Berlin - In manchen Kleidern würde man durchaus heiraten wollen, andere sind eher für die dunkleren Seiten der Liebe geeignet: Zwischen Elfenbein und Rabenschwarz, Dame und Domina changierten die Entwürfe am zweiten Tag der Fashion Week. Mehr Farbe kommt traditionell dann hinzu, wenn die Designer nicht aus Berlin, sondern aus dem fröhlicheren Süden der Republik stammen.

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Schumacher

Die Feinkniestrümpfe sehen nur an zarten Modelbeinen gut aus, dies vorweg zur Warnung. Aber ansonsten versteht es Dorothee Schumacher, Schmeichelhaftes zu entwerfen und das Sich-Feinmachen unkompliziert und keinesfalls bieder aussehen zu lassen: zum Beispiel mit einer Kombination in sanftem Puderrosa aus weiter Wollhose und verschlussloser Lammfelljacke oder mit einem salontauglichen Jogginganzug-Surrogat aus bordeauxrotem Lurexstrick. Typisch für das in Mannheim ansässige Label sind Zusammenstellungen verwandter Farben wie Rosa, Rosarot und Hibiskus; Petrol, Mittelblau und Hellblau oder Absinthgrün und Giftiggelb. Die sanften Texturen mildern jeden Kontrast, echte Pelzkragen (die sich wieder viele trauen) federn ihn noch weiter ab. Und wenn es doch einmal ein kleinteiliges Ethno-Muster gibt, dann wird es ebenfalls in die Ferse der karamellbraunen Pumps eingearbeitet. Auf dass Harmonie herrsche!

Don’t Shoot the Messengers

Hier sieht man schwarz. Was schon einmal daran liegen muss, dass die Kanadierin Jen Gilpin und der Neuseeländer Kyle Callanan in Berlin leben und arbeiten – das färbt nämlich auf alle Designer ab. Die Entwürfe ihres Labels Don’t Shoot the Messenger sind allerdings alles anderes als basic, sondern äußerst raffiniert in Schnittführung und Materialkombination: Bei einem rückenfreien, langen Abendkleid ist der Ausschnitt mit schwarzgrünlichen schillernden Hahnenfedern besetzt, knappe Lederröcke werden zu transparenten Fledermaus-Oberteilen kombiniert, ein Seidensatin-Abendkleid in Pflaume ist mit Ledergürteln in Form gebracht, eine Herrenjacke geht in eine großzügige Mönchskapuze über. Es sieht in den düsteren Studio-Inszenierungen von DSTM mitunter etwas nach Fetischfreuden aus, dies aber unbedingt in der gehobenen Variante.

Kaviar Gauche

Mit einer Dreiviertelstunde Verspätung geht es los, das ist bisher Rekord. Wie auch die Lautstärke, die zwischendurch sogar die der Bread & Butter zu übertreffen droht, worauf schon das Intro von Rammsteins „Rammlied“ hindeutet. Umso wohltemperierter, eleganter und damenhafter ist dann aber die Mode des Berliner Duos Alexandra Fischer-Roehler und Johanna Kühl: steife Organzablusen mit Blütenkragen zu Bleistiftröcken mit hoher Taille, dick mit Stabperlen bestickte Ausschnittkanten an Kleidern, artige Corsagen zu weit schwingenden, bodenlangen Röcken, drapierte Kleider in fließender Seide, in der Kombination fast immer im Schwarz-Weiß-Kontrast gehalten, bloß Goldgelb kommt vereinzelt noch hinzu.

Vieles ist, wie man in Amerika gern sagt, „Occasionwear“, Mode für besondere Gelegenheiten. Kaviar Gauche entwerfen neben ihren Prêt-à-porter-Kollektionen eben auch „Bridal Couture“ – für Brautjungfern und Bräute funktionierten die ausschweifenden Plisseeröcke auch, wenn ein Unterrock die Sicht auf die Miederhöschen verhinderte. Bei der Organza-Burka, unter der nur ein Stringtanga steckte, gestaltet sich die Sache schon schwieriger. Auch wenn man statt des Weihrauchgefäßes (Husten im Publikum) dazu genauso eine der Kaviar-Gauche-Handtaschen schwenken könnte.

Karlotta Wilde

Die Berlinerin präsentierte ihre Kollektion wie schon im Sommer im Studio des Zeltes am Brandenburger Tor. Doch dieses mal verzichtete die Designerin komplett auf den Einsatz von Models, sondern zeigte ihre Kreationen an Puppen, die von der Decke hingen. Im Hintergrund auf großer Leinwand ein Film, in dem Frauen recht verloren durch einen Wald laufen. Wildes Design zeichnet wie bei ihrer letzten Kollektion durch extreme Reduzierung aus. Kamen im Sommer aber überwiegend Grautöne und agressives Pink zum Einsatz, so bestimmten jetzt Erdtöne das Bild – in Layertechnik fabrizierte Röcke aus Seide und durchsichtige Stoffen unter gröberen Jacken und Westen, sowie dicke Strickmäntel zu langen weiten Röcken.

Laurèl

Hier ging es sehr streng zu. Die Models präsentierten elegante Kreationen aus durchsichtiger Seide wie Overalls und kurze Kleider mit Reminiszenzen an die 20er-Jahre wie Fransen und Stirnbänder. Die Farben waren gedeckt, höchstens durchbrochen von Petrol oder einem blassen Grasgrün. Auch hier kamen Pelze zum Einsatz, hauptsächlich als Boleros und in gescheckten Mustern. Alle gezeigten Entwürfe kombinierten Schlichtheit mit kostbaren Materialien, wie etwa die Hosenanzüge zu weit wallenden Blusen, die allerhöchstens mit sparsamen Paillettenbesätzen verziert waren.