Möckernkiez: Das Wohnprojekt kann weitergebaut werden

Die Erleichterung ist groß. „Ich freue mich wahnsinnig, dass es jetzt weitergeht“, sagt Elfriede Krutsch. „Wir haben den ganzen Abend gefeiert.“ Die 66-Jährige ist eines von 1.440 Mitgliedern der Genossenschaft Möckernkiez, die an der Yorck-/Ecke Möckernstraße in Kreuzberg 471 barrierefreie Wohnungen errichten will – als Gegenmodell zu renditeorientierten Projekten privater Investoren.

Am Montag erhielten die Genossenschaftler die Nachricht, dass es endlich eine Finanzierungszusage der Banken für das Modellprojekt gibt. Die zwischenzeitlich eingestellten Arbeiten sollen noch im Juni wieder aufgenommen werden. „Ich gehe davon aus, dass ich 2018 in meine neue Wohnung einziehen kann“, sagt Elfriede Krutsch.

Eigenkapital der Mitglieder

Wie berichtet, hatte die Genossenschaft Möckernkiez im Januar 2014 die Bauarbeiten des 130 Millionen Euro teuren Projekts zunächst mit dem Eigenkapital der Mitglieder gestartet. Weil die notwendige Mit-Finanzierung durch die Banken nicht zustande kam, musste die Baustelle im November 2014 aber stillgelegt werden.

Der alte Genossenschaftsvorstand wurde daraufhin abgelöst, ein neuer Vorstand mit den Immobilienprofis Karoline Scharpf und Frank Nitzsche berufen. Deren Bemühen um eine Finanzierung war jetzt erfolgreich. „Uns liegt die Finanzierungszusage ohne Gremienvorbehalt eines Konsortiums aus deutschen Banken vor“, sagt Frank Nitzsche.

Konsortialführer ist die GLS-Bank, die sich als Kreditgeber für umweltfreundliche und soziale Projekte einen Namen gemacht hat. Der Regionalleiter der GLS-Bank in Berlin, Werner Landwehr, zuletzt ehrenamtlicher Aufsichtsratschef der Genossenschaft Möckernkiez, zieht sich dafür mit sofortiger Wirkung aus der Genossenschaft zurück. Denn es entspreche nicht den Richtlinien der Bank, so Nitzsche, wenn Landwehr in doppelter Funktion tätig sei, also als Kreditgeber und Kreditnehmer.

40 Millionen Euro Eigenkapital

Während die Wohnungen im Möckernkiez wie geplant errichtet werden, fällt die vorgesehene Kita auf dem 30.000 Quadratmeter großen Areal wesentlich kleiner aus: Nur noch für zirka ein Dutzend Kinder ist eine Betreuung geplant. Die Teil-Grundstücke für ein Hotel und eine gastronomische Einrichtung sollen verkauft werden. Die Einnahmen sind bereits fest einkalkuliert. Insgesamt wollen die Genossenschaftler 40 Millionen Euro durch Eigenkapital aufbringen, 90 Millionen steuern die Banken bei.

Für die Mitglieder der Genossenschaft geht es bei der Fortführung des Projekts nicht nur um die Rettung einer schönen Idee, sondern auch um viel Geld. Jeder, der eine Wohnung haben will, musste zwei Genossenschaftsanteile zu je 500 Euro sowie eine Bearbeitungsgebühr von 100 Euro bezahlen. Hinzu kommen anteilige Errichtungskosten von 920 Euro je Quadratmeter Wohnfläche. Elfriede Krutsch ist so mit rund 90.000 Euro dabei. Sie will eine 97 Quadratmeter große Wohnung beziehen.

Neben den Anteilen müssen die Genossenschaftsmitglieder noch Miete zahlen. Die Mieten bewegen sich je nach Lage der Wohnung zwischen 8,62 und 13,04 Euro je Quadratmeter (kalt) – im Schnitt werden 11,08 Euro je Quadratmeter monatlich fällig. Das ist im Vergleich mit anderen Bauprojekten nicht wirklich preiswert, aber dafür sollen die Mieten über lange Zeit nicht erhöht werden. Die erste Mieterhöhung sei erst für das Jahr 2027 geplant, sagt Genossenschaftsvorstand Nitzsche.

Baustillstand war teuer

Der Baustillstand über anderthalb Jahre hat die Genossenschaft rund eine Million Euro gekostet. Auf der Baustelle wurden jetzt die ersten Baucontainer aufgestellt. Ein Zeichen, dass die Arbeiter bald zurückkehren. Bevor die zugesagten Kredite bereitgestellt werden, muss die Genossenschaft jedoch noch eine Auflage erfüllen: Sie muss weitere Mieter gewinnen. Zurzeit seien die Wohnungen zu etwa 80 Prozent vermietet, sagt Nitzsche. Ein Vermietungsstand von gut 90 Prozent müsse noch erreicht werden. Das Interesse sei vorhanden (Kontakt: 030/78 71 21 31).

Nicht alle, die sich am Anfang für das Projekt begeisterten, sind noch dabei. Manch einer gab auf – aus Sorge, dass das Projekt nicht zustande kommen könnte. „Uns ist eine Zentnerlast vom Herzen gefallen, dass wir die Finanzierungszusage jetzt erhalten haben“, sagt Frank Nitzsche. Die Zusage kam freilich in letzter Minute. Am 31. Mai wäre das Angebot des Generalunternehmers zur Fertigstellung der Bauten abgelaufen.