Berlin - David Kramberg kennt den Kurfürstendamm wie seine Westentasche. Geboren 1946 in Charlottenburg, schlenderte er schon als Kind entlang des Boulevards, vorbei an den eleganten Modehäusern und Salons. Er wusste: Eines Tages würde er dort auch ein Modehaus besitzen.

1972 war es dann soweit. In der Joachimstaler Straße eröffnete David Kramberg sein erstes Geschäft. Ein paar Jahre später zog er damit an den Kurfürstendamm und galt dort bis Ende der 90er-Jahre als Institution. Im Modehaus Kramberg gab es alles, was Rang und Namen hatte: von Armani bis Yamamoto. Bis ihn 1999 die Krise traf und er schließen musste. In seinen ehemaligen Räumen befindet sich heute der Flagshipstore von Louis Vuitton.

In Schutt und Asche

Einen Straßenzug weiter, jenseits des Olivaer Platzes, hat Kramberg nun im Januar ebenfalls einen Flagshipstore eröffnet: den kunterbunten Witty Knitters-Shop, ein Spezialgeschäft für Kaschmirmode aus Hamburg. Am 28. Februar folgt die zweite Eröffnung: als Geschäftsführer im Laden von Dimensione Danza, eine vom Tanzsport inspirierte Casual-Marke aus Italien.

Als David Kramberg geboren wurde, lag der Kudamm in Schutt und Asche. Keine gute Umgebung, fanden seine Eltern und schickten ihn an den beschaulichen Bodensee ins Eliteinternat Schloss Salem. Nach der Mittleren Reife kehrte er nach Berlin zurück und machte eine kaufmännische Lehre bei Gehringer & Glupp, damals eines der exklusivsten Couture-Häuser am Kurfürstendamm. „Ich hatte Glück, dass ich die letzten schönen Jahre der Berliner Haute Couture noch miterleben durfte“, erzählt er.

Nach dem Mauerbau ging diese glanzvolle Ära vorbei. Viele Modefirmen wanderten in den Westen ab oder gaben auf, so auch Gehringer & Glupp. Daraufhin wechselte Kramberg zu den Konfektionsbetrieben Studio Dress und Braasch Modelle. Doch für andere Firmen zu arbeiten, war nicht länger sein Ding. Er erfüllte sich seinen Traum und eröffnete 1972 mit gerade mal 26 Jahren sein Geschäft in der Joachimstaler Straße.

Obwohl es nur 120 Quadratmeter groß war, nannte er es großspurig Modehaus. „Es als Boutique zu bezeichnen, kam nicht in Frage“, lacht er. „Das hatte immer etwas Anrüchiges.“ Bei Kramberg gab es Pullover und Twinsets in allen Farben. Später erweiterte er sein Sortiment um Hosen, Blusen und Röcke. Mit seinem lässigen Stil traf er den Nerv der Zeit und hob sich damit von anderen Modehäusern wie Horn und Madame ab, die noch das klassische Kostüm anboten. 1974 erweiterte Kramberg sein Geschäft um Männermode und brachte die erste Ungaro-Herrenkollektion nach Berlin, entworfen vom jungen Armani. „Die war sensationell“, schwärmt er.

Goldene Zeiten

1978 zog David Kramberg an den Kudamm, zwischen Wieland- und Leibnizstraße. Dieser Abschnitt war damals noch modisches Brachland: „Eigentlich war bei Selbach Schluss.“ Das Modehaus Selbach an der Ecke Bleibtreustraße markierte seit den 60er-Jahren die imaginäre Grenze für den Modehandel. Kramberg kann sich noch gut an diesen Besuch erinnern: „Als Herr Selbach unseren Laden sah, fragte er mich, ob wir verrückt geworden seien.“

Er war komplett weiß gefliest, von außen sah er aus wie ein Aquarium. So viel Innovation war für den altehrwürdigen Boulevard unerhört, für Krambergs Konzept jedoch genau richtig. Schon bald führte er alle nennenswerten internationalen Designerkollektionen von Ungaro über Armani bis Valentino. Später kamen Issey Miyake und Yohji Yamamoto dazu. Und Jean-Paul Gaultier mit seinen Männerröcken.

Für David Kramberg brachen goldene Zeiten an. Er investierte in weitere Shops: 1994 eröffnete er gegenüber einen Versace-Store von geradezu tempelhafter Größe, gefolgt von einem Kosmetikgeschäft Ecke Wielandstraße. „Als Gianni Versace 1997 ermordet wurde, war es von einem Tag auf den anderen vorbei“, erzählt Kramberg. Er musste langsam erkennen, dass er sich mit seinen drei Läden übernommen hatte. Während der Handel im Osten aufblühte, steckte der Westen in der Krise. Als Konsequenz schloss er im September 1999 zwei seiner Läden am Kurfürstendamm.

Nur der Kosmetikladen lief noch ein paar Jahre weiter, bis ihn eine neue Herausforderung nach Russland führte. Dort leitete er bis Herbst 2010 den Moskauer Armani-Store. Doch auch dort blieb die Krise nicht aus, er wurde entlassen.

Wie die Wohnung von Alice im Wunderland

Vor gut einem Jahr kehrte David Kramberg zurück, um hier seinen neuesten Coup, die Eröffnung seiner beiden Flagshipstores, zu planen – mit altbewährtem Konzept. Wie damals bietet er auch heute wieder lässige Strickmode an, die er in auffälligem Rahmen präsentiert. Der Witty Knitters-Shop sieht mit seinen fliegenden Zylindern und der Türen-Deko an den Wänden aus wie die Wohnung von Alice im Wunderland. Und auch diesmal überschreitet er eine imaginäre Grenze. „Momentan ist für jeden noch der Olivaer Platz die Barriere“, sagt er. „Das wird sich ändern, wenn ich mit dem Dimensione Danza-Laden komme.“ Zuzutrauen wäre es ihm.