Auf dem Tempelhofer Feld gibt es den ersten Nutzungskonflikt nach dem Volksentscheid gegen die geplante Randbebauung. Zwar ist am 25. Juni das Gesetz zum Erhalt des Tempelhofer Feldes (ThF-Gesetz) in Kraft getreten, nach dem das Areal den Bürgern „grundsätzlich vollumfänglich, dauerhaft, uneingeschränkt und unentgeltlich zur Freizeitgestaltung und Erholung zur Verfügung“ steht – doch die erste Ausnahme wird schon gemacht.

Die landeseigene Tempelhof Projekt GmbH, die das Flughafengebäude verwaltet, teilte am Montag mit, dass es wegen der Modemesse Bread & Butter in den kommenden 14 Tagen zu Einschränkungen auf dem Feld kommt. Um die Belastung der öffentlichen Straßen durch den Logistikverkehr für die Messe möglichst gering zu halten, sollen Lastwagen mit Material für die Messe über das ehemalige Flughafenareal rollen. „Aus diesem Grund wird ein parallel zum Tempelhofer Damm verlaufender Weg am Rand des Tempelhofer Feldes in der Zeit vom 30. Juni bis 14. Juli 2014 für Fußgänger und Radfahrer gesperrt“, teilte der Sprecher von Tempelhof Projekt, Martin Pallgen, mit. Über den Weg werde der Lastwagenverkehr geführt. Der Haupteingang zum Feld im Bereich des S- und U-Bahnhofs Tempelhof bleibe weiterhin für alle geöffnet. Aus Sicherheitsgründen müsse der Eingang in Höhe des U-Bahnhofs Paradestraße aber in dem Zeitraum geschlossen werden.

Am Columbiadamm kommt es vom 5. bis 11. Juli zu Einschränkungen durch den Logistikverkehr. In dieser Zeit ist der Eingang zum Tempelhofer Feld in Höhe des Radarturms für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Der Haupteingang am Columbiadamm im Bereich der Friedhöfe bleibe dagegen geöffnet.

„Die aktuellen Maßnahmen gelten unabhängig vom ThF-Gesetz“, heißt es in der Erklärung der Tempelhof Projekt GmbH. Für alle künftigen Veranstaltungen würden die Projektverantwortlichen zurzeit die Vereinbarkeit dieser Maßnahme mit dem neuen Gesetz „prüfen“.

Pascal Thirion, bei der Tempelhof Projekt GmbH verantwortlich für den Bereich Eventlocation, erklärte: „Wie bei allen Großveranstaltungen ist auch der Logistikverkehr der Bread & Butter für eine begrenzte Zeit unabdingbar“. Diese Logistikabläufe seien „seit Langem vorbereitet und Gegenstand von vertraglichen Vereinbarungen, die vor dem Inkrafttreten des Gesetzes geschlossen“ wurden. „Wir sind davon überzeugt, dass wir für die Zukunft eine für alle zufriedenstellende Lösung finden werden.“

BUND reagiert gelassen

Die Senatsverwaltung für Stadtentwicklung erklärte, dass die Einschränkungen mit ihr abgestimmt wurden. Es gehe darum, die vertraglichen Verpflichtungen mit der Modemesse einzuhalten, betonte Behördensprecherin Petra Rohland. Den Schutzansprüchen des Gesetzes „wollen wir Rechnung tragen, aber im Moment sind wir vertraglich gebunden“, sagte sie. Der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) sieht die Einschränkungen gelassen. Die Formulierung, dass das Feld grundsätzlich uneingeschränkt zur Verfügung stehe, bedeute, dass Ausnahmen möglich seien, sagte BUND-Landesgeschäftsführer Tilmann Heuser. „Sowas dürfte temporär unproblematisch sein, solange die Zugänglichkeit zum Feld gesichert ist.“