Berlin - Ein kurzes Drücken auf den grünen Knopf reicht, die schwarze Tür öffnet sich automatisch. Dazu blinken LED-Leuchten über den Türfenstern ebenfalls grün. Nervig ist das durchdringende, laute Piepen, das sich fast so anhört, als ob ein Lastwagen rückwärts fährt. Das hier ist aber kein Lkw, sondern die neue Generation der Berliner S-Bahn, die ab 2021 auf dem Berliner Netz unterwegs sein soll. Das ständige Piepen der sich öffnenden oder schließenden Türen – es soll den neuesten Sicherheitsanforderungen genügen – ist eine der Neuerungen, an die sich die Fahrgäste wohl erst gewöhnen müssen.

Die Bahn hat am Dienstag ein maßstabsgetreues Modell des künftigen S-Bahnwagens erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Fahrtüchtig ist der Wagen nicht, sondern nur aus Holz, Kunststoff und etwas Metall gefertigt. Hergestellt wurde er in den Filmstudios Babelsberg, ist aber wie ein richtiger Zug mit Sitzen und Haltestangen und allerlei Technik ausgestattet, die auch funktioniert.

Fühlen wie im Regionalzug

Betritt man den Wagen, wirkt alles sehr großzügig, sehr aufgeräumt und modern. Die Haltestangen aus Edelstahl zum Beispiel sind oben geschwungen. Auch die Panoramafenster scheinen noch größer als gewohnt zu sein. Allerdings sieht es nicht mehr so richtig nach S-Bahn aus, sondern eher nach Regionalzug. Der Grund: Die dauerhaft schmuddlig-grünen Sitzpolster in den heutigen Zügen wurden durch die dunkelblauen Sitze der Deutschen Bahn ersetzt. Die sind zwar etwas hart, aber deutlich besser als die Plastikschalen bei der BVG.

Und noch etwas fällt auf. Die Sitze am Gang scheinen über dem Boden zu schweben. Die S-Bahn verspricht sich davon mehr Komfort für ihre Fahrgäste. Denn die können unter den Sitzen auch mal einen Koffer oder eine Sporttasche abstellen, ohne dass sie gleich den Gang blockieren.

S-Bahn-Chef Peter Buchner spricht daher von einem „epochalen Tag“, nicht nur für sein Unternehmen, sondern auch für die Fahrgäste. So haben die neuen Züge Klimaanlage, Videoüberwachung und große Mehrzweckabteile. Gleich hinter dem Fahrer zum Beispiel ist Platz für vier Rollstühle sowie zwei Kinderwagen. Darauf weist die gelbe Kennzeichnung auf dem Fußboden hin. Neu sind an den Rollstuhlplätzen Konsolen mit mehreren Tasten, um etwa den Fahrer zu bitten, die Rampe zum Bahnsteig zu installieren. Pfiffig sind auch große Displays an den Seitenfenstern, die die Fahrgäste innen und außen über die S-Bahnlinie sowie die nächsten Stationen und Umsteigemöglichkeiten informieren. Das kennt man von Straßenbahnen.

382 neue Wagen hat die S-Bahn beim Konsortium Siemens/Stadler im Wert von 900 Millionen Euro bestellt. 2020 werden die ersten Züge getestet, ab 2021 sollen sie auf der Linie S47 zwischen Südkreuz und Spindlersfeld, später auch auf dem Ring fahren.

Getestet wird das Wagen-Modell in diesem Monat von 400 repräsentativ ausgewählten Fahrgästen sowie von mehreren Verbänden. Sie sollen bewerten, ob die Ausstattung funktional ist, ob das Design gelungen ist und was noch verbessert werden muss. Ende Oktober wird darüber entschieden.

Farbe wie ein Senftopf

Auf Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler macht der Wagen einen guten Eindruck. Die Konsolen für die Rollstuhlfahrer aber werden keine Berliner Party-Nacht überstehen, sagt er, weil sie nicht stabil befestigt sind. Auch gebe es beim Einsteigen eine Kante am Wagen, es bestehe die Gefahr, dass ein Fahrgast stürzt. „Darüber werden wir reden“, sagt Gaebler.

Um dann zu loben, dass die Farben Schwarz, Rot und Gelb an den Zügen beibehalten wurden. Aber das neue Farbkonzept ist umstritten. Das Rot ist heller und leuchtet mehr, doch der Streifen über der Bahnsteigkante ist nur noch sehr schmal. Oben ist der Wagen Gelb, die Türen sind schwarz.

„Wir haben uns getraut, frischere Farben zu nehmen“, sagt Buchner. Die Türen seien Schwarz, um für sehschwache Menschen einen großen Kontrast zu bieten. S-Bahn-Traditionalisten kommentieren aber bissig, der Wagen sei in einen „Senftopf gefallen“. Staatssekretär Gaebler sagt es viel diplomatischer: „Die Farbgebung ist vom Grundsatz gut, ein bisschen mehr Rot wäre auch nicht schlecht.“