Viele Menschen würden jetzt langsam schlechte Laune bekommen. Erst ein Zahnarzttermin mit Wartezeit. Es wird knapp für die erste Verabredung, das hat Folgen für die ganze Planung an diesem Tag. Dann gibt es im Lieblingscafé am Ludwigkirchplatz in Wilmersdorf nicht das richtige Brot zum Frühstück. Aber Monika Grütters strahlt den Kellner an und bestellt eben ein Müsli. Dieses Strahlen, ihr Lachen, die grundsätzlich positive Ausstrahlung – das sind entscheidende Wesensmerkmale der Frau, die nun die neue Hoffnungsträgerin der Berliner CDU ist.

Viele Jahre lang hat sie es geschickt vermieden, in die erste Reihe dieser Partei zu rücken, die noch immer so provinziell daherkommt, wie Eberhard Diepgen sie damals vor 15 Jahren zurückgelassen hat. Doch das Wahldesaster vom 18. September lässt ihr keinen Ausweg mehr. Der Landesvorstand hat sie zum Nachfolger des gescheiterten Frank Henkel nominiert, jetzt kann sie sich nicht mehr wegducken. Am 2. Dezember wird sie zur neuen Landesvorsitzenden gewählt werden.

Sie ist der perfekte Gegenentwurf zu Henkel: eine Frau, aus dem Westen, weltläufig, liberal. Der CDU-Generalsekretär Kai Wegner, der gerade noch den Wahlkampf für Henkel gemanagt hat, ist nun auch für sie und behauptet: „Sie steht für alles, was die Berliner CDU ist: für eine soziale, liberale und weltoffene Großstadtpolitik.“ Man könnte meinen, der Mann habe ein entscheidendes Wort vergessen. Denn treffender wäre es zu sagen: Sie steht für alles, was die Berliner CDU nicht ist. Jedenfalls nicht in ihrer bisherigen Mehrheit, die nicht viel dabei gefunden hat, dass ihr Spitzenmann Frank Henkel eine junge Kollegin als große süße Maus anspricht.

Alle Seilschaften, alle Abgründe

Weil das so ist, hat sich Monika Grütters, 1962 in Münster geboren, bislang in kluger Distanz zu den mächtigen Männern ihrer Partei aufgehalten, die sie bestens kennt. Alle Seilschaften, alle offenen Rechnungen, alle Abgründe. Zehn Jahre war sie Mitglied im Abgeordnetenhaus, weitere elf Jahre Berliner Bundestagsabgeordnete, seit 1998 gehört sie dem Landesvorstand an und war zuletzt sogar erste Stellvertreterin Henkels. Sie war also immer nah dran, immer einbezogen und bestens informiert, aber nie wirklich verantwortlich, wenn wieder etwas schiefging in der Berliner CDU. Und das war seit dem Machtverlust 2001 oft der Fall.

Und nun? Nun erklärt sie: „Für dieses Amt zu kandidieren, ist für mich eine Ehre und eine große Herausforderung. Darauf freue ich mich.“ Mehr als diese diplomatische Formel ist von ihr öffentlich derzeit nicht zu hören, auch daran ist ihre politische Klugheit zu erkennen. Bis zum 2. Dezember wird sie sich aus allen Debatten über die CDU heraushalten. Aber man kann davon ausgehen, dass sie die Sache mit der Herausforderung ernst meint und ernst nimmt und dass der Appetit auf die neue Aufgabe jetzt auch wächst. Wenn sie etwas macht, macht sie es richtig und nicht halbherzig.

Ihre Karriere in den vergangenen elf Jahren ist dafür der beste Beweis. Als Vorsitzende des Kulturausschusses im Bundestag hat sie viel für Berlin getan, das jedes Jahr Hunderte Millionen Euro für die Museen und Theater aus dem Bundeshaushalt bekommt, oft auch zum Missvergnügen der Kollegen aus den anderen Bundesländern. Sie hat so geschickt agiert, dass immer allseits akzeptierte Lösungen herausgekommen sind. Ihr wird ein großes Talent beim Überbrücken von Differenzen bescheinigt.

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