U2 unterm Alexanderplatz: Wie lange dauert die Sperrung noch?

Eine der wichtigsten Berliner U-Bahn-Strecken ist seit bald drei Monaten unterbrochen. Nun gibt es eine Stellungnahme des Senats.

Im U-Bahnhof Alexanderplatz ist das Gleis Richtung Pankow seit dem 7. Oktober 2022 gesperrt. Stahlkonstruktionen stützen das unterirdische Bauwerk von 1913.
Im U-Bahnhof Alexanderplatz ist das Gleis Richtung Pankow seit dem 7. Oktober 2022 gesperrt. Stahlkonstruktionen stützen das unterirdische Bauwerk von 1913.Berliner Zeitung/Peter Neumann

Einige Berliner erinnern sich vielleicht noch: Früher konnte man mit der U2 ohne Umsteigen durch das östliche Stadtzentrum fahren. Doch seit bald drei Monaten ist die Strecke unterbrochen, und Fahrgäste müssen deutlich mehr Zeit einplanen. Grund ist ein Tunnelschaden, der mit einer benachbarten Hochhaus-Baustelle am Alexanderplatz zusammenhängt. Nun hat die Berliner Zeitung mal wieder nachgefragt, wie lange die Teilsperrung der wichtigen U-Bahn-Strecke in Mitte noch dauern wird.

Wie berichtet, ist im Bahnhof der U2 unter dem Alexanderplatz das Gleis Richtung Pankow gesperrt, nachdem sich das unterirdische Bauwerk um 3,1 bis 3,6 Zentimeter gesetzt hatte. Auf dem anderen Gleis pendelt seit dem 7. Oktober eine U-Bahn zwischen Klosterstraße und Senefelderplatz. Doch die Streckenkapazität reicht nur für einen 15-Minuten-Takt.

Auf Anfrage erläuterte Jan Thomsen, Sprecher von Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne), was derzeit passiert. „Aktuell plant der Hochhaus-Investor, eine Verankerung seiner Stützwand zur Stabilisierung der Baugrube vorzunehmen“, berichtete er. Bei dem Investor handelt es sich um die Covivio, die am Nordrand des Alexanderplatzes eine Baugrube ausheben ließ, um ein Hochhaus mit Zwillingstürmen zu errichten. Wie berichtet, ist geplant, von dort aus seitlich eine Zementemulsion unter das U-Bahnhofsbauwerk zu spritzen und durch Anhebung in die frühere Lage zu bringen. „Hebungsinjektion“ ist der Fachbegriff dafür.

„Das wird voraussichtlich im ersten Quartal sein“

„Das erforderliche Antrags- und Genehmigungsverfahren dafür läuft, hier sind auch die Senatsverwaltung für Umwelt, Mobilität, Verkehrs- und Klimaschutz sowie der Bezirk Mitte beteiligt“, so Thomsen weiter. „Ingenieurtechnisch ist dieses Vorhaben anspruchsvoll, weil zugleich der bereits abgesackte U-Bahn-Tunnel gesichert werden muss, wofür das Konzept jedoch noch beim Investor in Bearbeitung ist.“

Erst nach Vorlage und erfolgter Freigabe eines belastbaren Konzepts durch die Technische Aufsichtsbehörde bei der Senatsverwaltung könnten entsprechende Bauarbeiten starten, betonte der Sprecher. „Das wird voraussichtlich im ersten Quartal sein, Genaueres lässt sich dazu aktuell nicht sagen. Auch wie lange die Bauarbeiten dauern werden, ist belastbar erst nach Vorlage eines Konzepts zu bestimmen.“

BVG und Bezirk diskutieren: Wer muss was genehmigen?

Damit ist weiterhin kein Zeithorizont absehbar, wann die Teilsperrung unterm Alexanderplatz endet. Die Fahrgäste können immer noch nicht einschätzen, wie lange sie sich noch auf Umsteigezwänge und längere Reisezeiten einstellen müssen. Viele frühere U2-Nutzer sind inzwischen auf andere Routen ausgewichen – oder sie nutzen andere Fortbewegungsarten.

Im November hatte es bei der BVG noch geheißen, dass eine Wiederinbetriebnahme des zweiten Gleises im Februar 2023 möglich sei. Später hieß es, dass die U-Bahn-Dienstpläne, die auf dem jetzigen Betriebszustand inklusive des Pendelverkehrs basieren, bis Mitte März 2023 verlängert worden seien. Doch inzwischen erscheint eine weitere Verlängerung als wahrscheinlich.

Gestrandet. Fahrgäste warten im U-Bahnhof Klosterstraße auf den Pendelzug, der sie zum Alexanderplatz und zum Senefelderplatz bringen wird. Wartezeit: bis zu 15 Minuten.
Gestrandet. Fahrgäste warten im U-Bahnhof Klosterstraße auf den Pendelzug, der sie zum Alexanderplatz und zum Senefelderplatz bringen wird. Wartezeit: bis zu 15 Minuten.Berliner Zeitung/Peter Neumann

Zwischenzeitlich hatte es dem Vernehmen nach Diskussionen zwischen der BVG und dem Bezirk Mitte gegeben. Es ging um die Frage, ob über die Sondernutzungsgenehmigung des Straßen- und Grünflächenamts weitere Verwaltungsakte des Bezirksamts erforderlich seien.

Die BVG verwies auf ihren Standpunkt, wonach das Bezirksamt Mitte die geplante „Hebungsinjektion“ förmlich genehmigen muss. Das Bau- und Wohnungsamt wäre dafür zuständig. Dagegen wandte der Bezirk ein, dass die Berliner Bauordnung bei Anlagen des öffentlichen Verkehrs keine Anwendung findet. Zudem sei er nicht zuständig für Ingenieurbauten, die sich auf öffentlichem Grund befinden. Stattdessen sei die geplante Maßnahme der Technischen Aufsichtsbehörde des Senats anzuzeigen.

Diese Genehmigungsfragen seien „aus unserer Sicht derzeit nicht das entscheidende Thema“, hieß es bei der Senatsverwaltung. Aus Sicht der dortigen Fachleute haben die erforderlichen Prozeduren begonnen. Doch wie lange das Ganze dauert, will keiner sagen.