Berlin - Da haben sich die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) eine Menge Arbeit vorgenommen! Nach und nach sollen zahlreiche U- und S-Bahnhöfe in Berlin zu Verkehrsdrehscheiben ausgebaut werden. „Die Fahrgäste, die dort ankommen, werden nicht mehr nur in Busse umsteigen können. Auch Autos, Elektroroller und Fahrräder könnten dort bereitstehen“, sagte BVG-Digitalvorstand Henrik Haenecke. „Für den Berlkönig, unseren Ridesharing-Fahrdienst, könnte es Haltestellen geben. Fahrradgaragen, Ladesäulen für Elektrofahrzeuge, Lastenräder, Packstationen und Taxihalteplätze wären weitere mögliche Elemente.“

Einen Namen für das neue Konzept gibt es auch schon: Die Bahnhöfe sollen zu Mobilitätshubs entwickelt werden. Hub ist englisch und bedeutet Verkehrsknotenpunkt.

Natürlich können die Fahrgäste heute schon an Bahnhöfen zwischen verschiedenen Verkehrsmitteln wechseln. Doch oft hängt es vom Zufall ab, welche Verkehrsmittel verfügbar sind. Das Besondere ist nun: In Zukunft sollen sich die Fahrgäste darauf verlassen können, dass sie eine bestimmte Auswahl vorfinden.

„Marktplatz der Mobilität“

„Es geht uns um ein erweitertes Mobilitätsversprechen – das Versprechen, dass sich die Berliner und Berlinerinnen auch ohne eigenes Auto jederzeit mit dem jeweils passenden Verkehrsmittel durch ihre Stadt bewegen können“, so Haenecke. „Dass immer Alternativen zum Pkw leicht nutzbar in der Nähe sind – nicht nur Bahnen und Busse, sondern zum Beispiel auch Carsharing-Autos, Mietelektroroller, Mieträder, alles buchbar über eine App.“ Die App soll einen „Marktplatz der Mobilität“ eröffnen – ohne dass die Kunden sich bei den verschiedenen Anbietern einzeln registrieren müssen.

Nun bereitet die BVG Pilotprojekte vor. „Mögliche Standorte für eine Erprobung könnten der S- und U-Bahnhof Lichtenberg oder auch der S-Bahnhof Zehlendorf sein“, sagte der BVG-Manager. Es gehe darum herauszufinden, wie Mobilitätshubs funktionieren könnten: Welche Verkehrsmittel und Dienstleistungen sollten dort angeboten werden? Wie nehmen die Kunden die Angebote an? „Gemeinsam mit unseren Partnern, zu denen Bezirke, Car-Sharer, Bike-Sharer, ebenso wie die Deutsche Bahn und die S-Bahn gehören, gilt es viele Details zu erproben“, sagte Haenecke. Vermutlich muss die BVG vor allem mit den Bezirksämtern dicke Bretter bohren – geht es doch um den komplexen Umbau von Vorplätzen, bei dem viele Beteiligte mitreden dürfen.

„Wir gehen davon aus, dass jede größere Station im Schnellbahnnetz grundsätzlich als Mobilitätshub geeignet wäre. Wir haben verschiedene für eine Erprobung geeignete Standorte identifiziert“, sagte er – ohne weitere Namen zu nennen. Im Frühjahr hatte die BVG berichtet, dass sie stadtweit mindestens 14 potenziell geeignete Stationen ermittelt habe.

Auch in neuen Wohnvierteln

Dazu zählen außer Zehlendorf und Lichtenberg auch der Zentrale Omnibusbahnhof in Charlottenburg sowie die S-Bahnhöfe Anhalter Bahnhof, Storkower Straße und Treptower Park. Auf der Liste stehen außerdem die U-Bahnhöfe Senefelder-, Nollendorf- und Bayerischer Platz ebenso wie die S- und U-Bahnhöfe Frankfurter Allee, Jungfernheide, Zoo, Innsbrucker Platz und Tempelhof. „Welche Stationen es am Ende sein werden, wird sich aus den Gesprächen mit dem Senat und den Bezirken ergeben“, sagte Haenecke.

Klar sei: „Wir sprechen auch mit Wohnungsbauunternehmen“, hieß es. „Wo neue Wohnviertel gebaut werden, könnten ebenfalls Mobilitätshubs entstehen. Wo sie sich bewähren, können sie dazu beitragen, dass Wohnungseigentümer und Mieter einen geringeren Bedarf an eigenen Pkw haben. Dadurch würden auch weniger Parkplätze benötigt. Ein solches Wohnviertel könnte also ganz anders geplant werden.“

Partner sind car2go, DriveNow und Co.

Die Hamburger Hochbahn hat bereits Erfahrungen gesammelt. Ihr Projekt heißt Switchh (mit zwei h) – das bedeutet wechseln, tauschen. 2013 ging es am Bahnhof Berliner Tor los, auch die App ging an den Start.

Mittlerweile gibt es 16 Hubs, sagte Hochbahn-Sprecher Christoph Kreienbaum. „Bis Ende 2018 sollen 40 in ganz Hamburg zur Verfügung stehen. Partner sind car2go, DriveNow, cambio und Stadtrad.“ Gearbeitet wird auch an der App. Sie soll künftig alle Mobilitätsangebote umfassen. „Von der Information über die Buchung bis zur Abrechnung“, teilte Kreienbaum mit, „weil erst dann eine wirkliche Alternative zum Pkw für alle Lebenslagen existiert.“