Berlin - Die Spundwand ist weg. Das Wasser der Spree klatscht sacht gegen die grauen Steine, die jetzt ein flaches Ufer bilden. Zwei Bagger sind mit letzten Bodensanierungsarbeiten beschäftigt, doch der Großteil des Geländes hinterm Zaun an der Holzmarktstraße 19–30 in Friedrichshain präsentiert sich platt planiert und leer. Es ist das Areal, auf dem bis zum Herbst 2011 die Bar 25 war. In drei Wochen, am 1. Mai, soll dort Baubeginn sein für ein neues Projekt der Clubmacher, die jetzt das Kater Holzig am gegenüber liegenden Spreeufer betreiben.

„Mit einem Bürgerfest wollen wir unsere Rückkehr an diesen Ort feiern“, sagt Mario Husten vom Vorstand der Holzmarkt-Genossenschaft. Diese will in den kommenden Jahren auf dem 18.000 Quadratmeter großen Areal ihr Projekt Holzmarkt aufbauen. Mit Ateliers und Werkstätten für Künstler, Händler und Handwerker im Kreativdorf. Mit einem öffentlichen Park, der Mörchenpark heißt und in dem auch Anwohner gärtnern können. Mit einem Gründerzentrum für junge Firmen und 400 Studentenwohnungen, dem Eckwerk. Mit einem Hotel und einer 24-Stunden-Kita. Und natürlich mit einem neuen Club und einem Restaurant am Wasser.

Glaskasten zum Angucken

Das erste Gebäude, das auf dem Gelände entsteht, ist aber weder Club noch Atelier, sondern etwas völlig Anderes: eine gläserne Aqua-Farm, in der Fische und Gemüse gleichzeitig aufgezogen werden. Der etwa vier Meter hohe Glaskasten in Form eines Doms soll als Pilotprojekt dienen für künftige Aqua-Farmen, die ungleich größer auf dem Dach des Eckwerks stehen sollen. Jetzt wolle man erst mal testen, ob das Konzept ankomme, sagt Mario Husten vom Vorstand der Holzmarkt-Genossenschaft: „Wir wollen sehen, ob die Leute Tomaten essen möchten, die mit Fischkacke aufgezogen wurden.“

Mit diesen etwas drastischen Worten hat er das Aquaponic-Prinzip, wie das Verfahren heißt, auf den Punkt gebracht. Denn die Pflanzen, die im Dom in Hydrokultur wachsen, werden mit den Ausscheidungen der Fische ernährt. Mit der Aufnahme der Nährstoffe reinigen die Pflanzen wiederum das Wasser, das dann wieder zu den Fischen fließt.

Carl-Philipp Dicke-Wentrop, Bauernsohn aus Nordrhein-Westfalen und Landwirtschaftsstudent im brandenburgischen Eberswalde, leitet das Projekt. Er ist davon überzeugt. „Was dort wächst, ist komplett biologisch, etwas Besseres kann man nicht kriegen“, sagt der 24-Jährige. Doch ein nicht unerhebliches Hindernis ist noch zu überwinden: Der Aqua-Dom kostet 20.000 Euro. Das Geld wird derzeit über eine Crowdfunding-Kampagne im Internet eingesammelt. Die Aktion läuft noch bis zum 25. April. Am Donnerstagnachmittag hatten 130 Unterstützer ganze 6 672 Euro gespendet. „Wir sind sicher, dass die Summe zusammenkommt“, sagt Mario Husten. „Mitte Mai steht der Dom, im Juni wird der erste Salat geerntet.“ Den Geldgebern wird versprochen, dass sie an der Ernte beteiligt werden – mit Gemüse, Fisch oder einer Eintrittskarte fürs Erntedankfest auf dem Holzmarkt.

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Der Optimismus der Kater-Holzig-Leute erstreckt sich nicht nur auf die Finanzierung ihres Aqua-Doms. Auch was ihr Gesamtprojekt betrifft, geben sie sich selbstsicher. Dabei besteht vieles am Holzmarkt bislang vor allem aus Ideen. Noch ist kein Bauantrag gestellt, doch Bäume pflanzen wie am 1. Mai geht auch ohne Genehmigung. Noch ist auch die Finanzierung der Häuser im Dorf, das zuerst gebaut werden soll, nicht endgültig sicher. Vier Millionen Euro Eigenkapital werden benötigt, um Bankkredite zu bekommen.

Für das Geld sollen die Genossenschaftsmitglieder mit ihren Anteilen sorgen. Mit jeweils 25.000 Euro sind diese nicht gerade gering. Bis zum Donnerstag hatten etwa 50 Genossen Anteile im Wert von knapp 1,9 Millionen Euro gekauft. „Zwei Millionen Euro reichen für dieses Jahr“, sagt Mario Husten.

Sorge, dass das Projekt noch scheitern könnte, ist nicht zu spüren. Nicht bei den Machern, die viel über Improvisation reden. Die ersten Dorfmieter werden eben in Containern und selbst gezimmerten Hütten unterkommen.

Auch beim Grundstückseigentümer, der Stiftung Abendrot in Basel, ist man zuversichtlich. Hans-Ulrich Stauffer, Chef der Pensionskasse, sagt: „Das Projekt wird sich durchsetzen, denn es ist nachhaltig und städtebaulich interessant.“ Die Erbbaupacht sollen sich drei Pächter teilen – das Gründerzentrum, das Dorf und das Hotel.

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