Berlin - Das Monbijou-Theater mit seinen äußerst beliebten Aufführungen unter freiem Himmel ist seit Jahren eine echte Berliner Institution. Im legendären Amphitheater im Monbijou-Park in Mitte wurden jeden Sommer ein oder zwei Theaterstücke pro Tag aufgeführt. Und obwohl 100.000 Besucher pro Saison kamen, war die Zukunft der Spielstätte – immerhin eines der größten freien Theaterprojekte der Stadt – mehr als offen. Denn hinter den Kulissen gab es heftigen Streit.

Nun aber scheint an diesem Ort doch weiterhin eine Sommer-Bühne ihre Zukunft zu haben. Es gibt neue Betreiber für ein Freilufttheater im Monbijou-Park und die haben nach eigenen Angaben vergangene Woche entsprechende Verträge mit dem Eigentümer der Fläche – der Humboldt-Universität – unterzeichnet. Am 8. Juni will das Ensemble in die diesjährige Sommerspielzeit starten. Allerdings wird sich die neue Spielstätte dann auch unter einem anderen Namen präsentieren: „Theater an der Museumsinsel“ soll die neue Freilichtbühne künftig heißen.

Die Namensänderung und der Wechsel zu einem neuen Betreiber an diesem Ort hängt mit dem erbitterten Streit zusammen, den sich die alten und neuen Betreiber seit Wochen liefern. Mit der Vertragsunterzeichnung ist eine Schließung zwar abgewendet, beendet aber scheint der Konflikt zwischen den einstigen Partnern nicht. Auf der einen Seite steht Christian Schulz, der das Monbijou-Theater vor 21 Jahren im Park gleich neben der Spree aufbaute und der dort nun nicht mehr wirken darf.

Er fühlt sich von seinen ehemaligen Geschäftspartnern hinters Licht geführt. Sie würden seinen Lebenstraum einfach kopieren, wirft er ihnen vor. Außerdem erkenne die Bezirkspolitik nicht an, was er in den vergangenen Jahren für den Ort geleistet habe.

Anwohner beschwerten sich über Lautstärke des Monbijou-Theaters 

Auf der andere Seite gibt es eine Gruppe, die sich bereits vor einigen Monaten von Schulz gelöst hat. Sie besteht aus dem Bühnenbildner David Regehr, aus Regisseur und Dramaturg Maurici Farré sowie dem Ensemble-Sprecher Matthias Horn. Sie haben eine eigene, gemeinnützige GmbH gegründet, und die hat nun den Zuschlag für den Spielort im Monbijou-Park erhalten.

Grund für das Zerwürfnis beider Gruppen ist vor allem die Kritik der Bezirksverordnetenversammlung Mitte an einer Strandbar, die zum Theater gehört. Diese Gastronomie war einst nur mit einer Sondergenehmigung zugelassen worden, um mit deren Einnahmen den kostspieligen Theaterbetrieb querzufinanzieren. Doch mit der Zeit gab es Zweifel, ob der Großteil der Einnahmen wirklich dazu diente. Aus dem Kreis der Bezirkspolitiker heißt es: Es habe der Wille gefehlt, die Einnahmen transparent offenzulegen. Dies sei aber nötig, denn den Bürgern sei es unter anderem nicht zu erklären gewesen, wie sich Christian Schulz von den Einnahmen auch noch ein Schloss im brandenburgischen Schwante habe zulegen können.

Außerdem gab es vermehrt Beschwerden von Anwohnern wegen des vielen Mülls vor Ort und wegen unangemessener Lautstärke. Vor einigen Monaten forderte die Bezirksverordnetenversammlung deshalb das Bezirksamt auf, nur noch einer gemeinnützigen GmbH die Sondergenehmigung zu erteilen. Diese gründeten dann die ehemaligen Mitstreiter von Christian Schulz.

Christian Schulz will sein Monbijou-Theater an anderer Stelle wieder aufbauen 

Wie genau dieser Bruch erfolgte, darüber haben die Beteiligten allerdings unterschiedliche Ansichten. Für Schulz haben seine Geschäftspartner über Monate hinweg hinter seinem Rücken den Boykott geplant. David Regehr, der mit Schulz auch das Restaurant „Clärchens Ballhaus“ führt, sieht das anders.

Trotzdem sei der Schritt nötig, da Schulz nicht habe einlenken wollen. Die neue GmbH habe zugesichert, die Buchführung transparenter zu gestalten. Die Strandbar soll zwar im Kern erhalten bleiben, aber nicht der Partycharakter. Das heißt: kein Public Viewing mehr zum Fußball. „Die Gastronomie steht im Dienst des Theaters, nicht andersherum“, sagt Regehr. Er sagt auch, dass fast alle Schauspieler und Theatermitarbeiter des alten Ensembles mit in die neue Gesellschaft gehen würden.

Sie proben neben Faust noch ein weiteres Stück für die Saison. Das alte Amphitheater, in das 400 Menschen passen, wird nicht wieder an diesem Ort aufgebaut. Die neuen Betreiber planen einen Bau, der künftig komplett geschlossen sein soll, wie eine Arena.

Und Christian Schulz? Der will sich nicht so einfach geschlagen geben. Mit den verbliebenen Mitarbeitern sucht er nach einem alternativen Ort, wo er das bisherige Amphitheater wieder aufbauen und unter dem alten Markennamen Monbijou-Theater weiterführen kann. Leicht fällt ihm der Schritt nicht. Das zeigt sich auch in der vergangenen Woche, als er noch einmal die Brachfläche besucht, auf der nun andere die berühmte Bühne aufbauen. „Ich habe noch nicht verstanden, dass das jetzt weg ist“, sagt er.

Betrieb der „Märchenhütten“ im Winter kann wohl weiterlaufen 

Doch die Realität holt ihn schnell wieder ein, denn er habe bereits ein Großteil seines verbliebenen Personals entlassen müssen. „Was wir hier geschaffen haben, war einzigartig: Dass sich das Theater selbst durch die Bar trägt und ohne Förderung der Stadt auskommt“, sagt er. Zum Schauspielort im Monbijou-Park gehören neben der Sommerbühne noch die „Märchenhütten“, die von einem Ensemble im Winter bespielt wurden.

Ob dort auch im kommenden Winter Grimm'sche Märchen gezeigt werden, ist unklar. Schulz sei vom Vermieter zwar signalisiert worden, dass der Betrieb weiterlaufen könnte, endgültig sei diese Entscheidung aber noch nicht.