In der Fahrrad-Metropole Kopenhagen gibt es sie natürlich schon. Auch durch London, Göttingen und Essen führen Schnellrouten, auf denen Radfahrer zügig vorankommen. In Berlin stehen die Planungen erst am Anfang. Wenn alles gut geht, kann frühestens 2019  mit dem Bau der ersten Trasse begonnen werden, hieß es am Montag.

Doch immerhin hat die Routensuche begonnen, sagte Staatssekretär Christian Gaebler (SPD). In sechs bis acht Wochen sollen die 30 Streckenkorridore, die geprüft werden sollen, feststehen. Zwölf kommen später in die engere Auswahl. „Anfang 2017 soll die Prioritätenliste fertig sein“, so Gaebler. Ein Wettbewerb des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) liefert   dafür   Ideen. Auch die Grünen haben jetzt Vorschläge gesammelt.

Noch legen die  Berliner per Rad im Schnitt  nur knapp vier Kilometer pro Fahrt zurück. Je weiter die Strecke ist, desto mehr Kreuzungen gibt es, an denen anzuhalten ist, desto größer ist der Anteil unangenehmer Abschnitte  mit viel Autoverkehr.

Radschnellrouten  können das ändern, sagte die ADFC-Landesvorsitzende Eva-Maria Scheel. „Sie können auch mittlere und längere Entfernungen attraktiv machen. Dafür werden sie getrennt vom übrigen Verkehr. Außerdem haben sie einen leichtläufigen Belag, großzügige Breite und eine weitgehend gerade Streckenführung, vorfahrtsberechtigt oder kreuzungsfrei.“
 Das Radfahren werde nicht nur angenehmer – auch schneller.  Das Tempo steigt, und damit  wird das Fahrrad  gegenüber dem Auto oder der Bahn noch konkurrenzfähiger.

Nach Pankow und Neukölln

Wo könnten, wo sollten in Berlin Radschnellrouten verlaufen? „Dafür wollten wir mit einem Ideenwettbewerb Vorschläge sammeln“, so Landesgeschäftsführer Philipp Poll. 15 Strecken wurden vorgeschlagen. Am Montag teilte der Verband mit, welche Ideen prämiiert werden.

Platz Nummer eins: der Panke-Trail. „Er verbindet Buch, Karow, Blankenburg und Heinersdorf mit dem Pankower Zentrum – und stellt eine schnelle Verbindung in Richtung Innenstadt her“, lobte Preisrichter Tilo Schütz. Die 13,3 Kilometer lange Route ist eine Idee von Steffen Prowe, Professor an der Beuth-Hochschule. Sie  verläuft von Buch zum Mauerpark – erst auf ruhigen Straßen, dann auf der Ostseite der Stettiner Bahn, wo sich  bereits ein  Trampelpfad befindet.  Mit nur fünf Kreuzungen gäbe es nur wenige Stellen, an denen Stopps drohen. Eine Brücke müsste neu gebaut werden – an der Berliner Straße.

Auf Platz Nummer zwei kam die 15,4 Kilometer lange Route Görlitzer Park – Teltowkanal. „Der Radschnellweg Neukölln verläuft auf der stillgelegten Görlitzer Bahn, auf Betriebswegen entlang der neuen Autobahn A 100 und einer alten Güterbahnstrecke“, sagte Schütz. Die Idee stammt vom Netzwerk fahrradfreundliches Neukölln, das einen „wunderschönen Radschnellweg“ anpreist, der nur zwei Kreuzungen umfasst.  Über den Britzer Zweigkanal müsste eine Brücke gebaut werden. Doch für solche Projekte fehle das Personal, hieß es im Senat.

Platz Nummer drei: der Radschnellweg Nord von  Frohnau zum Nordgraben bei Wilhelmsruh – wo Anschluss an Routen zum Zoo, nach Mitte und Pankow besteht.   Die Idee  stammt von Martin Remppis, Alltagsradler und Ernährungsexperte bei der Hilfsorganisation Brot für die Welt. „Dafür kann die Trasse der Nordbahn genutzt werden, die auf absehbare Zeit nicht wieder in Betrieb genommen wird“, erklärte Schütz. So entstünde eine schnelle Pendlerroute in den Norden Berlins.
Zwei weitere Ideen wurden mit Sonderpreisen gewürdigt. Henri de Vries schlägt vor, den Mittelstreifen der Magistralen Bismarckstraße und Kaiserdamm in Radschnellrouten umzuwandeln. Philipp Poll regt eine Schnellroute an, die vom Charlottenburger Tor nach Rixdorf verläuft – entlang des Landwehrkanals  auf dem Uferweg oder (zwischen  Cornelius- und Zossener Brücke) auf Pontons oder Stegen im Wasser.

„Ich bin skeptisch, ob die Behörden das mitmachen“, sagte Gaebler. Doch die anderen  Ideen würden in die Untersuchung, die nun begonnen hat, aufgenommen.  Dem Vernehmen nach hat der Senat Profesor Thomas Richter, Leiter des Fachgebiets Straßenplanung und Straßenbetrieb an der Technischen Universität Berlin, mit der Prüfung betraut.  400.000 Euro stehen bereit.

Geplant wird zentral

Auch die Grünen haben Vorschläge gesammelt. „Wir haben weit über 100 Kilometer an möglichen Radschnellverbindungen identifizieren können. Diese müssen nun auf Eignung und Umsetzung geprüft werden“, forderte Stefan Gelbhaar.

Eine landeseigene Infrastrukturgesellschaft soll die Projekte vorantreiben. Der geplante Ableger von Grün Berlin werde Anfang 2017 arbeitsfähig sein, kündigte Staatssekretär Gaebler an. Normalerweise gehen in Berlin drei Jahre ins Land, bis ein Radwegprojekt baureif ist. „Wir hoffen, dass wir das auf zwei Jahre drücken können“, sagte er.