An insgesamt 54 Standorten, quer über die Stadt verteilt, will der rot-rot-grüne Senat Flüchtlingsunterkünfte errichten. 29 Adressen stehen schon länger fest, auf 14 von ihnen ist die Bauphase bereits abgeschlossen. Am Dienstag beschloss die Koalition nun weitere 25 Orte, an denen voraussichtlich ab Ende dieses Jahres sogenannte Modulare Unterkünfte für Flüchtlinge (MUF) zu bauen sind, meist auf Grundstücken im landeseigenen Besitz.

Die MUFs, wie sie genannt werden, sind dabei feste Mehrfamilienhäuser in qualitätsvoller Fertigbauweise, die eine Lebensdauer von rund 50 Jahren haben – und später auch für Wohnzwecke anderer Gruppen genutzt werden können, etwa für Studenten oder für Wohnungslose ohne Chance auf dem freien Markt. „Wir reden hier von ganz normalen Wohnhäusern“, sagte Sozialsenatorin Elke Breitenbach (Linke).

12.000 neue Plätze

Breitenbachs Behörde hat in Abstimmung mit der Finanzverwaltung eine Prognose erstellt, wie hoch der Bedarf an Unterkünften für Geflüchtete bis zum Jahr 2021, dem Ende der laufenden Wahlperiode, sein wird. Derzeit kommen noch rund 700 Menschen pro Monat neu in die Hauptstadt, das ist ein Bruchteil der Zahlen vom Krisenjahr 2015. Zudem leben rund 1500 Flüchtlinge nach wie vor in Notunterkünften, weitere 2500 in den Erstaufnahmeeinrichtungen und noch einmal mehr als 5000 in sogenannten Tempohomes, also Übergangsheimen in Leichtbauweise, die allenfalls ein paar Jahre halten.

Zwar verlassen auch viele Menschen Berlin wieder, oder sie finden eine Wohnung auf dem freien Markt. Doch bis 2021, sagte Senatorin Elke Breitenbach, gibt es voraussichtlich eine Lücke von 19.000 Plätzen – die noch gebraucht werden, um alle Menschen unterzubringen. Auf den 25 neuen Standorten (siehe Karte unten) sollen nun vorerst 12.000 Plätze realisiert werden, also rund 500 pro Adresse. „Wir sind sicher, dass wir diese Platzzahl auf jeden Fall brauchen“, sagte Finanzsenator Matthias Kollatz-Ahnen (SPD). Die Prognose werde immer wieder aktualisiert, das nächste Mal am Ende diesen Jahres.

Senat rechnet mit Streit

Die MUF-Bauten sind flexibel, so lassen sich aus ihnen leicht normale Wohnungen schneiden. Die 12.000 geplanten Plätze gehören damit rein rechnerisch zu etwa 7000 Wohnungen unterschiedlicher Größe. Diese zählen zwar nicht zu den sonstigen Bauprogrammen des Senats, können aber doch auch den Markt entlasten. An zweien der 25 Standorte, in der Köpenicker Allee in Lichtenberg und in der Salvador-Allende-Straße in Treptow-Köpenick, sollen möglichst „gemeinsame Wohnprojekte“ entstehen, wie Sozialsenatorin Breitenbach sagte. Dort werden also, so jedenfalls der Plan, nicht nur MUFs für jeweils 500 Flüchtlinge, sondern in der gleichen Bauweise auch Wohnungen gebaut, ungefähr im gleichen Umfang.

Ein MUF-Gebäude kostet etwa 16 Millionen Euro, sagte Finanzsenator Kollatz-Ahnen. Sie werden teils über Bundesgeld refinanziert, weil der Bund laufende Unterbringungskosten übernimmt. Andere Unterkünfte, insbesondere von Privatanbietern, seien deutlich teurer im Betrieb, daher rechne er mit tendenziell sinkenden Kosten des Landes für die Flüchtlingsunterbringung, so der Finanzsenator.

Der Senat rechnet allerdings auch mit Streit über die neuen Standorte. Sie sind zwar mit den Bezirken erörtert worden, aber nicht jeder Bezirk ist einverstanden mit der Planung. Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Linke) zeigte sich am Dienstag verwundert, dass die Rheinpfalzallee auf der Liste steht. Dort plane der Bezirke eine Kita und eine Schulerweiterung. Auch Mittes Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) kritisierte, man wolle lieber auf mehrere Orte verteilt Platz für Flüchtlinge schaffen als zwei große MUF-Häuser bauen.

Das sind die 25 Standorte – aufgeteilt nach den Bezirken:

Charlottenburg-Wilmersdorf: Mecklenburgische Straße 80 und eine noch zu identifizierende Fläche am Olympiastadion (außerhalb des Denkmalschutzbereichs).

Friedrichshain-Kreuzberg: Alte Jakobstraße 4 mit Franz-Künstler-Straße 10 sowie Reichenberger Straße 92 mit Ratiborstraße 14c-g

Lichtenberg: Rheinpfalzallee 83, 91, 93 und Köpenicker Allee 148

Marzahn-Hellersdorf: Zossener Straße 156 und Murtzaner Ring 68

Mitte: Putbusser Straße 12 und Triftstraße 17 (Nutzung nach Aufgabe durch Beuth-Hochschule)

Neukölln: Töpchiner Weg 44 (kleiner Standort), Haewerer Weg 35 und Buckower Felder (kleiner Standort)

Pankow: Rennbahnstraße 74 und Fröbelstraße 15 (Abriss Kantinengebäude)

Reinickendorf: Waidmannsluster Damm 12, 14 und Rue Montesquieu 32, 33, Jean-Jaurés-Straße (Cité Foch Nord, ehemalige Gendarmerie)

Spandau: Askanierring 70-108A ohne 85-87A (Alexander Barracks) sowie Griesinger Straße 27 und ohne Nummer

Steglitz-Zehlendorf: Dahlemer Weg 247 und Osteweg 63

Tempelhof-Schöneberg: General-Pape-Straße 52 und nicht näher bezeichnete Ankaufbemühungen von privat an unbekannter Adresse.