Neue Idee für die Verlängerung der U7: Mit der U-Bahn fast bis Brandenburg  

Berlins U-Bahn-Netz soll wachsen. Die SPD hält ein Projekt in Spandau für besonders wichtig. Nun gibt es einen Plan, wie die Strecke noch mehr nützen würde.

Seit 1984 beginnt die U7 im U-Bahnhof Rathaus Spandau. Der Tunnel führt bereits zur Seeburger Straße. Von dort soll die Verlängerung nach Heerstraße Nord und eventuell zur Stadtgrenze führen.
Seit 1984 beginnt die U7 im U-Bahnhof Rathaus Spandau. Der Tunnel führt bereits zur Seeburger Straße. Von dort soll die Verlängerung nach Heerstraße Nord und eventuell zur Stadtgrenze führen.Berliner Zeitung/Peter Neumann

Mit der U-Bahn an die Stadtgrenze: Was mit der U5 im Osten der Stadt seit 1989 möglich ist, könnte es auch im Westen Berlins geben. Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) prüfen, ob es sinnvoll wäre, die erwogene Verlängerung der Linie U7 nach Heerstraße Nord darüber hinaus zum Park-and-Ride-Platz an der Heerstraße weiterzuführen. Das berichtete der Verkehrspolitiker Sven Heinemann von den Berliner Sozialdemokraten am Freitag. Raed Saleh, Landes- und Fraktionschef der SPD, hält die Idee für sinnvoll. „Dann bekämen auch Pendler aus Brandenburg einen Anreiz, das Auto stehen zu lassen“, sagte er.  Die Verlängerung der U7 in Spandau würde dann noch mehr Nutzen bringen.

Es ist ein Projekt, das Raed Saleh und Stephan Machulik, dem verkehrspolitischen Sprecher der SPD, besonders am Herzen liegt. Das ist kein Wunder, denn sie leben im westlichsten Berliner Bezirk. „Doch nicht nur wir, auch viele Spandauer wünschen sich diese U-Bahn-Verlängerung“, sagte Saleh. Nicht nur die Großsiedlung Heerstraße Nord, in der er aufgewachsen ist, würde profitieren. Bewohner der Spandauer Wilhelmstadt müssten ebenfalls nicht mehr in Busse umsteigen, wenn sie in die Altstadt oder weiter nach Berlin wollten. Gatow, Kladow, Klosterfelde und andere Ortsteile wären ebenfalls zügiger zu erreichen. „Die Strecke würde ein Viertel des Bezirks erschließen“, so Saleh.

Nach der Machbarkeitsstudie, die von der BVG Ende 2020 vorgelegt wurde, würde die Strecke vom Rathaus Spandau nach Heerstraße Nord täglich im Schnitt von 35.000 bis 40.000 Fahrgästen genutzt. Damit hat die Trasse von allen untersuchten möglichen U-Bahnverlängerungen in Berlin das größte Potenzial.

BVG: Tunnelbau in Spandau könnte in fünf Jahren beginnen

Die Vorzugsvariante, deren Kosten auf 578 Millionen Euro geschätzt wird, sieht einen 4260 Meter langen Tunnel vor. Fünf U-Bahnhöfe würden entstehen: Seeburger Straße, Pichelsdorfer Straße, Gatower Straße, Sandstraße und Magistratsweg. Die drei letzten Stationen lägen bereits unter der Heerstraße – der große Park-and-Ride-Platz am früheren Grenzübergang in die DDR wäre nicht weit. Es wäre denkbar, die Asphaltfläche größtenteils zu entsiegeln und für die Pendlerautos ein Parkhaus zu bauen, so Saleh. Um die Fortführung zu prüfen, würde die Machbarkeitsstudie überarbeitet, hieß es. 

Laut BVG wäre es möglich, 2028 mit dem Bau zu beginnen und die Strecke nach Heerstraße Nord 2035 zu eröffnen. Doch so weit ist Berlin noch lange nicht. Damit der Bund den Großteil der Baukosten übernimmt, muss das Projekt bei einer Nutzen-Kosten-Untersuchung einen Wert größer als 1 bekommen. Wie berichtet hat die Senatsverwaltung für Mobilität Anfang Januar einen Mitarbeiter eingestellt, der diese Wirtschaftlichkeitsprüfung vorbereiten soll. Dabei besteht aber die Gefahr, dass eine mögliche Verlängerung zum Park-and-Ride-Platz diese Prüfung nicht besteht, weil sie durch weniger dicht besiedelte Gebiete führt. Wie berichtet wird das Projekt, die S-Bahn aus Spandau über Falkensee hinaus nach Finkenkrug zu verlängern, nicht mehr verfolgt.

Zwei andere neue Mitarbeiter befassen sich bereits mit den anderen prioritären U-Bahnvorhaben: der Verlängerung der U3 von Krumme Lanke zum Mexikoplatz und der Fortführung der U7 von Rudow zum Flughafen BER.

Wie berichtet, erweckte Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch im Dezember 2022 den Eindruck, als ob die U7 nach Heerstraße Nord nicht mehr zu den vorrangigen Neubauprojekten gehört. Doch am Donnerstag betonte ein Sprecher der Grünen-Politikerin, dass es ebenfalls in Arbeit sei. Vor einem Jahr hatte sich die Senatorin positiv zu dem Vorhaben geäußert. „Entlang dieser Strecke leben viele Menschen mit geringen Einkünften, die ganz besonders auf einen guten Nahverkehr angewiesen sind. Deshalb hätte die Verlängerung der U7 in Spandau auch einen Gerechtigkeitseffekt“, sagte sie.

Bei der SPD spricht man von einem Zickzackkurs Jaraschs. „Das An- und Abmoderieren hat viele überrascht“, so Stephan Machulik am Freitag. Er sei froh, dass die Verwaltung den Fehler korrigiert habe, kommentierte Raed Saleh. Nachdem die Sozialdemokraten auf das Problem hingewiesen haben, sei die Planerstelle geschaffen worden.

„Wir haben kein Finanzproblem“

Trotzdem wünsche er sich mehr „Mut und Entschlossenheit“, sagte der Landes- und Fraktionsvorsitzende. „Wer die Mobilitätswende will, muss die Menschen befähigen und ermutigen, das Auto stehen zu lassen“, forderte Saleh. Die U-Bahn sei ein „bewährtes Mittel“. Er warf den Grünen vor, ideologisch zu argumentieren. Doch wer Klimapolitik betreiben wolle, müsse auch über seinen Schatten springen, meinte er. Im Übrigen hätten sich die Koalitionspartner darauf verständigt, den Ausbau des Berliner U-Bahn-Netzes mit weiteren Planungsschritten vorzubereiten. „Das ist verabredet und entschieden.“

„Wir haben kein Finanzproblem, sondern sind in der glücklichen Lage, genug Geld dafür zu haben“, ergänzte Sven Heinemann, der auch Haushaltspolitiker ist. Auf Initiative der SPD sehe der Berliner Landesetat für dieses und nächstes Jahr insgesamt 28,6 Millionen Euro für die Planung von U-Bahnprojekten vor. Eine weitere Geldquelle wäre das Sondervermögen Infrastruktur der Wachsenden Stadt und Nachhaltigkeitsfonds, kurz Siwana. Dort liegen 300 Millionen Euro, die für neue S-Bahnen vorgesehen sind. Allerdings würden davon in absehbarer Zeit nur rund 100 Millionen Euro gebraucht, so der Abgeordnete. Der Großteil, 200 Millionen Euro, könnte der U-Bahn zugutekommen.

SPD erwartet grünes Licht aus Brandenburg für die U-Bahn zum BER

Für die südöstliche Verlängerung der U7, die mit knapp 32 Kilometer bereits die längste U-Bahn-Linie Berlins ist, sehen Saleh, Machulik und Heinemann ebenfalls keine grundsätzlichen Probleme. Zwar wäre die mit 704 Millionen Euro veranschlagte Vorzugsvariante von Rudow zum BER nicht billig. 156 Millionen Euro müssten von Berlin getragen werden, die übrige Summe vom Nachbarbundesland. Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU) weist zudem darauf hin, dass außerhalb von Berlin nicht das Land Brandenburg, sondern die Gemeinde Schönefeld zuständig wäre.

Der Fachausschuss Mobilität der Berliner SPD hatte sich vor zwei Jahren dagegen ausgesprochen, die U7 zum Flughafen zu verlängern. Auch der Fahrgastverband IGEB hält andere Schienenverkehrsprojekte für wichtiger – insbesondere bei der S-Bahn und der Straßenbahn. Er warnt davor, sich zu verzetteln. Doch die Spitzen der Berliner SPD erwarten, dass die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey und Ministerpräsident Dietmar Woidke die Dinge bald klären werden, damit das Projekt U7 zum BER einen Schub erhält. Saleh: „Wir gehen davon aus, dass in Brandenburg der Wille da ist.“