Modelcasting im Fitnessstudio: Mit Muskelkraft gegen den Magertrend

Berlin - Anfang des Jahres, noch unter dem langsam verblassenden Eindruck der guten Vorsätze für die kommenden zwölf Monate, ist das Gedränge in den Fitnessfolter-stuben immer groß. Gleich neben dem saisonal bedingt überlaufenen großen Studio in der Backfabrik an der Saarbrücker Straße gab es am Dienstagnachmittag einen Auflauf von Leuten, deren Kleidung so gar nicht auf Training ausgelegt war. In den Büroräumen der Modelagentur McFit Models gab es eine Pressekonferenz, die ganz bewusst in die Zeit der Fashion Week gelegt worden war, obwohl sie mit der nur am Rande zu tun hatte.

Die Hauptinformation: Bei der Kette McFit hatte man eine Geschäftsidee, die auf der Welle der Modelcastingshows schwimmt und eine ziemlich raffinierte Zweitnutzung der Mitgliederkartei darstellt. Unter der Geschäftsführung der ehemaligen Marketingchefin Anja Tillack wurde seit Ende 2012 Europas größte Sportmodelagentur aufgebaut. Hauptvoraussetzung für die Aufnahme in die Kartei ist eine Mitgliedschaft bei der Fitnesskette. Da schwingt unterschwellig die Botschaft mit: Bevor du dich von Heidi Klum unter den Augen des Fernsehpublikums mobben lässt, kannste ja auch erst mal in die Muckibude gehen und schauen, ob du dort entdeckt wirst.

Als Art Director bei McFit Models fungiert der umtriebige Multi-Unternehmer Michael Michalsky (macht in Mode und Design), der seine Rolle mit Weitergabe seiner Erfahrungen in der Branche umschreibt. Und mit der Verheißung: „Ich kann Leuten ein Sprungbrett bieten.“ Als Dozenten für die Models Academy der Agentur wurden Fachleute wie der Fitnesstrainer David Kirsch (Inhaber des Fitnessstudios Madison Square Club in New York und persönlicher Quälix von Liv Tyler, Heidi Klum und Anne Hathaway) und Model Wanda Badwal (Viertplatzierte bei der dritten Staffel von Germanys Next Topmodel) gewonnen. Sie beraten die angehenden Models in Internetfilmchen, sollen aber auch für besonders aussichtsreiche Kandidaten persönlich zur Verfügung stehen.

In der Modelbranche, in der Verträge oft an der Grenze zur Sittenwidrigkeit entlangschrammen und sie manchmal überschreiten, dürfte man bei einigen der Grundaussagen zur neuen Agentur aufmerken. McFit Models will „die Regeln des Spiels“ ändern. Alles soll fairer und auf Nachhaltigkeit angelegt sein. So pocht man nicht auf die weit verbreiteten Exklusivklauseln in den Verträgen und bietet die Ausbildungsleistungen für interessierte Mitglieder kostenlos an.

Als Art Director schwingt sich Michael Michalsky, der früher mal in leitenden Positionen bei Levis und adidas angestellt war und seit 2006 sein eigenes Label besitzt, während der gerade gestarteten Fashion Week auch gleich zum Großkunden auf: 15 männliche Models, die für seine StyleNite – das größte Spektakel der Modewoche – gebucht wurden, stammen aus der Kartei der Agentur.

Zur Vorstellung von McFit Models kam am Dienstagnachmittag neben Michalsky, Kirsch (der mal Anwalt war) und Badwal auch der Boxer Wladimir Klitschko, den sein Werbevertrag für die Fitnessstudiokette zu solchen Terminen verpflichtet. Er lobte die Agenturgründung: „Ich glaube, das ist der logische Schritt.“ Die Idee zur Agentur entstand im Jahr 2010. Zunächst wurden nur die Models für die eigenen Kampagnen der Fitnessstudiokette aus ihren Mitgliedern rekrutiert, später entstand der Plan, sich mit dem Potenzial von 1,2 Millionen Kunden auf den Model-Markt zu begeben. Kleine Spitze gegen die Konkurrenz: Die neue Agentur stehe für „Fitness und Gesundheit – fernab vom Magertrend.“