieselben Geschichten: Urin, Kot, Dreck, Streitereien im Suff. Neulich musste sich der Besitzer eines Imbisses mit einem Besen gegen Pöbler zur Wehr setzen.

Auch ein Mann vom Erdbeerstand namens Micha ermahnt die Männer, die sich genau vor dem Eingang zur U-Bahn treffen, regelmäßig, ihren Dreck wegzuräumen. Der Erfolg hält sich in Grenzen. „Einer ist voller als der andere“, sagt er.

Strategie der Verunsicherung

Offizieller formuliert es Polizeidirektor Klaus-Dieter Burkowski: „Wir haben eine Trinker- und Obdachlosenszene am Bahnhof.“ Doch auch wenn all diese Männer dort stünden „wie der schiefe Turm von Pisa“, die Polizei kann ihnen nicht verbieten, sich auf dem Platz aufzuhalten.

Stattdessen fahre man die „Strategie der Verunsicherung“, versuche, den Aufenthalt durch Präsenz unattraktiv zu gestalten. „Unter den Augen der Polizei trinken ist nicht schön“, so Burkowski. Er ist sicher, dass die mobile Wache für einen Verdrängungseffekt sorgen wird.

Kernarbeitszeit am Tag

„Jeder hat das Recht auf ein angstfreies Leben“, sagt Burkowski. Doch das Gefühl von Unsicherheit und Angst, das Gefühl, da kippe etwas, ist subjektiv.

„Dem müssen wir mit Sachargumenten, vor allem aber mit Verständnis begegnen.“ Auch dazu soll die mobile Wache dienen. Deren Kernarbeitszeit ist zunächst für den Einsatz am Tag geplant. „Aber wenn Bedarf besteht, lassen wir den Laden länger offen“, sagt Burkowski.