Bereits im Februar hatten wir berichtet, dass die Fast-Fashion-Kette Orsay im Zuge ihrer Sanierung 79 der insgesamt 197 Filialen in Deutschland schließen will. Auch die Läden in der Schlossstraße in Steglitz sowie im Moabiter Schultheiss-Quartier in der Turmstraße sind davon betroffen. Im April werden dort die Orsay-Logos verschwinden. Wie jetzt bekannt wurde, hat das Unternehmen nun allerdings die Mietverträge für sämtliche Filialen in Deutschland zum 1. Juli dieses Jahres gekündigt. Eine Marke droht zu verschwinden.

Auf Nachfrage wurde das von der Unternehmensführung bestätigt. „Die Fortführung der stationären Geschäfte in Deutschland ist Stand heute noch offen“, sagte Firmensprecher Wolfgang Weber-Thedy. Aus diesem Grunde seien „sämtliche Verträge vorsorglich gekündigt“ worden. Tatsächlich geht es dabei nicht nur um die Mietverträge für die Läden, sondern auch um die Arbeitsverträge der Beschäftigten. Laut Weber-Thedy seien etwa 800 Mitarbeiter bundesweit betroffen. In Berlin betreibt Orsay derzeit insgesamt zwölf Filialen.

Neuer Betreiber nach Sanierung gesucht

Der Modehändler war insbesondere durch die Corona-Pandemie in wirtschaftliche Schieflage geraten. Im vergangenen Jahr hatte das 1975 im Schwarzwald gegründete Unternehmen noch einen Staatskredit über 33 Millionen Euro bekommen, musste Ende November jedoch ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung eröffnen. Danach verhandelte Orsay mit Vermietern über eine Anpassung der Ladenmieten. Wo keine ausreichenden Mietsenkungen erreicht werden konnten, sollte geschlossen werden. Die Sanierung des Unternehmens war damit abgeschlossen.

Da die Orsay GmbH aber insolvent ist, muss ein neuer Betreiber für die erklärtermaßen sanierte Modekette gefunden werden. Wie es heißt, sei man mit mehreren potenziellen Partnern im Gespräch. Weber-Thedy spricht gar von „sehr guten Chancen für eine Fortführung“ der Kette. Dennoch habe man sich eben „vorsorglich“ für die Kündigung entschieden. Keiner der Beschäftigten sollte „bis zum letzten Tag“ warten müssen. Ein neuer Betreiber muss sich folglich neue Läden und neues Personal suchen.

Dabei ließ Orsay-Chef Sascha Bopp noch im Februar mitteilen, man sei daran interessiert, dass „möglichst viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter Teil von Orsay“ blieben. Beschäftigte aus den zu schließenden 79 Filialen sollten einfach in andere Läden der Kette wechseln können.

Orsay ist als Filialist für Damenmode in insgesamt 34 Ländern vertreten und betreibt dort mehr als 700 Geschäfte. Von den mehr als 3500 Beschäftigten arbeitetet etwa jeder dritte in Deutschland. Eigentümer der Modekette ist die französische Familie Mulliez, der unter anderem auch die Modekette Pimkie sowie der Sportgeräte- und Bekleidungshändler Decathlon gehört. Die Kette Pimkie hatte im vorigen Frühjahr ein Insolvenzverfahren beendet und die Zahl ihrer Filialen in Deutschland im vergangenen Jahr von 75 auf 40 reduziert.