Berlin-Friedrichshain - In Berlin wird kein zweiter Busbahnhof gebaut. Es bleibt bei der einen Anlage am Messedamm in Charlottenburg, sagte Verkehrssenatorin Regine Günther (parteilos, für Grüne) am Donnerstag im Verkehrsausschuss des Abgeordnetenhauses. „Sie wird nun ausgebaut und attraktiver gemacht.“ Anträge der CDU und der AfD, einen weiteren Standort im Osten von Berlin ins Auge zu fassen, fanden keine Mehrheit.

„Berlin wächst und gedeiht – so gut, dass wir einen zweiten Busbahnhof vertragen könnten“, sagte Oliver Friederici, der verkehrspolitische Sprecher der CDU-Fraktion.

Ostkreuz wäre (k)ein guter Standort

Vorbild könnte der Zentrale Omnibusbahnhof (ZOB) in München sein, an dem es noch andere Nutzungen gibt. Der CDU schwebe ein „flughafenähnlicher Busbahnhof“ vor – mit Geschäften, Büros, vielleicht Wohnungen in den oberen Etagen. Der Bahnhof Ostkreuz, wichtigste Drehscheibe des Nahverkehrs im Osten der Stadt, wäre ein guter Standort. Dort könnte künftig auch eine Autobahn verlaufen – der 17. Bauabschnitt der A100, der zur Frankfurter Allee und zur Storkower Straße führt. Östlich und südlich des Markgrafendamms wäre Platz auf einem 60 mal 200 Meter großen Gewerbegrundstück.

„Ich wüsste nicht, wo der neue ZOB dort hinkommen könnte“, entgegnete Frank Scholtysek von der AfD. Der Abgeordnete forderte ebenfalls einen zweiten Busbahnhof – aber nicht am Ostkreuz. Ideal sei ein Standort „in Nähe des S-Bahn-Rings und eines jetzigen oder künftigen Autobahnanschlusses“, hieß es im Änderungsantrag der Fraktion.

Bau eines zweiten Busbahnhofs: Berlin müsste als zehn Millionen Euro zurückzahlen 

Berlin brauche im Osten einen ZOB, bekräftigte Henner Schmidt von der FDP. „Wer in Köpenick lebt, fährt nicht nach Charlottenburg“, sagte er. „Eine Bündelung des Verkehrs an einem Ort wäre sinnvoll.“ Dann könnten dezentrale Fernbushaltestellen aufgegeben werden.

Die Senatorin bekräftigte jedoch, dass es beim „Single-Standort“ in Charlottenburg bleibt. „Wir sehen nicht, wo es am Ostkreuz eine ausreichend große Fläche geben sollte“, so Günther. Der Senat habe das Grundstück, von dem die CDU spricht, geprüft – und als zu klein befunden. „Wir müssten dort Gebäude abreißen.“

Rechtlich wäre es nicht möglich, dezentrale Fernbushaltestellen aufzuheben oder entsprechende Anträge abzulehnen. Heikel wäre der Bau eines zweiten Busbahnhofs auch deshalb, weil Berlin dann mehr als zehn Millionen Euro zurückzahlen müsste. Die Mittel aus der Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“ wurden unter der Bedingung gewährt, dass die Anlage am Messedamm der einzige ZOB in Berlin bleibt. Günthers Hauptargument: „Die Fahrgastzahlen haben sich stabilisiert. Wir haben keinen exorbitant wachsenden Markt mehr.“

Oder vielleicht in Lichtenberg?

In der Tat: Weil sich die Branche konsolidiert hat und Fast-Monopolist Flixbus auf eine bessere Auslastung der Busse achtet, ist der Verkehr am ZOB Berlin zurückgegangen. Gab es 2016 noch 225.000 Ankünfte und Abfahrten an Bussen, waren es 2018 164.500. Für dieses Jahr erwarten die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG), deren Tochterfirma IOB den ZOB betreibt, 168.000 Nutzungen. Bis 2021 wird die Anlage für rund 400.000 Ankünfte und Abfahrten ausgebaut.

Ebenfalls am Donnerstag kursierte im Internet eine andere Idee. Stefan Metze vom Ostkreuzblog twitterte: „Ein guter Standort wäre auch der Bahnhof Lichtenberg. Man deckelt die Bahnsteige des Bahnhofs und erhält so eine riesige Fläche für einen anständigen Fernbus-Terminal im Osten Berlins an der B1/B5 mit U/S-Bahn und Regio-Anschluss (sogar zum BER) direkt darunter.“