Frankfurt (Oder) - Wie ein Behördensprecher am Mittwoch sagte, werden unter anderem Zeugenaussagen miteinander und mit der Aktenlage verglichen.

Es lägen teils sehr unterschiedliche Aussagen vor. „Es geht dabei nicht um Wertungen, sondern um Tatsachen“, betonte der Sprecher. Wann ein Ergebnis vorliegt, ist noch unklar. Sollte sich ein Verdacht erhärten, werde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Verurteilter bestreitet Taten

In dem Indizienprozess war der 47-jährige Mario K. Mitte Juni zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das Gericht sprach den Mann schuldig, zwei Millionärsfamilien in Bad Saarow und in Storkow in Ostbrandenburg überfallen zu haben. Dabei soll er einen Bodyguard niedergeschossen und einen Manager mit Waffengewalt auf eine Insel im Sumpf entführt haben. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Der angeklagte frühere Dachdecker, der zuletzt in Berlin gewohnt hatte, hat die Taten stets bestritten.

Während des Prozesses machten Beamte allerdings unterschiedliche Aussagen. So hatten bereits Fahnder der einstigen Sonderkommission scharfe Kritik an der Ermittlungsarbeit der Polizei geübt. Es sei einseitig gegen den Angeklagten Mario K. ermittelt worden, hieß es. Zweifel an dem Tatgeschehen, vor allem an der Entführung eines Managers, durften nicht geäußert werden.

Wie die Berliner Zeitung berichtete, hatten zwei Beamte der Sonderkommission ausgesagt, dass eine Ermittlerin Dinge, die den Angeklagten entlastet hätten, „auf Geheiß von oben“ aus einem Bericht habe streichen müssen. Sie hatte dies auf Nachfrage im Prozess aber abgestritten. Daraufhin erklärte eine weitere Kollegin, diese Beamtin habe nach der Zeugenaussage in der Dienststelle erklärt: „Zum Glück wurde ich nicht vereidigt.“

Mitte Juni hatte das Polizeipräsidium in Potsdam eine polizeiinterne Überprüfung der Ermittlungsarbeit angekündigt. Dazu soll Innenminister Karl-Heinz Schröter (SPD) an diesem Donnerstag im Innenausschuss des Landtages Stellung nehmen. (BLZ/dpa)