Wer mit Obdachlosen und ihren Helfern spricht, erfährt anschaulich, wie brutal und zerstörend das Leben auf der Straße ist. Wie groß bei manchen die Sehnsucht nach einer Wohnung ist und wie unwahrscheinlich und hürdenreich dieser Wunsch den Obdachlosen erscheint. Das schaffen wir nie, denken sie. Keine Chance.

Der Umgang des Senats mit Obdachlosen ist neu

19 Obdachlose haben es in den vergangenen Monaten geschafft. Mit Hilfe erfahrener Sozialarbeiter haben sie in einem bundesweit einmaligen Modellprojekt namens „Housing First“ eine Wohnung bekommen. Dort haben sie endlich Ruhe vor dem ständigen Kampf um einen Schlafplatz auf der Straße, vor Demütigungen und Bettelei. Sie mussten dafür nichts versprechen. Sie haben einen Mietvertrag und viele Helfer um sich, die sich mit um alles Weitere kümmern. Wenn die Betroffenen es wollen.

Dieser Umgang der Sozialarbeiter und des Berliner Senats mit Obdachlosen ist neu. Geben und nehmen hieß bisher die Devise. Wer Hilfe vom Staat wünscht, muss den Behörden glaubhaft nachweisen, dass er wirklich bereit ist, sein Leben zu verändern. Schon das überfordert manche Menschen auf der Straße.

„Housing First“ ist der richtige Weg

Beim Projekt „Housing First“ verlangt niemand solche Bekenntnisse. Erst einmal eine Wohnung und dann sehen wird weiter, so lautet der Ansatz der Sozialarbeiter. So spüren die Obdachlosen wieder, dass man ihnen vertraut.

Es ist der richtige Weg, erprobt in den USA sowie in Städten wie Amsterdam, Glasgow, Kopenhagen und Lissabon. Nun also auch in Berlin. Geld sollte keine Rolle spielen. Das Mieten einer Wohnung ist allemal billiger als die Kosten einer Notunterkunft. Und eine wahre Chance.