Berlin - Der Pannen-Flughafen BER ist die bekannteste Problem-Baustelle des Landes, aber keineswegs die einzige. Die Baustelle für die Erweiterung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses des Bundestags im Berliner Parlamentsviertel zeigt, dass es leicht zu Baupfusch kommt, wo die Kontrolle versagt.

Baupfusch-Projekt droht Total-Abriss

Jetzt hat Bundestags-Vizepräsident Wolfgang Kubicki (FDP) sogar das eigentlich Undenkbar ins Gespräch gebracht: Den Abriss des im Rohbau bereits fertiggestellten Parlamentsgebäudes, dessen Bodenplatte undicht ist. Das wäre für die deutsche Bau- und Ingenieurskunst zwar ein herber Schlag, doch auf gewisse Weise konsequent. Denn wenn man feststellt, dass alle Sanierungsversuche erfolglos bleiben, bleibt am Ende tatsächlich nur der Abriss.

Erweiterung weist Parallelen zum BER-Desaster auf 

Die Baugeschichte des Bundestags-Anbaus weist deutliche Parallelen zum Pannen-Flughafen BER auf: Im Jahr 2010 wurde mit der Erweiterung des Lüders-Hauses begonnen. Im Jahr 2014 sollte der Neubau fertig sein. Doch dann verzögerte sich die Eröffnung. Erst auf das Jahr 2015, dann auf 2016. Zuletzt wurde gar kein fester Termin mehr genannt, sondern nur eine Zeitspanne: in dieser Legislaturperiode sollte das Gebäude fertig werden – also bis 2021.

Erst war ein Streit um die Auftragsvergabe der Grund für die Verzögerung, dann war es Pfusch am Bau. Das Problem: Wer für die undichte Bodenplatte verantwortlich ist, lässt sich noch nicht sagen. Das soll mit Hilfe eines Beweissicherungsverfahren durch einen gerichtlich bestellten Sachverständigen herausgefunden werden. Zwar spreche momentan vieles dafür, dass der Anbau des Lüders-Hauses saniert werden kann, bekannte Wolfgang Kubicki gegenüber der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung, doch ganz sicher sei dies nicht.

Kosten sind bereits explodiert

Klar ist bislang nur eins: Die Kosten für den Erweiterungsbau steigen und steigen. Ursprünglich sollte er rund 190 Millionen Euro kosten, dann 195 Millionen. Zuletzt nannte das zuständige Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung einen Betrag von rund 223 Millionen Euro. Dabei wird es sicher nicht bleiben. Wenn sich die Reparaturversuche als erfolglos erweisen, bleibt als Alternative zum Abriss nur eine andere Möglichkeit: Den Rohbau als Mahnmal für die Verschwendung von Steuergeld stehenzulassen.