Aus Afrika stammende Pädagogen, Künstler und Dozenten haben an der Möwensee-Grundschule eine ganze Woche lang den Unterricht übernommen. Das geschah während der Projektwoche zum Thema Afrika. „Es ging uns auch darum, dass negative Bild von Afrika zu korrigieren“ sagt der aus Eritrea stammende Yonas Endrias.

Am Freitag präsentierten Dozenten und Schüler bei einem Fest auf dem weitläufigen Schulhof die Ergebnisse ihrer Arbeit. Flaure Ngamou aus Kamerun hatte mit den Grundschülern die Energiegewinnung in Afrika behandelt. „Viele hatten tatsächlich die Vorstellung, dass in Afrika alle im Dunkeln sitzen“, sagte sie. Doch so sei das nicht. In den großen Städten gibt es Strom, nur falle der oft aus. In den Dörfern würden die Leute mit allerlei Hilfsmitteln über die Runden kommen. Gemeinsam mit den Schülern baute sie eine provisorische Solaranlage, die nun auf dem Schulhof präsentiert wird.

Schulleiterin Christiane Freund hat einen ganz nahe liegenden Grund, Afrika zum Thema zu machen. Schließlich liegt die Schule mitten im Afrikanischen Viertel in Wedding. Während der Kaiserzeit, und sogar noch bis ins Jahr 1958, sind hier Straßen nach einst deutschen Kolonien in Afrika, nach Kolonialherren oder schlicht nach afrikanischen Flüssen benannt worden. Es gibt eine Togostraße, eine Windhuker Straße, eine Kameruner Straße und viele andere mehr.

Die Schüler begaben sich auf die Spurensuche im Kiez, sie erfuhren, aus welchem Anlass die Straßen benannt wurden und befragten Anwohner, ob sie davon wissen. Viele wussten es nicht. Doch auch andere Aspekte Afrikas besprachen die insgesamt 23 Referenten mit den Schülern. So zeigte ein Dozent, wie Kinder in Afrika aus Müll und nicht mehr benötigten Utensilien Recycling-Spielzeuge basteln. Fußbälle aus alten Lappen und sogar Puppenhäuser aus Lehm entstanden. „Richtiges Spielzeug gibt es dort kaum zu kaufen“, sagte Yonas Endrias.

Lern- und Erinnerungsort

Eine andere Schülergruppe lernte, wie in Afrika Kakao geerntet und zu Schokolade verarbeitet wird. Und natürlich wurde musiziert und getanzt. „Das hat besonders viel Spaß gemacht“, sagte eine Zweitklässlerin, die verschiedene Tänze präsentierte. Eine andere Frage wurde ganz bewusst ausgeklammert. Nämlich die Frage, ob Straßen des Afrikanischen Viertels umbenannt werden sollen, weil sie aus der Epoche des Kolonialismus und Imperialismus stammen, als sich Deutsche und andere Europäer aufgrund ihrer Rasse anderen Menschen überlegen fühlten. Yonas Endrias ist für eine Umbenennung. Zum Beispiel im Fall der Lüderitzstraße. Jener Adolf Lüderitz war ein Bremer Kaufmann, der Kolonialgebiete in Südwestafrika mit List und Lügen ausweitete und Militäreinsätze gegen die angestammte Bevölkerung forderte. „Ein Straßenname ist eine Ehrung, einen solchen Menschen sollte man aber nicht ehren“, sagt Endrias,

Seit 2011 macht der Bezirk Mitte aus dem Afrikanischen Viertel einen Lern- und Erinnerungsort, er gab auch Geld für das Schulprojekt. Es gibt mittlerweile eine breit betextete Stele am U-Bahnhof Rehberge. Auf der Homepage des Fördervereins ist eine interaktive Karte des Viertels zu finden, wo Namen und ihr historischer Bezug erklärt sind. Im heutigen Volkspark Rehberge war vor mehr als 100 Jahren eine Schau mit Tieren und auch Menschen aus den deutsch besetzten Kolonialgebieten geplant. Dazu kam es nach dem Ersten Weltkrieg nicht mehr, Deutschland musste die Kolonien hergeben, aber die Straßennamen blieben.

100 Jahre später wollten die schwarzen Dozenten an der Schule es partout vermeiden, dass das auf dem Fest eingesammelte Geld an ein Hilfsprojekt in Afrika gespendet wird. Das würde nur das Bild des armen, auf fremde Hilfe angewiesenen afrikanischen Kontinents bestätigen. Stattdessen plädieren sie dafür, ein afrikanisches Kunstwerk in der Schule aufzustellen.